Costa-Chef weist Vorwürfe zurück
Geht es nach der Reederei Costa Crociere, ist der Kapitän des vor der italienischen Küste havarierten Kreuzfahrtschiffes, Francesco Schettino, allein für das Unglück verantwortlich. Mittlerweile gerät die Kreuzfahrtgesellschaft aber selbst immer mehr in den Fokus der Ermittler.
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Entscheidend ist zu klären, wann die Reederei von der Havarie erfuhr und wer letztlich die um rund eine Stunde verzögerte Evakuierung veranlasste. Noch 40 Minuten nach dem Zusammenstoß des Schiffs wurden die Passagiere von einem Crewmitglied einem Amateurvideo zufolge aufgefordert, in die Kabinen zurückzukehren.
War es Schettino, der die Evakuierung verschob, weil er das Ausmaß der Katastrophe falsch einschätzte? Oder Costa Crociere, um Entschädigungsforderungen in Millionenhöhe zu verhindern, wie der „Guardian“ unter Berufung auf italienische Medien berichtete. Gegenüber der ARD betonte der zuständige Staatsanwalt Francesco Verusio, dass sich seine Ermittlungen nun immer mehr auf die Reederei konzentrierten. Laut Medienberichten gab Schettino an, dass Costa Crociere „alles“ gewusst habe. Er habe sofort nach der Havarie das Unternehmen informiert.

AP/DigitalGlobe
Satellitenaufnahme des vor der toskanischen Küste havarierten Schiffs
„Würde unsere Ethik verletzen“
Crociere-Chef Pier Luigi Foschi wies die Vorwürfe vehement zurück. Es habe keinen Druck auf Schettino gegeben, die Evakuierung zu verzögern. „Ich versichere Ihnen absolut, dass niemand an finanzielle Belange dachte“, sagte er am Freitag gegenüber dem „Corriere della Sera“. „Das wäre eine Entscheidung, die unsere Ethik verletzen würde.“ Gegenüber dem „Guardian“ verweigerte ein Sprecher, zu laufenden Ermittlungen Stellung zu nehmen. Er betonte aber, dass das Unternehmen mit den italienischen Behörden zusammenarbeiten werde.
Schettino jedenfalls werden mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und das Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen. Er räumte selbst Fehler ein: „Es ist etwas schiefgegangen, denn ich habe zu spät gelenkt.“ Er sei auf Sicht gefahren, denn er habe den Meeresboden gekannt. Dieser Felsen habe ihn aber überrascht. Am Donnerstag wurde er suspendiert.
Schettino vs. Costa Crociere
Am Freitag verschärfte das Unternehmen seine Kritik an Schettino. Er allein sei verantwortlich. „Er hat uns belogen“, sagte Foschi. Schettino hingegen widersprach: Er habe nach dem Unglück sofort mit dem Krisenmanager der Kreuzfahrtgesellschaft telefoniert und die Entwicklungen an Bord beschrieben.
Foschi will nun gegen den suspendierten Kapitän vor Gericht vorgehen. Man müsse noch feststellen, warum der Kapitän das Schiff vor Ende der Evakuierungsaktion verlassen habe. Schettinos Anwalt Bruno Leporetti forderte indessen die Entlassung seines Mandaten aus dem Hausarrest. Es bestehe keine Fluchtgefahr.
Wie nahe an der Insel?
Dass die „Costa Concordia“ der Insel Giglio so nahe kommt, sei nicht das erste Mal so gewesen. Italienischen Medien zufolge sei das Schiff immer wieder an die Küste herangefahren, um die Bevölkerung zu grüßen. Laut „Corriere della Sera“ wurde das von der Reederei sogar beworben. Nach Angaben des Schiffsinformationsdienstes Lloyd’s List Intelligence sei das Schiff - aufgrund einer genehmigten Kursänderung - schon im August vergangenen Jahres in rund 230 Meter Entfernung an Giglio vorbeigefahren.
Am Freitag bekräftigte Foschi gegenüber dem „Corriere della Sera“, dass den Besitzern der „Costa Concordia“ nicht bekannt sei, dass die Schiffe gefährlich nahe an die Küste fahren würden. Davor hatte er noch gesagt, die Schiffe seien nie näher als 500 Meter an die Küste herangefahren. Manchmal seien Schiffe in Küstennähe gefahren für die Touristen, aber das sei immer sicher gewesen. Er wies zurück, dass das Unternehmen gewusst habe, dass die Concordia so gefährlich nahe an die Küste heranfahren würde.
Links:
- Costa Crociere(ttp://www.costacrociere.it/)
- Corriere della Sera
- Lloyd’s List Intelligence (Lloyd’s List Intelligence)
- Bild