Beruhigungspille für Anleger
Nach der Bekanntgabe eines Milliardenverlusts bei der Erste Group hat sich am Montag die Raiffeisen Bank International (RBI) veranlasst gesehen, weiterhin einen Gewinn für 2011 anzukündigen - bei gleichzeitigem „signifikantem zusätzlichem Wertberichtigungsbedarf“ im Hinblick auf die „schwierige Wirtschaftslage“ in Ungarn.
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Aktuell erwachsen der RBI laut eigenen Angaben 100 Mio. Euro Belastungen aus dem ungarischen Gesetz zur Franken-Kreditkonvertierung. Dass das jedoch nicht alles war, verhehlte das Unternehmen nicht. Die RBI-Spitze hatte bereits einen Kapitalnachschuss für die Ungarn-Tochter angekündigt. Wie hoch dieser ausfallen wird, wollte RBI am Montag aber nicht publik machen.
Bemühen um kalmierende Töne
Details will die Bank am 24. November nennen, wenn die Quartalsergebnisse bekanntgegeben werden. Die RBI sah sich offenbar zu dem Gewinnversprechen gezwungen, weil die am selben Tag veröffentlichten Verluste bei der Erste Group auch die Aktie von RBI mit in die Tiefe gezogen hatten. Die RBI-Aktie schloss nach klar schwächerem Verlauf 4,7 Prozent tiefer bei 21,20 Euro.
Auch in den weiteren Details der Mitteilung bemühte sich Raiffeisen um beruhigende Töne: Die Ungarn-Tochter sei eine Eigengründung vor mehr als 20 Jahren gewesen. Die Bilanz weise einen sehr geringen „Goodwill“ von 3,5 Mio. Euro aus, dieser werde für 2011 abgeschrieben. Bei den Credit Default Swaps (CDS) sei immer schon zum Marktwert bewertet worden. Deshalb habe die RBI daraus keinen Grund zur Abwertung.
„Herausforderungen“ durch düsteres Wirtschaftsklima
Für die Tochter in Rumänien müsse darüber hinaus keine Firmenwertabschreibung vorgenommen werden, teilte die RBI mit. Diese Tochter sei 2001 sehr günstig gekauft worden. Überhaupt sei das Sovereign Exposure (Risiko aus Staatsanleihen beziehungsweise Papieren öffentlicher Einrichtungen) gegenüber den „Peripherieländern“ der Euro-Zone in der RBI traditionell niedrig, betonte die Bank weiter.
Zum Stand Ende Juni 2011 habe etwa gegenüber Griechenland und Irland gar kein Staatsrisiko bestanden, so RBI. Gegenüber Spanien und Portugal seien es nicht ganz zehn Mio. Euro. Das Italien-Staatsobligo wurde mit 474 Mio. Euro beziffert. Insgesamt werde das wechselnde und sich verschlechternde gesamtwirtschaftliche Klima allerdings zu einem „herausfordernden Marktumfeld“ führen, hieß es bei Raiffeisen.
IWF-Experten nicht besorgt
Experten des Internationalen Währungsfonds (IWF) zeigten sich am Montag unterdessen im Hinblick auf die Lage des österreichischen Bankensektors generell nicht besorgt. Grundsätzlich halte der IWF seine Empfehlung aufrecht, dass der Finanzsektor aus Vorsicht seine Kapitalreserven erhöhen solle, sagte Celine Allard, Mitautorin des Regional Economic Outlook für Europa, das am Montag in der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) in Wien präsentiert wurde. Der EU-Banken-„Stresstest“ habe einen möglichen Schock aus Osteuropa für den Bankensektor nicht genügend berücksichtigt, kritisierte sie.
IWF-Experte Bas Bakker verwies seinerseits darauf, dass der österreichische Bankensektor trotz einer deutlichen Steigerung der faulen Kredite (Non Performing Loans, NPL) in Osteuropa stabil geblieben sei. „Ich bin nicht besonders besorgt über das Exposure österreichischer Banken in CEE“, versicherte Bakker. OeNB-Experte Franz Nauschnigg zeigte sich ebenfalls nicht beunruhigt. Die Krise in Mittel- und Osteuropa im Jahr 2009 sei viel schwerer gewesen als die jetzige Lage, und Österreich habe das gut bewältigt, sagte er.
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