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29 von 35 Stimmen für Wrabetz

Mit einer deutlichen Mehrheit von 29 von 35 Stimmen ist ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz vom ORF-Stiftungsrat am Dienstagnachmittag für eine zweite Amtsperiode zum Chef des ORF gewählt worden. Wrabetz musste davor ein zweieinhalbstündiges Hearing über sich ergehen lassen.

Nach Gerd Bacher ist Wrabetz der zweite ORF-„General“, der die Wiederbestellung an der Spitze des Unternehmens geschafft hat. Mindestens 18 Stimmen waren für die Wahl nötig, wobei Wrabetz als haushoher Favorit gehandelt worden war und anwesende Medienvertreter auf dem Küniglberg im Vorfeld vor allem über die Zahl der Stimmen für Wrabetz diskutiert hatten. Die Zahl von 29 Stimmen war öfters genannt worden - und am Ende war es dann fast so etwas wie eine Ziellandung und eine klare Mehrheit für den neuen alten Generaldirektor.

Die Enthaltungen beim ORF-Wahlgang kamen vom unabhängigen Stiftungsrat Alexander Hartig und von fünf Stiftungsräten aus dem ÖVP-„Freundeskreis“ (darunter auch die des ÖVP-„Freundeskreis“-Leiters Franz Medwenitsch).

Wrabetz und Wehrschütz beim Hearing

Für die Wahl des ORF-Generaldirektors wurde am Dienstag neben Wrabetz auch ORF-Balkan-Korrespondent Christian Wehrschütz gehört. Beide hatten die nötigen Nominierungen aus dem Stiftungsrat für das Hearing bekommen.

Gegenkandidat Christian Wehrschütz erhielt kein einziges Votum. Im Jahr 2006 war Alexander Wrabetz mit 20 Stimmen zum ORF-Chef gekürt worden.

ORF-GD Alexander Wrabetz auf dem Weg zum Stiftungsratshearing, vorbei an zahlreichen TV-Kameras

APA/Roland Schlager

Großes Medieninteresse rund um die Wahl des ORF-GD; zentrale Fragen der Medienvertreter: Wie viele Stimmen bekommt Wrabetz?

Wrabetz froh über breite Stimmenmehrheit

Wrabetz zeigte sich nach geschlagener Wahl erleichtert und froh über die breite Stimmenmehrheit. „Ich bin bewegt, dass es doch eine sehr große Mehrheit geworden ist“, sagte er, nachdem er die Wahl angenommen hatte, was von den Stiftungsräten mit breitem Applaus quittiert wurde.

Dass es 29 Prostimmen, „keine Gegenstimme und sechs Enthaltungen“ gegeben habe, erfülle ihn mit großer Freude und Verantwortungsbewusstsein. Es sei „ein gutes Gefühl, mit so großer Mehrheit ausgestattet an der Spitze des ORF zu stehen“.

Ostermayer gratuliert

Medienstaatssekretär Josef Ostermayer war der erste öffentliche Gratulant aus dem Bereich der Politik. Er gratuliere Wrabetz zur Wiederwahl und zähle darauf, dass Wrabetz den ORF in den kommenden Jahren „finanziell gesichert und journalistisch hochwertig“ führen werde. Er sei auch sicher, dass Wrabetz „dies im Sinn des Publikums hervorragend umsetzen“ werde.

Regulativ zur Wahl

Jedes Mitglied des Stiftungsrates war berechtigt, bis zum 5. August Kandidaten und Kandidatinnen für die Teilnahme am Hearing zu benennen. Folgende Stiftungsräte hatten nachstehende Personen für die Teilnahme am Hearing nominiert:

  • Brigitte Kulovits-Rupp: Alexander Wrabetz
  • Franz Küberl: Christian Wehrschütz, Alexander Wrabetz
  • Gerhard Moser: Christian Wehrschütz

Abgestimmt wurde nur über Personen, die auch am Hearing teilgenommen haben.

Rund 40 Minuten waren für jeden Kandidaten vorgesehen, damit dieser seine Vorstellung zur Führung des ORF erläutern und Fragen des 35-köpfigen Aufsichtsgremiums des ORF beantworten kann. Schon bei Wrabetz, der den Anfang machte, dauerte das Hearing dann zweieinhalb Stunden.

Wrabetz: „Ausgezeichnete Diskussion“

Wrabetz zeigte sich nach seinem Auftritt sehr „zufrieden“ und sprach von einer „ganz ausgezeichneten Diskussion“. Man habe „ganz viele wichtige Fragen“ besprochen. Befragt, ob er Versprechungen hinsichtlich der Bestellung des Direktoriums oder Führungsjobs gegeben habe, verneinte Wrabetz klar.

„Zwei Kandidaten tun gut“

Gut gelaunt zeigte sich rund um das Hearing der einzige Gegenkandidat. „Ich glaube, dass es dem öffentlich-rechtlichen Fernsehen guttut, wenn es einen zweiten Kandidaten gibt“, so Wehrschütz zu den wartenden Journalisten. Seine Nominierung sah er als „eine Ehre, zur Anhörung zu dürfen“. „Was mir Sorgen macht, ist, dass die Balkanisierung Europas weit schneller voranschreitet als die Europäisierung des Balkans“, konstatierte der Balkan-Korrespondent.

Insgesamt sieben Bewerber

In Summe bewarben sich für die Wahl des ORF-Generaldirektors sieben Kandidaten. Neben Wrabetz und Wehrschütz waren das Karin Kraml (früher Resetarits), Manfred Greisinger, Rene Hager, Dario Lindes und Martin Roger Müller.

So geht es weiter

Unmittelbar nach geschlagener Wahl erfolgt die Ausschreibung des ORF-Direktoriums, das am 15. September gewählt wird. Gesucht werden ein/e Fernsehdirektor/in, ein/e Radiodirektor/in, ein/e Kaufmännische/r Direktor/in sowie ein/e Technische/r Direktor/in.

Neben dem zentralen Direktorium werden auch die Posten der neun Landesdirektoren neu ausgeschrieben.

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