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Über 700 Festnahmen allein in London

Am Rande der schweren Ausschreitungen im britischen Birmingham sind drei Männer mit einem Auto totgefahren worden. Der Vorfall habe sich in der Nacht zum Mittwoch an einer Tankstelle in der Innenstadt ereignet, teilte die Polizei in der Früh mit. Obwohl offiziell nicht bestätigt, wird in Medienberichten bereits ein direkter Zusammenhang zu den neuerlichen Krawallen geortet, die gleich in mehreren britischen Städten stattfanden.

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Wie BBC unter Berufung auf Augenzeugen berichtet, wollten die Männer ihren Wohnblock offenbar vor Randalierern schützen. Sanitäter erzählten, es seien rund 80 Personen an der Tankstelle gewesen, als sie ankamen.

Alle drei Männer seien noch in der Nacht im Krankenhaus an ihren schweren Verletzungen gestorben. Laut Polizei konnte bereits ein Verdächtiger festgenommen werden. Er steht wegen der vorsätzlichen Tötung der Opfer im Alter von 20 bis 31 Jahren unter Verdacht. Die drei Männer asiatischer Abstammung hatten sich laut „Daily Mail“ nach einem Moscheebesuch gemeinsam mit anderen zur Bildung einer Bürgerwehr verabredet, um ihre Geschäfte zu schützen.

„Das Auto überfuhr sie einfach“

In der Nacht seien zunächst mehrere Autos an den vor den Geschäften ausharrenden Anwohnern vorbeigefahren, sagte Augenzeuge Mohammed Shakiel. Die Insassen der Fahrzeuge hätten die Ladenbesitzer dabei beschimpft. Eines der Autos habe dann umgedreht und sei „mit unglaublicher Geschwindigkeit“ über den Gehsteig gefahren und haben die Männer mitgerissen.

Diese seien dabei durch in die Luft geschleudert worden. „Sie standen am Rande der Straße und das Auto überfuhr sie einfach“, sagte ein weiterer Zeuge, Kabir Khan Isakhel.

Todesopfer auch in London

Bereits am Vortag erlag laut Polizei in London ein 26-Jähriger seinen Schussverletzungen, die er bei den Unruhen erlitten hatte. Es handelte sich um das erste Todesopfer der seit dem Wochenende in Großbritannien anhaltenden Krawalle.

Straßenschlachten in Manchester

Besonders betroffen war Manchester, wo Hunderte teils maskierte Jugendliche im Zentrum der Stadt zahlreiche Schaufenster zertrümmerten und Dutzende Geschäfte plünderten. Laut BBC konnte die Polizei im Laufe der Nacht die Lage wieder weitgehend unter Kontrolle bekommen. Zuvor sei es allerdings zu wahren Straßenschlachten gekommen - vereinzelt kam es zudem zu Brandstiftungen.

Ausgebrannte Autos auf den Straßen von Manchester

AP/Jon Super

Spuren der Krawalle von Manchester

Ein hoher Polizeioffizier sagte in der Nacht zum Mittwoch, die Beamten würden die Kontrolle über die Innenstadt „Straße um Straße“ wiedergewinnen. Die Ereignisse wurden von der Polizei zudem als die schwersten Krawalle in Manchester der vergangenen 30 Jahre bezeichnet.

„Das sind ganz einfach Verbrecher, die heute Nacht durchdrehen“, betonte der ranghohe Polizeioffizier Garry Shewan. „Das ist sinnlose Gewalt und sinnlose Kriminalität in einer Größenordnung, wie ich sie nie zuvor gesehen habe.“ Rund 50 Menschen wurden festgenommen.

Molotowcocktails gegen Polizeistation

Im zentralenglischen Nottingham griff eine Gruppe von 30 bis 40 Randalierern eine Polizeistation an und setzte sie mit Molotowcocktails in Brand. Verletzt wurde laut Polizei niemand, mindestens acht Menschen wurden im Zusammenhang mit dem Angriff festgenommen. Insgesamt wurden in Nottingham mehr als 90 Menschen festgenommen.

Zu Krawallen kam es zudem in Salford, Wolverhampton, Bristol, Gloucester und Liverpool, wo mehrere Löschzüge der Feuerwehr attackiert wurden. Auch aus West Bromwich nahe der zentralenglischen Stadt Birmingham wurden Zusammenstöße gemeldet. Dort errichtete eine Gruppe von rund 200 Menschen nach Angaben der Polizei Barrikaden, zündete Autos an und bewarf Polizisten. Auch in Birmingham selbst gingen die Krawalle am Dienstagabend weiter. In der Region wurden mehr als 100 Randalierer festgenommen.

Polizei jagt plündernde Jugendliche

AP/Jon Super

Polizeieinsatz in Manchester

768 Festnahmen allein in London

Wie Scotland Yard am Mittwoch mitteilte, wurden seit Beginn der Ausschreitungen am Samstag im nördlichen Londoner Stadtteil Tottenham allein in London 768 Verdächtige festgenommen. 111 Polizisten wurden bei den Ausschreitungen bisher verletzt. Nach der massiven Aufstockung der Polizeikräfte blieb die britische Hauptstadt nun aber von einer weiteren Krawallnacht verschont.

In einigen Stadtteilen formierten sich zudem Bürgerwehren, wie ein AFP-Journalist berichtete. In Southall im Westen Londons versammelten sich Hunderte Angehörige der Religionsgemeinschaft der Sikhs vor ihrem Tempel, nachdem es Gerüchte gegeben hatte, dieser könnte geplündert werden.

Cameron will hart durchgreifen

Premierminister David Cameron hatte seinen Italien-Urlaub abgebrochen, um am Dienstag eine Krisensitzung der Regierung zu leiten, und den Randalierern mit einer harten Linie gedroht. Eine weitere Krisensitzung gab es am Mittwoch, am Donnerstag soll das Parlament eine Sondersitzung abhalten. Zahlreiche europäische Staaten, unter ihnen Deutschland, mahnen inzwischen zu „besonderer Vorsicht“ bei Reisen nach Großbritannien. Am Dienstag war im Zusammenhang mit den Protesten erstmals ein Mensch ums Leben gekommen.

Parallelen zu 1985

Die Bezirke Tottenham und Brixton waren bereits in den 80er Jahren Schauplatz gewaltsamer Ausschreitungen. Viele Briten ziehen Parallelen zu der Gewalt im Viertel im Jahr 1985. Die Ausschreitungen seien eine Folge der hohen Arbeitslosigkeit und der aktuellen Kürzungen im Sozialwesen, heißt es.

Auslöser der Unruhen war der Tod eines Mannes, der am Donnerstag bei einem Polizeieinsatz im Londoner Stadtteil Tottenham erschossen worden war. Der vierfache Familienvater Mark Duggan wurde durch einen Schuss in die Brust getötet.

Nach Angaben der unabhängigen Polizeiaufsichtsbehörde IPCC vom Dienstag wurden keine Beweise dafür gefunden, dass Duggan zuvor selber auf die Beamten geschossen hatte. Die Pistole, die in dem Taxi gefunden wurde, in dem Duggan erschossen wurde, sei nicht benutzt worden. Duggans Familie erklärte daraufhin, sie sei „bitter enttäuscht“ über die vorläufigen Ergebnisse und verlange „Antworten“ von den Behörden.

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