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„Österreich bleibt Einwanderungsland“

Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) und das Arbeitsmarktservice (AMS) wollen Zuwanderern durch gezieltere Betreuung rascher als bisher zu einem Arbeitsplatz verhelfen. Das müsse keine „Task-Force“ sein, so die Reaktion auf Ideen von Integrationsstaatssekretär Sebastian Kurz (ÖVP). Derzeit ist die Arbeitslosenrate bei Menschen mit Migrationshintergrund mit knapp zwölf Prozent doppelt so hoch wie sonst.

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Zuwanderer stellen ein Drittel aller beim AMS als jobsuchend Vorgemerkten, obwohl sie nur 16 Prozent der Beschäftigten ausmachen. Die gesetzliche Ermächtigung zum Sammeln individueller Migrationsdaten erhofft man sich bis Ende des Jahres. Besonders unter Migrantinnen, vor allem Türkinnen, ist eine besonders hohe Arbeitslosen- und eine niedrige Erwerbsquote verbreitet, wie eine Untersuchung des Österreichischen Integrationsfonds und der Statistik Austria zeigt. Die Erwerbstätigkeit bei türkischen Frauen lag 2010 bei 41 Prozent, die Arbeitslosenquote bei fast 14 Prozent, bei Österreicherinnen bei 68 Prozent und 5,9 Prozent.

Suche nach besseren Betreuungsangeboten

Eine raschere Integration von Zuwanderern in den heimischen Arbeitsmarkt habe er bereits im vergangenen September mit den Sozialpartnern fixiert, so Hundstorfer. „Wir arbeiten seit einem Jahr daran, um für die Gruppe der Migrantinnen und Migranten spezielle Betreuungsangebote zu entwickeln“, sagte der Minister.

Für die Umsetzung dieser Ziele sei keine „Task-Force“ nötig, es bedürfe aber der Zusammenarbeit mit der Wirtschaft und den Arbeitgebern. Zusätzliches Geld sei für die gezieltere Betreuung von Zuwanderern nicht erforderlich, „wir geben das vorhandene Geldvolumen aus“. Das Fördervolumen des AMS betrage eine Mrd. Euro im Jahr, und 34 Prozent der Kunden des AMS seien Migranten.

1,5 Mio. mit Migrationshintergrund

Laut Statistik Austria haben von den 8,3 Millionen in Österreich wohnenden Personen 18,6 Prozent einen Migrationshintergrund, d. h., es wurden beide Elternteile im Ausland geboren. Von diesen 1,5 Mio. Menschen sind 1,1 Mio. Zuwanderer der 1. und 405.000 Zuwanderer der 2. Generation. Die höchsten Migrantenanteile an den unselbstständig Beschäftigten gibt es laut AMS in der Gebäudebetreuung (59,0 Prozent), gefolgt von Landwirtschaft (44,6 Prozent), Tourismus (42,6 Prozent), Arbeitskräfteüberlassung (32,0 Prozent), am Bau (24,3 Prozent) und im Handel (15,9 Prozent).

Wer ist „Migrant“?

Bei der Definition, wer ein Migrant ist, weicht das AMS etwas von der Sichtweise der Statistik Austria ab. Während die Statistiker darauf abstellen, dass beide Elternteile im Ausland geboren wurden und sich dementsprechend die Frage 1. oder 2. Zuwanderergeneration anknüpft, geht das Arbeitsmarktservice nach der Staatsbürgerschaft vor, erläuterte AMS-Vorstand Johannes Kopf.

Künftig wolle das AMS bei jeder einzelnen Person wissen, ob sie die Staatsbürgerschaft gewechselt hat oder bei jemandem mitversichert ist, der die Nationalität gewechselt hat, so AMS-Vorstand Herbert Buchinger. Trotz der unterschiedlichen Definition liege man nahe den Statistikdaten.

Kurz: „In der Sache soll was weitergehen“

Integrationsstaatssekretär Kurz erhofft sich Schwung für die Integration auf dem Arbeitsmarkt durch eine Form von „Migrantenindex“. Der Name des Projekts sei unerheblich, sondern, wie Kurz sagt, „dass in der Sache etwas weitergeht“.

