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Chao Phraya an kritischer Marke

Thailand kämpft weiter gegen das schlimmste Hochwasser seit Jahrzehnten. Besonders dramatisch ist die Situation in der Hauptstadt Bangkok. Immer mehr Menschen flüchten aus Furcht vor einer drohenden Überflutung weiter Teile der Millionenmetropole. Am Freitag verstopften Zehntausende Autos die Ausfahrtsstraßen der Stadt.

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Fatal für Bangkok ist das Zusammentreffen von Überschwemmungswasser aus dem Norden und Flutwasser aus dem Golf von Thailand. Eine Springflut mit besonders hohem Flutstand dürfte Wasser in die Mündung des durch Bangkok fließenden Chao Phraya drücken. Gleichzeitig rauscht das Hochwasser aus den Überschwemmungsgebieten im Norden durch das Flussbett. Die Wassermassen dürften sich in Bangkok stauen. Die Dämme können diese Wassermassen nicht halten, fürchten die Behörden.

Stadtteile werden geräumt

Die Stadtverwaltung versetzte die Einwohner der 13 Bezirke entlang des Chao Phraya in Alarmbereitschaft. „Bereitet euch auf das Schlimmste vor“, sagte ein Sprecher des Krisenzentrums FROC am Donnerstagabend nach Angaben der „Bangkok Post“. Das Hochwasser des Chao Phraya erreichte Freitagfrüh eine kritische Marke. „Der Wasserstand hat 2,47 Meter über normal erreicht“, sagte Jate Sopitpongstron, ein Sprecher der Stadtverwaltung. Die sieben Kilometer langen Flutwälle auf beiden Seiten des Flusses sind 2,50 Meter hoch.

Mann kämpft sich durch brusthohes Hochwasser

AP/Aaron Favila

Einige Teile Bangkoks stehen bereits unter Wasser

Am Samstag werde das Wasser laut Prognosen auf 2,60 Meter steigen. „Dann können wir nichts mehr tun“, so Sopitpongstron. „Wir müssen die Überschwemmungen hinnehmen.“ Nach seinen Angaben dürfte das Wasser in den Straßen im Durchschnitt nur auf 30 Zentimeter steigen. Mehrere Stadtteile sollen im Laufe des Tages geräumt werden. Die erst seit August amtierende Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra hatte zuletzt erklärt, Bangkok könne bis zu einen Monat unter Wasser stehen.

Straßen als Flutkanäle?

Um die Wassermassen in den Griff zu bekommen, erwog die thailändische Regierung am Freitag auch einen radikalen Plan: Sie prüfte, ob fünf Straßen im Osten der Hauptstadt aufgerissen und zu Flutkanälen gemacht werden sollen. Unabhängige Ingenieure und Wasserexperten hatten vorgeschlagen, fünf Straßen fünf bis sechs Meter weit aufzureißen. Pumpen sollen die Wassermassen aus den Überschwemmungsgebieten an der Innenstadt vorbei in diese neuen Kanäle leiten, durch die das Wasser Richtung Meer fließen soll.

Über zwei Millionen betroffen

Schon jetzt stehen die Thailänder bei dem zum Teil durch heftige Monsunregen ausgelösten Hochwasser vor der schlimmsten Flutkatastrophe des Landes in rund einem halben Jahrhundert. Mehr als zwei Millionen Menschen in den Zentral- und Nordprovinzen des Landes leiden bereits unter den Überschwemmungen. Bisher starben 377 Menschen. Die Armee setzt Zehntausende Soldaten zur Unterstützung der Bevölkerung ein.

Die zweitgrößte südostasiatische Volkswirtschaft ist schon jetzt durch die Fluten angeschlagen. Da Thailand ein wichtiger Zulieferer für die Auto- und Computerindustrie ist, sind auch Firmen dieser Branchen weltweit betroffen. Die Bank von Thailand halbierte ihre Vorhersage für das Wirtschaftswachstum des Landes nahezu auf 2,6 Prozent. Bangkok steht für 41 Prozent der thailändischen Wirtschaftsleistung.

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