Verlierer im Gaspoker
Die geplante Gaspipeline „South Stream“ von Russland nach Südeuropa wird nach Angaben aus Firmenkreisen nun in Italien und nicht in Österreich enden. Gasprom habe die Verlegung entschieden, hieß es am Mittwochabend aus Unternehmenskreisen. Der russische Energieriese wollte die Meldungen offiziell nicht kommentieren.
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Demnach hat Gasprom endgültig die Variante abgeschrieben, die den Gastransport zum Hub im österreichischen Baumgarten vorgesehen habe. Der Gasverteiler in dem kleinen niederösterreichischen Ort wäre damit von seiner jetzt schon bedeutenden Rolle als Verteiler für Europas Konsumenten zum zentralen EU-weiten Gasknotenpunkt gewachsen, mit einer entsprechend gewichtigen Position Österreichs als Russlands Gegenüber.
In Norditalien soll nun Schluss sein
Nunmehr soll „South Stream“ jedoch in Norditalien enden. Österreich wird laut den Meldungen lediglich ein von dort weg - in Eigenregie - zu errichtender Nebenstrang als Gasabnehmer für den eigenen Bedarf zugestanden. Auch die Idee der Verlegung der Pipeline über Griechenland und das adriatische Meer zum Süden Italiens sei nicht mehr aktuell, wie die Zeitung „Moskowskije Nowosti“ unter Berufung auf Unternehmenskreise schrieb.
Gasprom und die österreichische OMV gründeten Anfang des Jahres noch ein Joint Venture zum Bau des rund 60 Kilometer langen österreichischen „South Stream“-Abschnitts. An der South Stream Austria halten die beiden Unternehmen je 50 Prozent. Im April 2010 hatten Österreich und Russland in einem Regierungsabkommen die Zusammenarbeit beim Pipelineprojekt vereinbart.
„South Stream“ vs. „Nabucco“
Die aktuellen Berichte wollte die OMV vorerst nicht kommentieren. Aus dem Unternehmen hieß es, man sei Teil des Konsortiums zum Bau des österreichischen Teilabschnitts von „South Stream“ und habe dafür eine Machbarkeitsstudie gemacht, die in diesem Frühjahr abgeschlossen worden sei. Jetzt liege es an Gasprom, eine Gesamtstudie vorzustellen, das sei bis dato noch nicht geschehen. Es bleibe die Frage, ob, welche und wie viele Stränge die Pipeline haben werde.
Der Rauswurf Österreichs aus dem „South Stream“-Projekt hat offenbar unmittelbar mit dem Konkurrenzprojekt „Nabucco“ zu tun, bei dem die OMV die treibende Kraft ist und für das Österreich aktiv Lobbying betreibt. „Nabucco“ soll unter Umgehung Russlands Gasvorkommen aus dem kaspischen Meer nach Europa bringen und damit auch die Abhängigkeit Europas von Russlands Gaslieferungen mindern.
Scheiterte Deal an EU-Kommission?
Russland wäre nach bisherigem Stand der Dinge offenbar bereit gewesen, das österreichische „Doppelspiel“ zu akzeptieren, einerseits Moskaus wichtigster Partner bei „South Stream“ zu sein und andererseits mit „Nabucco“ Vertriebswege an Russland vorbei zu erschließen. Als „Pfand“ wollte Russland dabei jedoch eine 50-prozentige Beteiligung an der OMV-kontrollierten Gasbörse CEGH. Diese Beteiligung war aus russischer Sicht bereits paktiert.
Wie „Moskowskije Nowosti“ unter Berufung auf Gasprom-Vizechef Alexander Medwedew schreibt, habe die EU-Kommission jedoch unannehmbare Bedingungen für die russische Beteiligung gestellt und damit das Geschäft faktisch blockiert - weil Brüssel wohl über das Schicksal von „Nabucco“ besorgt gewesen sei, so die Zeitung. Über die CEGH-Beteiligung hätte Russland auch bei „Nabucco“ ein gewichtiges Wort mitzureden gehabt.
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