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„Umso teurer, je länger man zusieht“

Ein österreichisch-syrische Aktivist, der von hier aus den Aufstand gegen Präsident Baschar al-Assad unterstützt, appelliert im Interview mit ORF.at dringend an die internationale Staatengemeinschaft, aktiver zu werden - ansonsten drohe ein noch ärgeres Blutvergießen in seiner Heimat.

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Und auch für den Westen werde es „umso teurer, je länger er zusieht“. Denn nur mit internationaler Hilfe könne das Regime zu Fall gebracht werden. Als konkrete Maßnahme des Westens - insbesondere der NATO - wünscht sich jener große Teil der syrischen Opposition, die im Syrischen Nationalrat gebündelt ist, laut dem Aktivisten, der aus Sorge um seine Familie in Syrien nicht namentlich genannt werden will, eine Flugverbotszone über dem gesamten Land.

Der Hintergrund für diese Forderung: Sobald eine solche installiert sei, würde die Zahl der Defektionen aus der Armee sprunghaft ansteigen, ganze Garnisonen würden vermutlich auf die Seite der Revolutionäre wechseln, ist der Aktivist überzeugt. Desertionen im großen Stil seien derzeit nicht möglich, da sofort Assad-Getreue binnen Minuten aus der Luft eine solche Garnison angreifen würden.

Signal für Defektion

Noch eine weitere konkrete Maßnahme nennt der Mann, der seit Studienzeiten in Wien lebt, im Gespräch mit ORF.at: Ein gezielter Angriff auf die Vierte Armee, die von Assads Bruder Maher al-Assad kommandiert wird, als besonders brutal gilt und unmittelbar für den Schutz von Assad verantwortlich ist. Diese Truppen sind nahe Damaskus stationiert. Ein Bombardement aus der Luft auf deren Kasernen wäre ein klares Signal für die Offiziere anderer Armeeteile zur Defektion und das Regime würde binnen Tagen in sich zusammenbrechen, glaubt der Aktivist.

Ein militärisches Eingreifen wird allerdings bisher von allen Staaten und auch vom NATO-Bündnis klar ausgeschlossen. Anders als im Fall Libyens ist dafür - zumindest bisher - ein UNO-Mandat ausgeschlossen, da Russland und China bisher hinter dem Regime stehen.

Hoffen auf Sudan

Aussichtsreicher ist daher derzeit das Szenario, dass Assad mit diplomatischen Mitteln immer mehr unter Druck gesetzt wird. Ein Aussetzen der Mitgliedschaft des Landes bzw. eine Anerkennung des Syrischen Nationalrats durch die Arabische Liga - ähnlich wie im Fall Libyens - wären jedenfalls international ein großer Erfolg für die Opposition und eine massive diplomatische Schwächung des Assad-Regimes.

Am Wochenende hielt die Liga - die angesichts des andauernden Blutvergießens immer mehr unter Druck gerät - erneut eine Sondersitzung in Kairo ab. Bereits im Vorfeld liefen Verhandlungen mit den syrischen Oppositionsvertretern. Und tatsächlich setzte die Liga die Mitgliedschaft Syriens aus - als Folge davon, dass sich das Regime nicht an den vereinbarten Deeskalationsplan hielt.

Eine Mehrheit für die Anerkennung des SNC gibt es derzeit aber offenbar noch nicht, das räumt auch der ÖKUSA-Aktivist ein. Doch aus seiner Sicht ist die Liga unter Zugzwang: Wenn sie nicht völlig ihr Gesicht verlieren wolle, könne sie nicht weiter zusehen, wie Tausende Menschen getötet werden. Und der Aktivist sieht auch Bewegung: Es gebe Hinweise, dass der Sudan in den nächsten Tagen die Unterstützung für das Regime aufgeben könnte. Und dann könnten auch Algerien, Marokko oder der Jemen folgen - und schließlich auch Saudi-Arabien, so seine Hoffnung. Zuletzt hatte auch Frankreich, das im Fall Libyens ein Vorreiter war, erstmals laut darüber nachgedacht, den SNC als Vertretung Syriens anzuerkennen.

Geopolitisches Spiel mit Revolution?

Dass die Revolution angesichts der geopolitischen Bedeutung des Landes als Spielball im Ringen um regionale Hegemonie (insbesondere Iran vs. Saudi-Arabien) missbraucht werden könnte, bestreitet der Vertreter des Unterstützungskomitees nicht. Doch er gibt zu bedenken, dass der Iran bereits jetzt mit seiner finanziellen, politischen und logistischen Unterstützung für die Führung in Damaskus massiv in das Geschehen eingreife.

Dass es für die Opposition auf der anderen Seite Unterstützung etwa von Irans regionalem Gegenspieler, Saudi-Arabien, gibt, verneint der Aktivist. Die Saudis seien - auch innerhalb der Arabischen Liga - schweigsam und „weise“, betont er und vermutet, dass das mit der Angst Riads, die demokratische Revolution könnte auch auf das absolutistisch regierte Land übergreifen, zu tun habe.

Klar ist freilich, dass der Übergangsrat nicht nur die Unterstützung der Türkei hat - das Land stellt einen Großteil der Infrastruktur für den SNC bereit und leistete ihm indirekt auch diplomatische Schützenhilfe -, sondern auch mindestens das Wohlwollen der USA genießt.

Guido Tiefenthaler, ORF.at

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