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Verbrecherclan mit großem Einfluss

Die NATO-geführte Afghanistan-Truppe ISAF hat in Afghanistan einen der Anführer des mit den radikal-islamischen Taliban verbündeten Haqqani-Netzwerks gefangen genommen. Hadschi Mali Khan, der Onkel des Haqqani-Gründers Sirajuddin Haqqani, sei am Dienstag bei einem Einsatz im Südosten Afghanistans gefasst worden, erklärte die ISAF am Samstag.

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Der Haqqani-Clan ist laut „New York Times“ die Sopranos von Afghanistan: eine rücksichtslose Verbrecherfamilie, die in dem Land am Hindukusch ein Mafia-ähnliches Imperium mit Entführung, Erpressung, Schmuggel und im Transportgeschäft aufgebaut hat.

Der Clan hat laut der Zeitung ein Vermögen mit der Schieberei von Edelsteinen und gestohlenem Bauholz gemacht. Kurz: Der Clan ist bei jedem Verbrechen dabei, das gutes Geld bringt. So erpresst er etwa von Unternehmen, die Schulen und Straßen mit finanzieller US-Unterstützung bauen, Schutzgelder. Der US-Steuerzahler finanziert so indirekt auch terroristische Anschläge. Denn auch die Nähe zur afghanischen Politik ist gegeben: Der Clan wird auch für islamistische Attentate verantwortlich gemacht.

Auch als Söldner zu mieten

Das Hauptquartier der Verbrecherfamilie in den Bergen Afghanistans ist durch Minen auf den Straßen und wachsame Späher geschützt. US-Beamte, die in Afghanistan tätig sind, beschuldigen die Haqqanis, auch als Söldner tätig zu sein. Auch der pakistanische Geheimdienst ISI soll Clanmitglieder für Attacken in der Hauptstadt Kabul und in anderen Landesteilen angeheuert haben. Laut US-Geheimdienstmitarbeitern und hochrangigen US-Militärs ist das Haqqani-Netzwerk die gefährlichste und tödlichste Aufständischengruppe am Hindukusch.

Jalaluddin Haqqani

AP/Mohammed Riaz

Jalaluddin Haqqani 1998

Von CIA bis Al-Kaida und Taliban

Angeführt wird das Netzwerk von Jalaluddin Haqqani, der sich über die Jahre hinweg mit dem US-Auslandsgeheimdienst CIA, mit dem saudischen Geheimdienst und mit dem im Mai getöteten Al-Kaida-Chef Osama bin Laden verbündet hatte. So soll die Gruppe auch mit Hilfe des pakistanischen ISI hinter den jüngsten Attacken auf die US-Botschaft in Kabul stecken. Die Haqqanis werden auf 5.000 bis 15.000 Kämpfer in den Bergen Afghanistans und in den angrenzenden Gebieten Pakistans geschätzt.

Das operative Geschäft wird nun großteils von zwei Söhnen Jalaluddins geführt. Laut Experten sind die beiden noch hingebungsvollere Islamisten als ihr Vater. Die Gruppieren unterhält auch enge Verbindungen zu den radikalislamischen Taliban. Mit ihren Anschlägen machen die Haqqanis klar, dass sie ein nicht zu ignorierender Machtfaktor in Afghanistan sind.

Ministaat und Tarnfirmen

Das Verbrechersyndikat hat im Laufe der Zeit ein Netzwerk, das über die kaum real existierende Grenze nach Pakistan reicht, aufgebaut. Die Haqqanis sind zwar Mitglieder des afghanischen Zadran-Stamms, haben aber im pakistanischen Stammesgebiet in der Stadt Miram Shah einen Ministaat mit Gerichten, Steuerabgaben und radikalen Islamschulen errichtet, die für den Nachwuchs an Kämpfern sorgen. Der Clan besitzt auch ein Netzwerk an Tarnfirmen in ganz Pakistan, etwa Autohändler und Immobilienfirmen. US-Geheimdienstmitarbeiter vermuten allerdings noch andere Quellen. So gebe es Anzeichen von stetigen Geldflüssen aus den Golfstaaten.

USA in der Bredouille

Bei der Diskussion, wie man die Macht des Clans brechen könnte, machen sich Zweifel in der US-Regierung breit, ob es dafür nicht bereits zu spät ist. Zu lange hat man dem kriminellen Netzwerk beim Wachsen zugesehen. Angeblich verantwortlich für Hunderte tote US-Soldaten, könnten die Haqqanis den Abzug der US-Truppen dazu nutzen, ein noch größeres Gebiet für sich zu beanspruchen als bisher.

Die USA zögern seit längerem beim Vorgehen gegen die Gruppierung. Eine Aufnahme auf die US-Terrorliste scheiterte an den Bedenken, dass damit auch jede Chance, dass die Haqqani-Familie je in Friedensgespräche mit der afghanischen Regierung eintreten könnte, zunichte gemacht würde, wie die „NYT“ mit Verweis auf hochrangige Mitarbeiter der Regierung schreibt.

Mit der CIA gegen die Sowjets

„Wer auch immer die Macht in Kabul hat, wird nicht darum herumkommen, mit den Haqqanis zu verhandeln“, so Marc Sageman, ein ehemaliger CIA-Offizier, der in Pakistan während des sowjetisch-afghanischen Krieges in den 1980er Jahren stationiert war. „Es werden nicht die USA sein: Wir werden abziehen, und das wissen die Haqqanis.“

Der Clan arbeitete früher auch mit den USA zusammen. So wurden in den 1980er Jahren die Haqqanis vom US-Auslandsgeheimdienst CIA mit Waffen im Kampf gegen die Sowjets ausgerüstet. Nun sind die Verbündeten in Pakistan und im pakistanischen Geheimdienst ISI zu finden. Die USA sind jetzt der Feind. US-Geheimdienstmitarbeiter sind darüber nicht erstaunt. Früher galt die Sowjetunion als Besatzer, nun sind es für die Haqqanis die USA.

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