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Angeklagte handelten „pervers“

In Guatemala sind drei ehemalige Elitesoldaten wegen eines Massakers während des Bürgerkriegs zu jeweils 6.060 Jahren Haft verurteilt worden, ein früherer Unteroffizier zu 6.066 Jahren. Ein Gericht befand die Angeklagten Anfang August für schuldig, zwischen dem 6. und 8. Dezember 1982 als Mitglieder der Spezialeinheit Kabil 201 Bewohner des Dorfes Dos Erres ermordet zu haben.

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Die drei ehemaligen Elitesoldaten erhielten für jeden der Getöteten 30 Jahre Haft sowie noch einmal 30 Jahre wegen „Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Gefährdung der Staatssicherheit“. Es ist das erste Mal, dass in Guatemala frühere Soldaten wegen eines Massakers während des Bürgerkriegs verurteilt wurden. Die tatsächliche Haftzeit ist in Guatemala allerdings gesetzlich auf 50 Jahre begrenzt.

Dorf „von Landkarte radiert“

Die Angeklagten waren laut Zeugenaussagen 1982 auf der Suche nach Guerilleros in das Dorf Las Dos Erres im nördlichen Departement Peten eingedrungen. Dort sollen sie 201 Männer, Frauen und Kinder getötet und in einen Brunnen geworfen haben.

Frau weint nach Urteilsverkündung

APA/EPA/EFE/saul Martinez

Hinterbliebene nach der Urteilsverkündung im Gerichtssaal

Nach Angaben von Augenzeugen wurden bei dem Massaker alle Bewohner des Dorfes im Norden des Landes mit Ausnahme von sieben Kindern getötet. Das Gericht befand, die Angeklagten hätten „pervers“ gehandelt, als sie nach dem Massaker das Dorf von der Landkarte radierten.

Historischer Prozess

Neben den vier Verurteilten befinden sich im Zusammenhang mit dem Massaker derzeit drei weitere Männer in Guatemala und Kanada in Untersuchungshaft. Zudem wurde der Soldat Pedro Pimentel, der ebenfalls in die Tötungen verwickelt gewesen sein soll, nach seiner Auslieferung aus den USA festgenommen.

In dem Prozess, der in dem mittelamerikanischen Land als historisch galt, wurden zahlreiche Zeugen gehört. Darunter waren Forensiker, die sich darauf spezialisiert haben, von den Streitkräften begangene Gewalttaten während des Konflikts zu untersuchen.

200.000 Menschen getötet oder verschwunden

Den Befehl für das Massaker soll der frühere Militärmachthaber Efrain Rios Montt gegeben haben, der 1982 durch einen Putsch an die Macht gelangt war. Gegen ihn wird in Spanien und Guatemala wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während seiner eineinhalbjährigen Gewaltherrschaft ermittelt.

In Guatemala herrschte ab 1960 ein Bürgerkrieg, in dem das Militärregime vor allem die indigene Bevölkerung bekämpfte. Laut einem Bericht der nach dem Ende des Bürgerkrieges 1996, als ein Friedensvertrag unterzeichnet wurde, eingesetzten Wahrheitskommission wurden in dem 36 Jahre dauernden Konflikt zwischen Armee und linksgerichteter Guerilla über 200.000 Menschen getötet oder verschwanden.

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