Hoffnung auf Überlebende schwindet
Vier Tage nach dem Schiffbruch der „Costa Concordia“ vor der toskanischen Insel Giglio beschleunigen die Rettungskräfte die Suche nach Vermissten. Um rascher durch die Trümmer im Schiffsrumpf zu kommen, wurde auch Sprengstoff eingesetzt. Im Inneren des Schiffes entdeckten Taucher am Dienstag fünf weitere Leichen.
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Der Sprecher der Küstenwache, Filippo Marini, sagte, bei den gefundenen Toten handle es sich um eine Frau und vier Männer. Sie seien im hinteren Teil des überfluteten Hecks gefunden worden, hätten Rettungswesten getragen und seien zwischen 50 und 60 Jahre alt gewesen. Ob es sich um Passagiere oder Besatzungsmitglieder handelte, blieb zunächst unklar. Damit erhöht sich die Totenbilanz auf elf.
Löcher in den Rumpf gesprengt
Bei der verzweifelten Suche nach Überlebenden im Wrack des Schiffs sprengten Rettungsmannschaften am Dienstag vier Löcher in den Rumpf, teils über der Wasseroberfläche, teils darunter. Damit kamen die Bergungsmannschaften besser zu bisher versperrten Bereichen des Schiffes, teilten die Behörden mit.

APA/EPA/Enzo Russo
Eine kleine Rauchwolke zeigt an, wo ein Loch in den Rumpf gesprengt wurde
Und die Zeit wird immer knapper. Bereits am Mittwoch soll eine Schlechtwetterfront aufziehen, höhere Wellen drohen das Schiff weiter abrutschen zu lassen. Bei der überwiegenden Zahl der Vermissten soll es sich um betagte Passagiere handeln. Der Verdacht liegt nahe, dass sie es nicht mehr geschafft haben, sich aus eigener Kraft aus dem Schiff zu retten.
Durch die Sprengeinsätze erhofft man sich eine deutliche Zeitersparnis. „Wir können jetzt Sammelpunkte auf dem Schiff besser erreichen“, sagte ein Sprecher der Feuerwehr. An diesen Stellen sei die Wahrscheinlichkeit höher, Vermisste zu finden. Bei der Suche in Bereichen unter und über Wasser würden auch Minikameras eingesetzt. Die Hoffnung, Menschen noch lebend aus dem Wrack retten zu können, ist allerdings gering. Ein Vertreter der Küstenwache sprach von einem letzten „Hoffnungsschimmer“.

AP/Gregorio Borgia
Fieberhafte Suche nach Überlebenden
Besatzung begann Evakuierung angeblich selbst
Die Reederei macht Kapitän Francesco Schettino für das Unglück verantwortlich. Er war demnach eigenmächtig von der Route abgewichen und hatte nach dem Unglück viel zu spät die Evakuierung des Luxusliners angeordnet. Italienischen Medienberichten zufolge begann die Besatzung schließlich eigenmächtig mit der Evakuierung - 15 Minuten, bevor die Anweisung des Kapitäns kam. Sein Anwalt beschreibt ihn als sehr bestürzt und niedergeschlagen. Wegen möglicher Suizidgefahr im Gefängnis wird er streng überwacht.
Das Schiff liegt direkt vor der Insel Giglio im Toskanischen Archipel. Der Kreuzfahrtriese aus 115.000 Tonnen Stahl liegt auf einem Felsvorsprung, es wird befürchtet, dass er bis zu 70 Meter tief ins Wasser abrutschen könnte, momentan liegt der Kiel auf 37 Meter Tiefe. Das Wrack hatte sich am Montag schon um mehrere Zentimeter abwärts bewegt. Der bei Tauchern wegen ihres klaren Wassers beliebten Region droht noch immer eine Ölpest. Die „Costa Concordia“ hat 2.400 Tonnen Schweröl geladen, das auszulaufen droht.
Ölsperren ausgelegt
Die Kreuzfahrtlinie Costa, Betreiber der „Costa Concordia“, hat ein Spezialunternehmen mit der umweltschonenden Bergung beauftragt. Doch zu Art und Zeitpunkt des Abtransports ist vieles noch unklar. Vorerst wurden 900 Meter lange Ölsperren rund um das am Freitagabend auf Grund gelaufene Kreuzfahrtschiff ausgelegt. Giglios Bürgermeister Sergio Ortelli warnte: „Vor unserer Insel, einer Perle des Thyrrenischen Meeres, tickt eine ökologische Zeitbombe.“

Reuters/Guardia Costiera
Aus Rissen in der Schiffswand droht Treibstoff auszutreten
Mit dem Abpumpen des Treibstoffes und der Bergung wurde die bekannte niederländische Bergungsfima Smit Salvage beauftragt, die mit einem Team schon auf Giglio eingetroffen ist. Das Unternehmen war bereits unter anderem an der Hebung des verunglückten russischen Atom-U-Boots „Kursk“ 2001 und der Bergung der im Ärmelkanal gesunkenen Fähre „Herald of Free Enterprise“ 1987 beteiligt. Ob oder wie das Wrack geborgen werden kann, ist derzeit jedoch noch völlig offen.
„Kinderstube“ der Mittelmeerwale bedroht
Umweltschützer warnen vor einer Umweltkatastrophe, da das Schiff mitten im wichtigsten Walschutzgebiet des Mittelmeers liege. „Da sind acht Walarten zu Hause“, sagte WWF-Experte Jochen Lamp, darunter Delfine, Pottwale und Finnwale. In dem Bereich befinde sich nicht nur das Hauptnahrungsgebiet der Wale, sondern auch ihre „Kinderstube“.
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