Prominentenauflauf an der Seine
Wenn sich die Haute-Couture-Designer in Paris ein Stelldichein geben, dann dominieren kostbare Stickereien, glitzernde Kristalle und feinstes Leder die Laufstege. Von Dior über Chanel bis Versace zeigten die Meister der gehobenen Schneidekunst ihre Meisterwerke. Finanzierbar sind diese Stücke nur für eine kleine, aber durchaus kauffreudige Kundenschicht.
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Über Geld spricht man bei den Pariser Modeschauen nicht - höchstens raunt man einander die astronomischen Summen hinter vorgehaltener Hand zu. Da werden dann aufgeregt tuschelnd Preise von 50.000 Euro aufwärts für ein handgeschneidertes Abendkleid genannt. Doch mit der Oscar-Verleihung vor der Tür sorgt das beim Front-Row-Publikum höchstens für ein Schulterzucken. Denn hier wird „Last Minute“ gesucht, was in wenigen Wochen auf dem roten Teppich präsentiert werden soll.

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Giorgio Armani ließ sich für seine Kollektion von der Tierwelt inspirieren
Exklusiver Designerkreis
Im Gegensatz zu den üblichen Modeschauen ist das Angebot bei der Haute Couture überschaubar. Denn nur wenige Modefirmen genügen den strengen Richtlinien des Pariser Modeverbands Chambre Syndicale de la Haute Couture. Zudem lädt der Verband jedes Jahr eine Handvoll Topdesigner zu den Schauen ein, die nicht die strengen Kriterien erfüllen, weil sie zum Beispiel nicht in Paris schneidern (wie unter anderem Armani), aber deren Kreationen exklusiv und teuer genug sind, um den hohen Ansprüchen der finanzstarken Klientel zu entsprechen.
Die Rückkehr der Grande Dame
In den vergangenen Jahren kämpften die Haute-Couture-Schauen immer wieder gegen Unkenrufen, die ihnen ein baldiges Ende prophezeiten. Die hohe Schneiderkunst mit den astronomischen Preisen sei eine aussterbende Gattung und habe in einer auf Profit bedachten Branche keinen Platz, schrieben Kritiker und Wirtschaftsanalysten immer wieder. Doch die Rückkehr eines lange abwesenden Topdesigners spricht eine andere Sprache.

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Donatella Versace eröffnete die Fashion-Week
Donatella Versace entschloss sich nach acht Jahren Abstinenz, heuer ihre kostspieligen Modelle wieder öffentlich in Paris zu präsentieren. In der Branche wurde das als großes Revival der Luxusmode bejubelt, und man beglückwünschte einander freudig zur überstandenen Krise. Doch die Rückkehr dürfte wohl weniger der Chantille-Spitze oder dem goldenen Leder geschuldet sein, welche die aktuelle Kollektion dominierten - sondern der weitaus lukrativeren Zusammenarbeit mit dem Moderiesen H&M im vergangenen Jahr.
Dior überzeugte auch ohne Chefdesigner
Doch nicht nur Versace meldete sich eindrucksvoll in der obersten Liga zurück, auch Dior präsentierte sich nach dem Wirbel um den geschassten Chefdesigner John Galliano selbstbewusster und erfolgreicher den je. „Die Dinge laufen gut“, sagte Dior-Chef Sydney Toledano am Rande der Show am Montag. „Der Weihnachtsverkauf ist ausgezeichnet gelaufen, besser als im Jahr zuvor.“ In den ersten drei Quartalen des vergangenen Jahres lag das Ergebnis des Unternehmens um 21 Prozent über dem des Vorjahres. Und Analysten sagen der Luxusmarke ein Wachstum im zweistelligen Bereich voraus. Kein Wunder also, dass sich die Gäste im dritten Stock des Grand Palais drängten.

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Diors Hommage an den Schwarz-Weiß-Film
Diors Interimsdesigner Bill Gaytten setzte auf ausladende Stofflagen in Schwarz und Weiß mit dezent eingesetzten Rottönen. In aufwendiger Handarbeit wurden aufgestickte Rosenblüten in einer speziellen Falttechnik gefertigt. Das Highlight waren jedoch die kunstvollen Ballkleider mit ausladender Krioline in edlen Grautönen. Ein Geheimtipp für Berenice Bejo, Hauptdarstellerin im Oscar-Favorit „The Artist“?
Die unendliche Vielfalt der Farbe Blau
Einer, der das Wort „Krise“ wohl noch nie gehört hat, ist Karl Lagerfeld. Der Stardesigner von Chanel setzte seine Gäste kurzerhand in das (nachgebaute) Innere eines Flugzeugs inklusive Gangway, Getränkewagen und einer schier überwältigenden Fülle an Blautönen. In seinen 60 Entwürfen verarbeitete er 154 Blauschattierungen - vom tiefen Nachtblau für die kristallbestickten Cocktailkleider bis hin zu schillerndem Babyblau für die tagestauglichen Entwürfe.
Ein weiterer Hinweis darauf, das die Haute Couture noch lange nicht ans Abtreten denkt, ist die große Zahl an Neuzugängen der letzten Jahre. So zeigte die Niederländerin Iris van Herpen, die letztes Jahr als Newcomerin für Aufsehen gesorgt hatte, heuer Mode, die zwar an die Struktur von Bakterien und Algen erinnerte, jedoch trotzdem durchaus tragbar ist. Unter dem Titel „Colour Therapy“ griff Alexis Mabille tief in den Farbtopf und färbte neben seinen Abendkleidern auch gleich die Köpfe seiner Models ein.

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Alexis Mabille schwelgte in Farben
Großer Andrang in der ersten Reihe
Lag es an der nahenden Oscar-Verleihung oder an den sinkenden Aktienkursen, die die Suche nach alternativen Anlageformen notwendig machen, der Promifaktor war in diesem Jahr auf jeden Fall besonders hoch. Cameron Diaz kam zu Versace, Dior und Chanel, Vanessa Paradis saß bei ihrem Lieblingslabel Chanel in der ersten Reihe. Die für ihren ausgefallenen Modestil berühmte Gossip-Sängerin Beth Ditto besuchte die Avantgarde: zum Beispiel Van Herpen und den hochbegabten Alexandre Vauthier.
Gabi Greiner, ORF.at
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