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„Crazy Heart“ war nur der Anfang

Wenn ältere Herren sich langgehegte Wünsche erfüllen und dann auch noch von der Liebe singen, endet das meist etwas peinlich. Oscar-Preisträger Jeff Bridges ist mit seinem zweiten Ausflug in musikalische Gefilde die angenehme Ausnahme dieser Regel.

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Die Musikgeschichte ist nicht unbedingt arm an Schauspielern, die sich auch in der Musikerzunft versuchten. Darunter sind nicht wenige, die wie der oft zitierte Schuster lieber bei ihren Leisten geblieben wären. Mit Grausen erinnert man sich an Machwerke wie jene der beiden „Miami Vice“-Darsteller Don Johnson und Philip Michael Thomas oder den missglückten Versuch eines Kevin Costner, der sich zuletzt an Americana und Country Rock schändlich vergriff.

Wenn sich Schauspieler aber die richtigen Leute zu Hilfe nehmen, können solcherlei musikalische Ausflüge durchaus funktionieren. So huldigte Scarlett Johansson überraschend gelungen mit Hilfe von Dave Sitek (TV On The Radio) dem Großmeister Tom Waits und zumindest William Shatners zweites Album „Has Been“ konnte unter Mitwirkung von u. a. Joe Jackson viele Kritiker überzeugen.

Porträt von Jeff Bridges mit Gitarre

AP/Jason Redmond

Jeff Bridges glaubwürdig als Country-Sänger

Dass nun auch von Jeff Bridges ein Album erscheint, ist nicht nur wegen des Hangs vieler Schauspieler zur Musik wenig überraschend. In „Crazy Heart“, für dessen Hauptrolle als Bad Blake er den Oscar erhielt, spielte Bridges schließlich einen abgehalfterten Country-Sänger und war neben T-Bone Burnett auch selbst auf sechs Songs des Soundtracks vertreten. Bereits da wusste er mit seiner rauen Stimme musikalisch in angenehmer Weise zu überraschen, und selbst wenn man „Country“ nicht unbedingt zugetan war, wollte man doch gerne mehr davon hören.

Enttäuschender Auftakt

Ausgerechnet die Singleauskoppelung und Eröffnungsnummer des schlicht „Jeff Bridges“ betitelten Albums enttäuscht jedoch ein wenig. „What A Little Bit Love Can Do“ erinnert ganz und gar nicht an jenen von Bridges so großartig dargestellten Sänger aus „Crazy Heart“, sondern vielmehr an etwas peinliche Country-Gesellen wie Garth Brooks mit ihrer amerikanischen Version von Ernst Moschs Schunkelliedern für die ganze Familie.

Befürchtungen kommen auf, dass sich die Mittelmäßigkeit des ersten Albums „Be Here Soon“ aus dem Jahr 2000 wiederholen könnte, als der „Dude“ zusammen mit Michael McDonalds von den Doobie Brothers irgendwo zwischen Pop und Folk-Rock der Marke Bob Dylan herumexperimentierte. Man ist schon beinahe versucht festzustellen, dass Bridges sich in die schmachvolle Reihe jener Schauspielkollegen einreiht, die sich selbst und der Welt ihre musikalischen Ausflüge besser erspart hätten.

Jeff Bridges beim Soundcheck vor einem Konzert im Troubadour Club in West Hollywood

Reuters/Mario Anzuoni

Jeff Bridges und sein Lebenstraum

Geschichten vom Leben

Umso mehr erfreut über, ja wieder richtig versöhnt mit Jeff Bridges ist man, wenn man ein wenig Geduld hat, denn nach dem ersten Song stimmt er mit „Falling Short“ wesentlich leisere, aber rauere Töne an und offenbart seine wahre Größe. Neben „Tumbling Vine“ ist dieses auch eines der beiden von Bridges allein komponierten Stücke und beide sind repräsentativ für die generelle Grundstimmung des Albums: ruhige und getragene Songs, die Geschichten vom Leben erzählen, leidenschaftlich vorgetragen von einem, der auch etwas zu erzählen hat.

Besser als ein schauspielernder Kristofferson

„Jeff Bridges“ ist beileibe kein reines Country-Album, dafür gibt es glücklicherweise zu viele Blicke über den Nashville-Tellerrand hinaus in Richtung Blues, Folk und sogar ein wenig Rock. Stücke wie „Slow Boat“ hätten auch ohne Probleme auf dem Soundtrack von David Lynchs „Twin Peaks“ ihren berechtigten Platz gefunden. Trotz alldem werden nicht nur aufgrund des Plattencovers Assoziationen mit Kris Kristofferson nicht ausbleiben, der musizierende Jeff Bridges macht jedoch eine wesentlich bessere Figur als der Musiker Kristofferson in der Rolle des Schauspielers.

Albumcover Jeff Bridges

EMI Music/Blue Note Records

Schlichter Albumtitel: „Jeff Bridges“

Musikalische Prominenz mit Rosanne Cash

T-Bone Burnett, der schon mit Elton John, Alison Krauss und Robert Plant arbeitete und unter anderem für den Soundtrack von „O Brother, Where Art Thou?“ verantwortlich zeichnete, rückte „Jeff Bridges“ als Produzent und Koautor musikalisch in das richtige Licht. Zwar sind nur zwei Stücke von Bridges selbst komponiert, mit Ausnahme der Eröffnungsnummer klingt das Album jedoch wie aus einem Guss. Kein Wunder, verbindet Burnett und Bridges bereits seit Jahren eine enge Freundschaft, und angeblich machten sie schon seit Jahren „eher zum Spaß“ miteinander Musik. Burnett hat wohl auch dafür gesorgt, dass prominente Musiker wie Rosanne Cash, Ryan Bingham, Sam Philips und Benji Hughes im Studio vorbeischauten.

Ein wahr gewordener Jugendtraum

Der späte Oscar-Preisträger hat sich mit diesem Album einen langgehegten Jugendtraum erfüllt - und zum Glück hat seine Musik mit faden Country-Klischees und Nashville-Einerlei nichts gemein. Vielmehr verzeiht man nun gerne die Belanglosigkeit des Debüts vor elf Jahren und es bleibt zu hoffen, dass Herr Bridges neben der Schauspielerei sich auch in Zukunft noch Zeit für die Erfüllung seiner Jugendträume nimmt. Man wird ihm gerne dabei zuhören.

Christian Holzmann, ORF.at

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