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200.000 Euro für ein Horn

Am Montag haben die portugiesischen Behörden einen besonderen Erfolg vermeldet. Sie verhafteten zwei Männer im Zusammenhang mit den Diebstählen von Rhinozerosschädeln aus dem Naturhistorischen Museum in Coimbra. Sie hatten sechs Hörner im Wert von 400.000 Euro im Gepäck.

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Als im April im Museum der Universität von Coimbra der Alarm losging, staunten die eintreffenden Beamten nicht schlecht. Die Vitrinen mit wertvollen Kunstwerken waren völlig intakt, dafür fehlten die ausgestellten Nashornhörner. Nun gingen die beiden Männer, ein 63-Jähriger und sein 31-jähriger Sohn, den Zollbeamten auf dem Flughafen in die Falle. Sie wollten mit gestohlenen Hörnern im Wert von rund 500.000 Euro im Gepäck Portugal verlassen.

184 Jahre alter Nashornkopf gestohlen

Diese Einbrüche reihen sich in eine Liste ähnlicher Vorfälle. Erst Ende August hatten Diebe im Rotterdamer Museum ein echtes Horn aus einem aus Kunststoff gefertigten Nashornkopf geschnitten, wie das Naturkundemuseum der niederländischen Hafenstadt mitteilte. Aus dem Brüsseler Naturkundemuseum verschwand Mitte August der schwarze Nashornkopf aus dem Jahre 1827. Das 30 Kilogramm schwere Exponat verschwand über ein Toilettenfenster auf Nimmerwiedersehen.

Restaurator betrachtet Schaden an einem Nashorn

APA/EPA/Carolina Seidel

Ein Kurator des Museums Wulff im deutschen Dedelstorf begutachtet den Schaden

Irische Bande am Werk?

Experten des Netzwerks Organisierte Kriminalität bei Europol vermuten eine irische Bande hinter den Nashorn-Diebstählen. Für diese Vermutung spricht auch, dass die beiden verhafteten Männer auf dem Weg nach Dublin waren. Betroffen sind nicht nur Museen, sondern auch Zoos, Auktionshäuser, Antiquitätenhändler und private Sammler. Die Bande sei „rücksichtslos in ihren kriminellen Methoden“, sagt Patrick Byrne von Europol.

Enormer Anstieg an Diebstählen

Rhinozeroshorn-Diebstähle wurden in den vergangenen 18 Monaten aus Portugal, Frankreich, Tschechien und Schweden berichtet. Auch aus Italien und Großbritannien wurden Diebstähle gemeldet. In Deutschland wurden unter anderen das Naturkundemuseum Bamberg und das Zoologische Museum der Universität Hamburg Opfer der Museumswilderer. Scotland Yard zählte 20 Diebstähle binnen eines halben Jahres.

Wertvoller als Gold

Für die Diebe ist der illegale Handel mit den Hörnern ein äußerst lukratives Geschäft. So werden in Asien Preise von bis zu 200.000 Euro pro Stück gezahlt. Damit ist ein Horn mehr wert als Kokain und auch Gold. Zu Pulver zermahlen werden sie in der traditionellen chinesischen Medizin für fast alle Krankheiten von Fieber bis Krebs eingesetzt. Zudem sind sie als Potenzmittel begehrt, obwohl Wissenschaftler eine solche Wirkung bestreiten.

Rhinozerosse verschwinden aus den Ausstellungen

Die europäischen Museen versuchen nun, sich möglichst gut gegen die Diebe zu wappnen. Das Brüsseler Naturkundemuseum erhöhte nach dem Diebstahl nicht nur die Sicherheitsvorkehrungen, sondern nahm auch einige Rhinozerosse aus der Ausstellung. „Das ist ziemlich traurig“, sagt Museumskurator Lenglet. In einem Schaukasten sind jetzt statt drei vollständigen Nashörnern nur noch zwei zu sehen, und von den Köpfen hängt nur noch einer. Die wertvollsten Exponate sind unter Verschluss.

Präparatoren auf der Hut

Doch nicht nur Museen sind auf der Hut. Großbritannien weitete das Verbot von Nashorntrophäen aus, nachdem die Preise dafür bei Versteigerungen in die Höhe geschnellt waren. Auch Präparatoren haben ein Auge auf mögliche illegale Geschäfte. Der europäische Verband der Berufsgruppe warnte seine Mitglieder im Juli in einem Brief, in Schweden und Dänemark hätten Präparatoren dubiose Angebote von angeblich irischen und britischen Interessenten erhalten.

Die Anrufer hätten nie ihren Namen genannt und nicht registrierte Handys benutzt. „Das riecht nach illegalen Machenschaften“, heißt es in dem Brief. „Deshalb ist es eine sehr gute Idee, die Finger davon zu lassen, wenn Sie nicht 100 Prozent sicher sind, dass der Handel legal ist.“

Hunderte Nashörner gewildert

Durch die enormen Preise für die Hörner bleibt die Jagd nicht nur auf europäische Museen beschränkt, sondern auch die Wilderei in Afrika nahm dramatisch zu. In diesem Jahr wurden nach Angaben der Londoner Tierschutzgruppe Save the Rhino International allein in Südafrika über 200 Nashörner getötet, vergangenes Jahr waren es 333. 2007 waren hingegen nur 13 Rhinozerosse Wilderern zum Opfer gefallen.

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