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Detaillierte Angaben zu Attentaten

Der norwegische Attentäter Anders Behring Breivik hat drei Wochen nach dem Tod Dutzender Menschen bei einer Tatortbegehung auf der Ferieninsel Utöya keine Reue gezeigt. Der Täter habe aber bei der Rekonstruierung von Details gut mit den Ermittlern zusammengearbeitet, sagte der Polizeisprecher Paal-Fredrik Hjort Kraby am Sonntag in Oslo.

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Breivik war am Samstag für mehrere Stunden nach Utöya gebracht worden. Breivik sollte die Tat nachstellen. Wie die Polizei sagte, wurde der 32-jährige Rechtsextremist am Vortag von Polizisten auf Utöya vernommen. Die Zeitung „Verdens Gang“ („VG“) veröffentlichte mit Teleobjektiv aufgenommene Fotos und ein Video, die den schwer bewachten und gefesselten Breivik zeigen, wie er Polizisten über die Insel führt.

Breivik scheint unbekümmert über die Insel zu gehen. Man sieht ihn mittels Gestik das Schießen mit einem Gewehr nachstellen. Dem Bericht zufolge filmten Polizisten die Rekonstruktion des Massakers und das Verhör auf der Insel, um es später als Beweismittel nutzen zu können.

norwegische Flagge auf Halbmast bei Begräbnis

Reuters/Wolfgang Rattay

Utöya nach den Anschlägen

Breivik erinnert sich an jeden Schuss

Breiviks Anwalt Geir Lippestad sagte dem Blatt, sein Mandant erinnere sich an jeden einzelnen Schuss und jeden Menschen, den er auf der Insel getötet habe. Breivik hatte auf Utöya 69 zumeist Jugendliche erschossen. Einige von ihnen sprangen ins Wasser, um sich zu retten. Sie waren Teilnehmer eines Sommerlagers der Sozialdemokraten. Seither ist die Insel für Besucher gesperrt. Insgesamt kamen bei den Anschlägen 77 Menschen ums Leben. Vor der Schießerei hatte Breivik in der Hauptstadt Oslo eine Bombe gezündet.

Angehörige wollen Antworten

Unterdessen nahm eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission zur Bewertung der Taten ihre Arbeit auf. Regierungschef Jens Stoltenberg sagte am Freitag, für sein Land sei es wichtig, alle noch offenen Fragen zu klären. Für die Betroffenen des Doppelattentats sei Vieles noch offen, sagte Stoltenberg vor Journalisten. „Für sie ist es entscheidend, eine Antwort auf die Fragen zu bekommen: Was ist passiert? Und warum konnte das passieren?“ Es sei wichtig, die Lehren aus den Angriffen zu ziehen. „Das Ziel ist es, dass sich das nicht wiederholen kann, das Ziel ist mehr Sicherheit.“

Filmte Breivik das Attentat?

Es müsse sowohl ein Bild von all jenen Dingen entstehen, die um die Ereignisse des 22. Juli herum gut funktioniert hätten, „aber auch von dem, was nicht funktioniert hat, ohne Ausflüchte“, sagte Stoltenberg weiter. Die zehnköpfige Kommission, die von der Regierung nicht Untersuchungs-, sondern Auswertungskommission genannt wird, wird von der Juristin Alexandra Bech Gjoerv geleitet. Sie soll ihre Arbeit in einem Jahr beenden.

Die Polizei ging am Freitag Hinweisen nach, wonach Breivik das Massaker auf Utöya gefilmt haben könnte, und suchte nach der fraglichen Kamera. Der Norweger habe in Verhören von der Kamera gesprochen, noch sei sie aber nicht gefunden worden, sagte Polizeistaatsanwalt Hjort Kraby. Zudem hat die Polizei nach eigenen Angaben noch keinen Beweis, dass die Tat tatsächlich gefilmt wurde. Jüngst hatten mehrere Medien Überlebende des Angriffs mit den Worten zitiert, Breivik habe die Tat womöglich aufgenommen.

Auch in dem 1.500 Seiten langen Manifest, das er vor seinen Angriffen ins Internet gestellt hatte, gibt es einen Hinweis auf eine Digitalkamera vom Typ AEE P80, um „den Einsatz zu filmen“. Dort kündigte der 32-Jährige zudem an, den Speicherchip mit dem Film an verschiedene Redaktionen zu schicken. Bisher erhielt aber kein Medium einen solchen Film.

Aufregung über vermeintlichen Komplizen

Die Boulevardzeitung „Verdens Gang“ brachte am Freitag einen Bericht über einen Überlebenden von Utöya, der anschließend 17 Stunden in Gewahrsam verbringen musste, weil ihn die Polizei für einen Komplizen des Schützen hielt. Er habe nur wenige Meter von dem Attentäter entfernt die Nacht zum 23. Juli in einer Zelle verbracht, während seine Familie ihn bereits tot geglaubt habe, zitierte „VG“ Anzor Djoukaev, der aus Tschetschenien stammt. Die Polizei sagte zur Verteidigung, der 17-Jährige habe sich „abnormal verhalten“ und sich nicht eindeutig ausweisen können.

Die Polizei steht bereits in der Kritik, weil nach dem ersten Hilferuf mehr als eine Stunde verging, bis ein Einsatzteam auf der rund 40 Kilometer nördlich von Oslo gelegenen Insel Utöya eintraf. Auch kam in den Medien die Frage auf, weshalb Breivik nicht vorab als potenzieller Attentäter von den Behörden identifiziert werden konnte.

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