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Eher Ferrari verkaufen als Butler feuern

In Großbritannien ist die Nachfrage nach gut ausgebildeten Butlern derzeit so hoch, dass sie kaum gedeckt werden kann: Die Nachfrage habe das Angebot überflügelt, sagte Robert Watson, Leiter der Guild of Professional English Butlers gegenüber dem Wirtschaftsmagazin Bloomberg. Superreiche Klienten vor allem aus Schwellenländern seien vermehrt auf der Suche nach gut ausgebildeten Dienstboten.

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„Wir bekommen eine Menge Anfragen von Chinesen, die auf Stapeln von Geld sitzen. Sie entdecken, dass sie, wenn sie acht Millionen Pfund für eine Villa mit Marmorböden ausgeben, auch jemanden brauchen, der weiß, was er tut“, so Watson. Man könne kaum den Bedarf decken. Und das, obwohl 2011 von der Gilde bereits 20 Prozent mehr Butler ausgebildet wurden als im Jahr davor. Viele seiner Klienten kommen aus Asien. „Asien kommt jetzt ganz groß auf“, so Watson.

„Reich an Geld, arm an Zeit“

„Wir arbeiten mit Menschen zusammen, die oft reich an Geld und arm an Zeit sind.“ Rund 1.000 Butler werden in dem Unternehmen jährlich ausgebildet und sofort nach Beendigung des Trainings engagiert, erklärt Watson. Etwa ein Fünftel von ihnen tritt in die persönlichen Dienste von Wohlhabenden, der Rest arbeitet nach der Ausbildung in Hotels. Die Nachfrage wurde durch die Kreditkrise kurz gebremst, aber „bevor sie den Butler feuern, verkaufen sie den Ferrari“, so Watson.

Weg vom Diener hin zum persönlichen Assistenten

Die Rolle des modernen Butlers habe sich dabei in den letzten Jahren gewandelt, ist Watson überzeugt. Er ist heute viel mehr ein persönlicher Assistent als ein Diener im klassischen Sinne. Butler unterstützen ihre Arbeitgeber in organisatorischen Angelegenheiten, beraten sie in Etikett- und Stilfragen und, was essenziell ist, bewahren bei all dem große Diskretion.

„Wir haben speziell in China viele Geschäfte gemacht“, sagte auch Robert Wennekes, Vorsitzender der International Butler Academy gegenüber Bloomberg. Wennekes bildet seine Butler in einem Schloss in den Niederlanden aus. „In jedem der letzten 15 Monate bin ich von Amsterdam nach China gereist, um dort unsere Kunden zu betreuen.“

Für das Zweithaus oder die Jacht

Die britische Agentur Greycoat Placements hat etwa 20.000 zu vermittelnde Arbeitskräfte. Das sind rund dreimal so viele wie noch im Jahr 2008. Die Zahl der vermittelten Butler stieg im Vorjahr um 20 Prozent. Die starke Nachfrage stamme unter anderem daher, dass eine wachsende Zahl von Chinesen Bedienstete für ihre Zweithäuser in London suchen, heißt es vonseiten der Agentur. Häufige Dienstorte seien hingegen auch Jachten auf hoher See.

Jahresgehalt: 121.000 Euro

Sara Vestin, Leiterin einer ebenfalls aus London stammenden Hausangestellten- und Nannyagentur, sagte gegenüber Bloomberg, sie habe in diesem Jahr fast dreimal so viele Butler ausgebildet wie im Jahr davor. Sie alle erhielten einen Job - der bestdotierte davon liegt bei 101.500 Pfund (etwa 121.000 Euro) jährlich. „Jeder, der einen Job sucht und für unser Training akzeptiert wird, bekommt auch einen Job“, so Vestin. Angesichts der Nachfrage gäbe es sogar einen Mangel an Butlern.

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