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UNO: Mehr Einsatz der Länder nötig

Auf der Agenda der politisch Handelnden ist der Kampf gegen den Klimawandel in den Hintergrund gerückt - ebenso wie in der öffentlichen Wahrnehmung. Im Vorfeld des 17. UNO-Klimagipfels, der am Montag im südafrikanischen Durban beginnt und bis 9. Dezember dauert, bestimmt die Finanzkrise auf internationaler Ebene die Schlagzeilen.

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Dabei werden die von den Wissenschaftlern zusammengetragenen Klimadaten immer alarmierender: Mitte November veröffentlichte der Weltklimarat alarmierende Zahlen, denen zufolge die globale Erderwärmung zu immer extremeren Wetterbedingungen führen wird. Am Vorabend des Klimagipfels appellierten Experten der UNO, der EU und zahlreicher Umweltorganisationen unisono vor allem an die Regierungen in Peking und Washington zum Einlenken in der Klimapolitik. Und auch Papst Benedikt XVI. rief die internationale Gemeinschaft am Sonntag zu verstärkten Anstrengungen auf.

UNO: Klimaziel noch in Reichweite

Das internationale Klimaziel, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, wäre nach einem Bericht des UNO-Umweltprogramms UNEP sowohl technologisch als auch wirtschaftlich machbar. Es mangle aber am Einsatz der Länder. Wenn die Länder ihren Ehrgeiz erhöhten und ihre Politik änderten, könne das Ziel noch wie geplant mit Klimaschutzprojekten bis 2020 erreicht werden, sagte UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon am Mittwoch.

Konkret schlägt der Bericht Regierungen unter anderem vor, sehr viel stärker als bisher in erneuerbare Energien und Energieeffizienz zu investieren. Auch der Öffentliche Nahverkehr müsse vielerorts ausgebaut werden. Viel zu tun gebe es auch in der Landwirtschaft und bei der Müllentsorgung. Besonders wichtig sei außerdem mehr Umweltschutz im Flug- und Schiffsverkehr. Diese seien für rund fünf Prozent des weltweiten CO2-Ausstoßes verantwortlich. Beim Schiffsverkehr wäre alleine schon dadurch viel gewonnen, dass die Geschwindigkeiten reduziert würden, heißt es im Bericht.

Debatte über Alternativen zu UNO-Gipfel

In Durban müsse sowohl der kurz- als auch der langfristige Weg hin zu mehr Klimaschutz klar festgelegt werden, forderte UNO-Klimachefin Christiana Figueres. Doch die Erwartungen an den Gipfel, bei dem unter anderem über eine Nachfolgeregelung für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll beraten werden soll, sind gering.

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APA/Martin Hirsch

Die Stimmen mehren sich, die den UNO-Klimaschutzprozess für gescheitert ansehen und neue Modelle anregen. Der ehemalige Leiter des UNO-Klimasekretariats UNFCCC, Yvo de Boer, der im Juni erklärte, das Kyoto-Protokoll sei tot, schlägt als Alternative eine Art Welthandelsorganisation für Klimaschutz vor, in der die Mitgliedsstaaten wirtschaftliche Vorteile durch CO2-vermindernde Maßnahmen erlangen könnten.

Neues Klimaabkommen „unwahrscheinlich“

Achim Steiner, Chef des UNO-Umweltprogramms UNEP, hofft, dass es in Durban wenigstens neue Impulse beim Waldschutz und beim Aufbau des auf den vorherigen im Grundsatz beschlossenen weltweiten Klimafonds geben wird. Ein neues internationales Klimaabkommen dagegen, möglichst mit verbindlichen Obergrenzen für den CO2-Ausstoß, sei „zu diesem Zeitpunkt unwahrscheinlich“.

Auch der Chef des Potsdamer Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Ottmar Edenhofer, verlangte kürzlich nach einem Neustart und zog die UNO-Klimarahmenkonvention (UNFCCC) mit ihren 194 Mitgliedsstaaten als geeignetes Instrument für den Klimaschutz in Zweifel: „Zu viele Teilnehmer und zu wenige Themen.“ Zugrunde liegt die Rechnung, dass zusammengenommen nur ganze elf Staaten für 80 Prozent der Emissionen verantwortlich sind - brächte man diese an einen Tisch, wäre dem Weltklima schon entscheidend geholfen, so Edenhofer.

EU auf der Bremse

Eine Trendumkehr bei den CO2-Emissionen ist weltweit nicht zu erkennen. Die weltweiten Kohlendioxidausstöße sind nach einem rezessionsbedingten Knick im Jahr 2009 wieder gestiegen. Mit einem Plus von sechs Prozent war der Zuwachs so stark wie nie zuvor, errechnete das US-Energieministerium. Immer wichtiger werden die aufstrebenden Schwellenländer wie China, wo immer neue Kohlekraftwerke den enormen Energiebedarf befriedigen und damit mutmaßlich die Erderwärmung gleich mitbefeuern.

Der bisherige Taktgeber bei den internationalen Verhandlungen, die EU, ist mittlerweile auf die Bremse getreten, was die Fortführung des Kyoto-Protokolls angeht. Ursprünglich hatte die EU angestrebt, ein Folgeabkommen unter Einbindung der USA und von Schwellenländern wie China und Indien zu verabschieden. Nach dem Scheitern der Klimakonferenz 2009 in Kopenhagen war man aber von den eigenen ambitionierten Plänen Schritt für Schritt abgewichen - von einem möglichen 30-Prozent-Ziel spricht kaum noch jemand.

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