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Ringen um provisorische Regierung

Nach dem Tod des langjährigen Diktators Muammar al-Gaddafi soll in Libyen eine provisorische Regierung gebildet werden. Wer ihr angehören wird, ist noch unklar.

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Die Umbildung der Übergangsregierung könnte aber bereits einen ersten Einblick in die Machtverhältnisse und die regionale Gewichtung nach der erfolgreichen Revolte geben. Derzeit spielen folgende Männer eine wichtige Rolle:

  • Mustafa Abdel Dschalil: Der Politiker ist seit Ende August Vorsitzender des Nationalen Übergangsrates und damit führender Politiker der neuen Machthaber. Der 1952 geborene Jurist ist konservativ und gilt als frommer Muslim. 2007 wurde er Justizminister und bot Gaddafi sowie dessen Gefolgsleuten in einigen prominenten Justizfällen die Stirn. Mehrfach kritisierte er Verstöße gegen Menschenrechte. Er war der erste führende Politiker, der im Februar wegen des Einsatzes von Gewalt gegen unbewaffnete Demonstranten als Minister zurücktrat.
  • Mahmud Dschibril: Der Ministerpräsident der derzeitigen Übergangsregierung studierte und arbeitete zeitweise in den USA. Später versuchte der 1952 geborene Wirtschafts- und Politikwissenschaftler, das Libyen Gaddafis wirtschaftlich zu reformieren - als Leiter des Nationalen Ausschusses für wirtschaftliche Entwicklung. Nach dem Ausbruch des Aufstands schlug sich Dschibril auf die Seite der Regimegegner, denen ein weltoffenes und demokratisches Libyen vorschwebte. Ob Dschibril weiterhin eine wichtige Rolle spielen wird, ist unklar. Nach Kritik aus den eigenen Reihen an seinem Führungsstil verkündete er vor ein paar Wochen, künftig auf ein politisches Spitzenamt zu verzichten.
  • Abdelhafis Ghoga: Der Anwalt ist Vizevorsitzender des Übergangsrates. In der Rebellenhochburg Bengasi hat er sich einen Namen in Menschenrechtsfällen gemacht. Nach Medienangaben verteidigte der redegewandte Anwalt politische Gefangene und ließ sich von den Machthabern nie den Mund verbieten. Damit soll er sich Ansehen und Respekt selbst bei lokalen Größen des Regimes verschafft haben.
  • Abdelhakim Belhadsch: Der heutige Militärkommandeur von Tripolis stürmte mit seinen Truppen den Militärkomplex Gaddafis im Stadtteil Bab al-Asisija. Die USA und die NATO sehen den studierten Bauingenieur als starken Mann, der in Libyen Ruhe, Ordnung und Rechtsstaatlichkeit durchsetzen könnte. Früher wurde Belhadsch nach eigenen Worten als „Mudschahid“ vom US-Geheimdienst CIA gefoltert. Als Kommandeur der radikalen Kämpfenden Islamischen Vereinigung in Libyen (LIFG) soll er auch Kontakt mit dem Terrornetz Al-Kaida gehabt haben.