Neben den Kategorien Geschlecht, Alter und Staatsbürgerschaft werde nun auch der Migrationshintergrund in einem eigenen Index ausgewiesen. Dadurch würden die rund 600.000 Migranten, die schon die Staatsbürgerschaft haben, nicht im Dunkeln bleiben. Möglich seien durch die neue AMS-Datenlage noch gezielter als bisher Maßnahmen für Migranten, so Kurz. „So wie man für Frauen spezielle Programme hat, für Wiedereinsteiger oder Jugendliche, so soll es auch für Migranten gezielte Maßnahmen geben“, so der Staatssekretär, der zuvor noch eine „Task-Force Migration“ im AMS verwirklicht sehen wollte.

Gefragt wird nur nach Staatsbürgerschaft

Derzeit darf das AMS nur die Staatsbürgerschaft des jeweiligen „Klienten“ selbst und seine Sprache erheben, nicht aber seine ethnische Herkunft. Mit der expliziten gesetzlichen Ermächtigung für eine personenbezogene Erfassung der Herkunftsdaten der Eltern rechnet Buchinger für Herbst; Hundstorfer habe zugesagt, einen Gesetzesvorschlag einzubringen.

Die Herkunft auch bis in die 3. Generation zu erfassen, hält Buchinger „nicht für sinnvoll“. Ob es bei Migranten bei Jobvermittlungen öfter Verstöße und damit auch Strafen (Sperren des Arbeitslosengeldes) gibt, wisse man nicht, man beginne erst jetzt, bei der Gruppe der Zuwanderer näher hinzusehen.

Hundstorfer: Zuwanderer erhöhen Arbeitslosigkeit nicht

„Österreich war und ist und bleibt ein Einwandererland“, steht für Hundstorfer fest. Diese Zuwanderer würden nachweislich nicht die Arbeitslosigkeit erhöhen, denn sie würden Jobs ausüben, die vielfach von Österreichern nicht angenommen werden. Österreich habe die niedrigste Arbeitslosenrate in der EU. Migranten seien nicht nur doppelt so stark von Arbeitslosigkeit betroffen, sondern sie würden sogar dreimal so oft unterqualifiziert beschäftigt wie Inländer. Die Verweildauer in Arbeitslosigkeit habe 2010 bei Migranten im Schnitt 87 Tage betragen, bei Österreichern 94 Tage.

Besonderer Anstrengungen bedürfe es beim Übergang von der Schulausbildung in den Beruf, also bei Jugendlichen. Hier sei eine spezielle Begleitung mittels Jugendcoachs nötig, das gehe man über Pilotprojekte in mehreren Bundesländern an. „Ziel ist und bleibt eine weiterführende Ausbildung für alle Jugendlichen in Österreich.“

Mangelhafte Ausbildung

Haupthindernis für Zuwanderer auf dem Arbeitsmarkt ist laut AMS-Vorstand eine mangelhafte Ausbildung. Das liege nicht nur an Problemen bei der Nostrifikation, also der Anerkennung ausländischer Zeugnisse, sondern an tatsächlich geringerer Qualifizierung, so AMS-Vorstand Kopf.

Kopf verwies darauf, dass 44 Prozent der Zuwanderer maximal einen Pflichtschulabschluss hätten, bei Nichtmigranten seien es nur 16 Prozent. Allerdings sank der Pflichtschulanteil von Zuwanderern zuletzt - zwischen 2005 und 2009 - von fast 31 auf gut 21 Prozent, zugleich nahm die Akademikerquote von weniger als 14 auf 20 Prozent zu. An zweiter Stelle der Faktoren, die eine Jobhürde darstellen, stehen schlechte Sprachkenntnisse. Daher bietet das AMS vermehrt Sprachkurse an, erhöht aber auch ständig den Anteil seiner Mitarbeiter mit bestimmten Fremdsprachenkenntnissen.

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