Themenüberblick

Doch Kooperation mit Schieszler?

Telekom-Chef Hannes Ametsreiter, der an der Spitze des in eine Kursaffäre und Korruptionsvorwürfe verstrickten Unternehmens steht, hat betont, dass für ihn ein Rücktritt nicht infrage komme. An einen Rücktritt denke er überhaupt nicht, so Ametsreiter im Interview mit dem „Kurier“ (Mittwoch-Ausgabe). Der Imageschaden für das Unternehmen sei „verheerend“.

Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.

Mit dem Ex-Telekom-Manager Gernot Schieszler, der sich der Justiz als Kronzeuge angeboten hat, werde nun doch noch eine Kooperation überlegt, diese müsse aber im Rahmen des Aktiengesetzes erfolgen. Dass er selber Schieszler „kriminelle Energie“ vorgeworfen habe, sei „eine emotionale Geschichte“, erläutert Ametsreiter. „Aber ich wollte einfach mein Interesse daran klarstellen, dieses Unternehmen sauber zu machen.“

Er habe Schieszler bereits im Jahr 2009 rausgeworfen, weil es bei einem Auftrag über 1,1 Millionen Euro an die MPA, das Beratungsunternehmen des Lobbyisten Alfons Mensdorff-Pouilly, keine Dokumentation der Leistungen gegeben habe. Und Schieszler habe 300.000 Euro „Success-fee“ an die MPA gezahlt. Ob Mensdorff-Pouilly die 1,1 Millionen Euro für das Polizeifunkgesetz bekommen habe, das wisse er nicht, so Ametsreiter. Die Telekom hatte 2009 von einem Rücktritt Schieszlers aus persönlichen Gründen gesprochen und diesem in einer Unternehmensaussendung alles Gute gewünscht.

Deal mit Schieszler erwogen

Schieszler wehrt sich gegen die Unterstellungen und vermutet offenbar Methode hinter den Angriffen, nämlich die Glaubwürdigkeit Schieszlers, der als Kronzeuge einer möglichen Haftstrafe entgehen will, massiv infrage zu stellen. Denn Ametsreiter hatte laut Schieszlers Anwalt noch vor wenigen Wochen einen Deal mit dem „Mann mit krimineller Energie“ schließen wollen.

Der Pakt hätte Schieszler vor zivilrechtlicher Verfolgung durch Schadenersatzklagen des Unternehmens geschützt. Wenn er von der Justiz offiziell den Kronzeugenstatus erhält, was erst am Ende der Ermittlungen entschieden wird, ist er auch vor strafrechtlicher Verfolgung geschützt.

Für Schieszlers Anwalt Stefan Prochaska ist klar, dass die TA mit dem Vertrag „die Kronzeugenregelung verhindern wollte, um zu verhindern, dass die Wahrheit ans Licht kommt“, wird der Anwalt im „Kurier“ zitiert. Die Klausel hätte nämlich bedeutet, dass Schieszler nur Dinge aussagen dürfe, die für das Unternehmen unproblematisch seien. Hätte er gemäß der Kronzeugenregelung alles gesagt, hätte die TA den Vertrag lösen können. Will er den Status eines Kronzeugen erhalten, muss Schieszler aber alles sagen, was er weiß.

Kein Knebelungsvertrag

Den Vorwurf von Schieszlers Anwalt, die Telekom habe durch einen Knebelungsvertrag den Kronzeugen quasi mundtot machen wollen, weist Ametsreiter erneut zurück. Als börsennotiertes Unternehmen könne man nicht in einem Pauschal-Schadenersatz-Vergleich gegen 300.000 Euro auf das Geld der Aktionäre verzichten. Der Anwalt habe den Vertragsentwurf wieder zurückgezogen.

Ametsreiter belastet Schieszler und Ex-Telekom-Vorstand Rudolf Fischer: Die beiden hätten 16 Aufträge an die Valora (von Peter Hochegger, Anm.) unterschrieben. Die Telekom selber tue alles um aufzuklären. Auch Ex-Finanzvorstand Stefano Colombo, ebenfalls Beschuldigter in der Telekom-Affäre, sieht die Verantwortung bei Schieszler und Fischer. „Die beiden haben mit diesem System gespielt“. Er selbst fühle sich verraten.

Von den mutmaßlichen Schmiergeldzahlungen der Telekom über die Agentur Valora von Peter Hochegger habe er nichts gewusst: „Die laufenden Kosten betrugen eine Milliarde Euro pro Jahr. Wie wollen Sie da eine Million finden?“, fragte er im „Falter“. Laut Colombo, der sich selbst als „komplett apolitisch“ bezeichnet, soll jeder seiner Vorstandskollegen Politiker „hinter sich“ gehabt haben.

„Missverständnis in der Kommunikation“

Angesprochen auf eine angebliche Intervention des Kabinettschefs von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), Michael Kloibmüller, reagiert Ametsreiter im „Kurier“-Interview zurückhaltend. Auf die Frage, ob er beim Aufräumen von der ÖVP behindert werde, sagte er: „Auf mich persönlich hat niemand Druck gemacht.“ Es scheine sich um ein „Missverständnis in der Kommunikation“ zu handeln.

Die Themen der geplanten internationalen Taskforce würden in der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung diskutiert, dem könne er nicht vorgreifen. Die Akquisitionen der Telekom waren bisher kein Prüfthema, so Ametsreiter. Bei den Übernahmen in Bulgarien (Mobiltel) seien die Telekom-Manager Heinz Sundt und Boris Nemsic, in Weißrussland (Velcom) Hans Tschuden und Nemsic verantwortlich gewesen. Der Investor Martin Schlaff hat bei beiden Deals gut verdient. Wer Schlaff in die Telekom gebracht habe, wisse er nicht, so Ametsreiter.

Der umstrittene Verkauf einer Telekom-Immobilie, wo die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen gegen Ex-ÖBB-Chef Martin Huber und Ex-Telekom-Vorstand Fischer eingestellt hat, könnte neu aufgerollt werden, so Ametsreiter. „Wenn wir es als notwendig befinden, werden wir auch das noch einmal prüfen.“

Links: