Themenüberblick

Nordkorea nun „im Kollektiv regiert“

Nordkoreas Militär hat sich anscheinend hinter den Sohn des verstorbenen Herrschers Kim Jong Il gestellt. An der Staatsführung des noch jungen Kim Jong Un würden sich die Generäle aber beteiligen, berichtete die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch unter Berufung auf einen anonymen Informanten mit besten Verbindungen zur nordkoreanischen Staatsspitze.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Auch werde der Herrschersohn die Macht mit seinem 65-jährigen Onkel Jang Song Thaek teilen müssen, heißt es. Er war bereits 2009 in die Nationale Verteidigungskommission Nordkoreas gehievt worden. Mit der Aussicht auf eine Führungsriege sei ein Putsch nun „sehr unwahrscheinlich“, das Militär habe „Kim Jong Un Treue geschworen“, zitiert die Nachrichtenagentur die Quelle. Zum Unterschied von der Vergangenheit werde Nordkorea jedoch künftig „im Kollektiv“ regiert.

Angaben offenbar zuverlässig

Die Angaben dürften aus dem streng abgeschotteten kommunistischen Regime Nordkoreas oder der chinesischen Staatsspitze kommen. Die Quelle berichtete zudem, China sei erst unmittelbar vor der offiziellen Verlautbarung von Kim Jong Ils Tod von dessen Ableben informiert worden - ein weiteres Indiz für Turbulenzen in der politischen Führung Nordkoreas. Die Furcht vor einem Machtvakuum nach dem Tod des langjährigen Herrschers hatte in der Region für Unruhe gesorgt.

Die Informationen dürften zuverlässig sein: Reuters hatte von derselben Person bereits 2006 vorab von bevorstehenden ersten Atomtests in Nordkorea erfahren. Trotz eines Raketentests am Montag sei in naher Zukunft nicht mit einem weiteren Atomtest zu rechnen - außer Nordkorea werde „provoziert“, wurde der Informant weiter zitiert. Der Raketentest am Montag habe den USA als Warnung vor einem Vorgehen gegen Nordkorea gelten sollen.

Aussicht auf Waffenstillstand?

„Mit dem Raketentest wollte (Nord-)Korea signalisieren, dass es sich selbst schützen kann“, so die Quelle. In den Jahren 2006 und 2009 schockierte das verarmte und isolierte Land die Weltgemeinschaft mit zwei Atomtests. Bis heute ist unklar, ob das Militär im Besitz einer einsatzfähigen Kernwaffe ist. Internationale Verhandlungen über sein Atomprogramm hat Nordkorea abgebrochen.

Es gibt jedoch die Möglichkeit, dass gerade die Beteiligung des Militärs an der nordkoreanischen Führung ein gewisses Maß an Stabilität und Berechenbarkeit bringen könnte. So heißt es nun, Nordkorea wolle einen Waffenstillstand mit dem Süden vereinbaren. Bis heute ist der Koreakrieg (1950 bis 1953) offiziell nicht beendet. Süd- und Nordkorea befinden sich nach wie vor lediglich in einer „Feuerpause“.

Link: