Von „Nord Stream“ bis „White Stream“
Der wachsende Energiehunger Europas und die dementsprechend wachsende Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen hat in den letzten Jahren zu einem wahren Wettrüsten bei Gaspipelines geführt - von Russland ausgehend oder eben an Russland vorbeiführend. Im Folgenden ein Überblick:
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„Nord Stream“
Die im November offiziell eröffnete Pipeline führt von Russland über 1.220 Kilometer durch die Ostsee bis ins deutsche Lubmin. Gespeist wird sie aus sibirischen Erdgasfeldern. Von Lubmin strömt das Gas weiter bis nach Dänemark, Großbritannien und Frankreich. Ab 2012 sollen in zwei Leitungen bis zu 55 Mrd. Kubikmeter Gas jährlich befördert werden.
Betrieben wird die Pipeline von einem Konsortium, an dem der russische Gasriese Gasprom 51 Prozent hält. Zudem sind E.ON Ruhrgas und die BASF-Tochter Wintershall aus Deutschland, die niederländische Gasunie und der französische Energiekonzern GDF Suez beteiligt. Den Vorsitz im Aufsichtsgremium, dem Aktionärsausschuss, hat Deutschlands Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD).
„South Stream“
Diese Pipeline soll Erdgas von Russland über das Schwarze Meer nach Bulgarien und von dort nach Europa bringen - ursprünglich geplanterweise in zwei Leitungen bis nach Österreich und Italien. Indem die 3.600 Kilometer lange Leitung rund 900 Kilometer durch das Schwarze Meer führt, wird die Ukraine umgangen.
Mit dem Nachbarland befindet sich Russland in einem Dauerstreit um den Gastransit, der schon mehrfach zur Unterbrechung der Lieferungen nach Westeuropa führte. Nach Vollendung der Leitung Ende 2015 ist eine Transportkapazität von 63 Mrd. Kubikmetern Gas im Jahr geplant. Das Projekt wird von Gasprom, Wintershall, der italienischen ENI-Gruppe und dem staatlichen französischen Energiekonzern EDF betrieben.
„Nabucco“
Die von der Europäischen Union unterstützte Pipeline ist ein Konkurrenzprojekt zu „South Stream“. „Nabucco“ soll 2017 fertiggestellt werden und unter Umgehung Russlands jährlich Gas vom Kaspischen Meer in Zentralasien nach Europa pumpen - von der Türkei bis nach Österreich.
Das Gas soll aus zentralasiatischen Lieferländern stammen, Lieferzusagen hat die EU aber noch nicht. Sie verspricht sich von der 3.300 Kilometer langen Leitung mehr Unabhängigkeit von ihrem größten Erdgaslieferanten Russland. An dem etwa acht Mrd. Euro teuren Projekt ist auch die österreichische OMV beteiligt. Der ehemalige deutsche Außenminister Joschka Fischer (Grüne) arbeitet als Berater für „Nabucco“.
„White Stream“
Das Projekt, eine Initiative der Ukraine, soll Gas aus der Region des Kaspischen Meeres bis nach Westeuropa bringen. Die Pipeline beginnt Planungen zufolge in Georgien und führt über den Boden des Schwarzen Meers bis in die Ukraine und Rumänien. Von dort soll das Gas schließlich in Europa verteilt werden.
Aufgrund des Verlaufs wird das Projekt auch GUEU genannt: Georgien-Ukraine-EU. Die Kapazität der Leitung soll von anfänglich acht Mrd. Kubikmetern auf 32 Mrd. Kubikmeter gesteigert werden. Erwartungen der Planer zufolge könnte die Pipeline 2016 den Betrieb aufnehmen.