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„Schlag ins Gesicht“

Die Kritik der Polizei am britischen Premierminister David Cameron und seiner Reaktion auf die Krawalle ebbt nicht ab. Besonders erbost sind die Sicherheitskräfte, weil Cameron nun offiziell Hilfe aus den USA geholt hat. Der frühere Chef der Polizei von Los Angeles, Boston und New York, William Bratton, soll nun London im Umgang mit Gangs und Jugendgewalt als ehrenamtlicher Berater unterstützen.

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Polizeigewerkschafter in London und Manchester sprachen von einer „Beleidigung“ ihrer Arbeit. „Die amerikanische Polizeiarbeit wird durch Gewalt bestimmt“, sagte Paul Deller von der Metropolitan Police Federation, die mehr als 30.000 Polizisten in London vertritt: „Wir wollen das in diesem Land nicht.“

Ex-LAPD-Chef William Bratton in Polizeiuniform

APA/EPA/Andrew Gombert

US-„Supercop“ William Bratton soll britische Polizei beraten

Zudem warf er der Regierung vor, die Vorschläge von dem häufig als „Supercop“ bezeichneten Bratton gar nicht umsetzen zu wollen. Dieser habe die Anzahl der Polizisten in LA und New York erhöht und vor allem das Null-Toleranz-Prinzip (Zero Tolerance) durchgesetzt. Die britische Regierung wolle aber genau das Gegenteil. In den kommenden vier Jahren sollen in Großbritannien bei der Polizei 20 Prozent eingespart und 16.000 Stellen abgebaut werden.

Politiker „irrelevant“

Auch der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft in Manchester, Ian Hanson, sprach von einem „Schlag ins Gesicht“. Die britische Polizei brauche keinen solchen Ratgeber, sondern mehr Geld anstelle von Personalkürzungen.

Der Streit zwischen der Polizei und Cameron dauert schon seit einigen Tagen an. Der Premier hatte die Reaktion der Polizei heftig kritisiert und als unangemessen bezeichnet, da offenbar ungehindert vor den Augen der Polizei randaliert und geplündert werden konnte. Ruhe kehrte erst ein, als die Zahl der Polizisten erheblich - in London auf 16.000 Mann - erhöht wurde. Kritik, dass zu wenig Polizisten auf der Straße gewesen seien, lässt die Polizei nicht gelten. Es handle sich hier um „Polizeientscheidungen“.

Zudem sei bereits am Montag entschieden worden, mehr Polizisten zu mobilisieren, sagte der Chef der Association of Police Officers, Hugh Orde, gegenüber dem „Guardian“. Die Rolle der Politiker sei daher „irrelevant“.

Festnahmen allein zu wenig

Bisher wurden über 1.600 Menschen festgenommen. Gegen mehr als 740 wird Anklage erhoben wegen Gewalttätigkeit, Unruhestiftung und Plünderung. Fünf Männer sollen wegen Mordes angeklagt werden. Sie sollen vergangene Woche drei Männer in Birmingham mit dem Auto überfahren haben. Das allein sei aber zu wenig, sagte Bratton gegenüber dem US-Sender ABC.

Festnahmen seien vor allem gegen unbelehrbare Gewalttäter eine Maßnahme: „Es ist nicht nur eine Aufgabe der Polizei, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe“, sagte Bratton außerdem. Zudem brauche man zahlreiche Interventionen, Präventionsstrategien und -techniken.

Schlechte Noten für Cameron

Cameron muss reagieren, mehr als die Hälfte der Bevölkerung sagt laut einer ICM-Umfrage, dass die Regierung die Krise nur schlecht in den Griff bekommen habe. Die britische Polizei stellt für den Regierungschef einen willkommenen Sündenbock dar, gab es doch in letzter Zeit einige Probleme wie etwa der Rücktritt von Polizeichef Paul Stephenson im Zuge von Korruptionsvorwürfen in der Abhöraffäre rund um den Murdoch-Medienkonzern.

Anfang August erschossen Polizisten einen mutmaßlichen Drogendealer, der nicht - wie zunächst behauptet worden war - das Feuer auf die Polizisten eröffnet hatte. Dieser Tod war Auslöser der Krawalle der vergangenen Woche. Der Umfrage zufolge zeigte sich aber der Großteil der Bevölkerung besorgt über die Budgetkürzungen der Polizei.

Ausschreitungen auch in Nordirland

Eine traditionelle Protestantenparade in der nordirischen Stadt Londonderry führte auch in Nordirland am Samstag zu Ausschreitungen. Nach Angaben der Polizei brachten Randalierer mehrere Autos und Lastwagen in ihre Gewalt und bewarfen Polizeifahrzeuge mit Brandbomben.

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