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„Zu viel geredet und zu wenig gehandelt“

Immer wiederkehrende Dürreperioden, steigende Nahrungsmittelpreise und politische Instabilität: Die Auslöser der katastrophalen Hungersnot in Ostafrika sind Faktoren, die der internationalen Gemeinschaft nicht neu sind. Seit langem warnen Hilfsorganisationen vor einer neuen dramatischen Hungerkatastrophe am Horn von Afrika - die Hilfen laufen jedoch erst jetzt langsam an.

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„Die Zeit läuft uns davon“, sagte eine Mitarbeiterin von Save the Children der BBC in Somalia. „Bisher hat die internationale Gemeinschaft zu viel geredet und zu wenig gehandelt.“ Der Leiter der internationalen Katastrophenhilfe beim Österreichischen Roten Kreuz (RK), Walter Hajek, kritisiert, dass es erst dann Hilfe gibt, wenn die Dürre eintritt. Die Frühwarnsysteme hätten bereits Ende letzten Jahres vor der Dürre gewarnt - im Jänner habe man einen Hilfsaufruf für Kenia veröffentlicht, erklärte er gegenüber ORF.at.

Fehlendes Interesse blockiert Geldfluss

Dieser verhallte jedoch: „Es war einfach kein Interesse da.“ Solange nicht die „ganz große Katastrophe“ passiere, sei das Interesse sowohl in der Öffentlichkeit als auch bei den internationalen Geldgebern sehr gering, kritisiert Hajek. Gelder wurden deshalb nicht in ausreichender Höhe freigegeben, und nicht alle Projekte konnten umgesetzt werden. „Die Geldgeber reagieren offenbar nur auf Zuruf der Medien“, zeigte sich Hajek verärgert.

„Wir arbeiten seit Monaten in den Krisengebieten und haben unsere Nahrungsmittel-, Trinkwasserversorgung und medizinische Hilfe bereits in die Höhe gefahren“, so Hajek. Das Rote Kreuz zählt zu den wenigen internationalen Hilfsorganisationen, die auch in ganz Somalia, wo weite Teile des Landes von Milizen kontrolliert werden, Zugang haben.

Zwölf Millionen auf Hilfe angewiesen

Die Länder am Horn von Afrika kämpfen derzeit mit der schlimmsten Dürrekatastrophe seit über 60 Jahren. In Somalia, Äthiopien, Kenia, Dschibuti und Uganda sind wegen einer seit zwei Jahren anhaltenden Dürre mehrere Ernten ausgefallen. Steigende Lebensmittelpreise und Unterernährung sind die Folge. Die Preise für Nahrung stiegen innerhalb weniger Monate teilweise um bis zu 200 Prozent, der Kauf von Getreide wurde für viele Familien unerschwinglich. Verschärft werden die Probleme durch den Bürgerkrieg in Somalia.

Die UNO schätzt, dass mindestens zwölf Millionen Menschen in der Region Nahrungshilfe benötigen. Zehntausende starben bereits. Nach letzten Angaben des Kinderhilfswerks UNICEF ist mehr als eine halbe Million Kinder vom Hungertod bedroht.

Weltbank stellt 500 Mio. Dollar bereit

Als erstes Zugeständnis erklärte die Weltbank am Montag nach einem UNO-Krisentreffen, sie wolle 500 Millionen Dollar (348 Mio. Euro) bereitstellen. Die EU-Kommission erklärte sich am Mittwoch bereit, ihre Hilfsgelder für die Hunger- und Dürreopfer aufzustocken. Man wolle zusätzlich zu dem für die Region bereitgestellten Betrag von 70 Millionen Euro und folgenden 27,8 Millionen weitere 60 Millionen zur Verfügung stellen, da sich die Lage dramatisch verschlechtert habe, hieß es.

Deutschland kündigte an, etwa 15 Mio. Euro an bilateralen Zahlungen bereitstellen zu wollen. Hinzu kämen etwa 32 Mio. Euro, die im Rahmen von neuen Hilfen der EU-Kommission nach Afrika gehen. Die SPD kritisierte die Hilfe als „zu wenig und zu spät“. Österreich erhöht seine Soforthilfe um 300.000 Euro auf 800.000 Euro.

Schwieriger Zugang zu Notleidenden

Hajek sieht es als „problematisch“ an, dass sich ein großer Teil der Gelder auf Programme der Vereinten Nationen konzentriert. Diese haben in Somalia, einer der am stärksten betroffenen Staaten, nur in kleinen Teilen des Landes Zugang. Denn Milizen verweigern in den von ihnen kontrollierten Gebieten den Zutritt. Er hofft im Interview mit ORF.at, dass diese Hilfen in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Roten Kreuz umgesetzt werden. Das IRK kann sich als eine der wenigen westlichen Hilfsvereine in ganz Somalia frei bewegen, da man „neutraler“ als die UNO-Organisationen auftrete.

Um die Hungernden dennoch mit Hilfe versorgen zu können, startete das UNO-Welternährungsprogramm nach Verzögerungen eine Luftbrücke in die somalische Hauptstadt Mogadischu. 100 Tonnen Nahrungsmittel sollen so nach Somalia und benachbarte Staaten gebracht werden, um vor allem Kinder versorgen zu können.

Spendenmöglichkeit

  • Caritas: PSK 7.700 004, BLZ 60.000, Kennwort: Hungerhilfe; Caritas online spenden (www.caritas.at)
  • CARE: PSK 1.236.000, BLZ 60.000; CARE online spenden(www.care.at/spenden)
  • Diakonie Katastrophenhilfe: PSK 2.313.300, BLZ 60.000, Kennwort: Somalia; Diakonie online spenden
  • Ärzte ohne Grenzen: PSK 93.040.950, BLZ 60.000, Kennwort: Notfallfonds „Ostafrika“; Ärzte ohne Grenzen online spenden
  • World Vision Österreich: PSK 90.890.000, BLZ 60.000, Kennwort: Hunger Afrika; World Vision online spenden
  • UNICEF: PSK 1.516.500, BLZ 60.000, Kennwort: Kinder Horn von Afrika; UNICEF online spenden(www.unicef.at/spenden)
  • Kindernothilfe: PSK 92.144.077, BLZ 60.000, Kennwort: Dürre Afrika; Kindernothilfe online spenden
  • Österreichisches Rotes Kreuz: PSK 2.345.000, BLZ 60.000, Kennwort: Dürre in Afrika; Rotes Kreuz online spenden
  • Hilfswerk Austria International: PSK 90.001.002, BLZ 60.000, Kennwort: Dürre in Afrika
  • AMREF Österreich: Hypo Salzburg 211.018.700, BLZ 55.000
  • Entwicklungshilfeklub: Erste Bank 31.005.405.150, BLZ 20.111
  • Volkshilfe: PSK 1.740.400, BLZ 60.000, Kennwort: Dürre Afrika; Volkshilfe online spenden
  • Missio Päpstliche Missionswerke: PSK 7.015.500, BLZ 60.000, Kennwort: Dürre; Missio online spenden
  • Malteser: PSK 1.000.999, BLZ 60.000, Kennwort: Hungersnot Ostafrika
  • SOS Kinderdorf: PSK 1.566.000, BLZ 60.000, Kennwort: Ostafrika; SOS Kinderdorf online spenden

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