Angeschlagener Pionier
Noch vor wenigen Jahren haben BlackBerrys als unverzichtbare Statussymbole in Management und Politik gegolten. Doch mit Einführung von Apples iPhone verloren die RIM-Geräte ihre Coolness. Der entscheidende Schlag gegen BlackBerry kam aber nicht aus Cupertino, sondern aus Googles Hauptquartier in Mountain View.
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Wie die vierteljährlich veröffentlichten Zahlen des Beratungsunternehmens Gartner zeigen, wuchs der Anteil der BlackBerry-Geräte aus dem Hause Research in Motion (RIM) auf dem weltweiten Smartphone-Markt stetig an, bis er seinen Höhepunkt mit 20,8 Prozent im dritten Quartal 2009 erreichte.
Im vierten Quartal 2009 lag der RIM-Marktanteil dann nur noch bei 19,9 Prozent. Im Oktober 2009 hatte Google die Version 2.0 seines Linux-basierten Mobilbetriebssystem Android veröffentlicht. Mit dieser Version verlor Android nicht nur viele Kinderkrankheiten, es gewann auch die Fähigkeit hinzu, mit dem in Firmen weit verbreiteten Exchange-Server von Microsoft umzugehen.
Wendepunkt Android 2
Mit Android 2.x erschienen auch die ersten wirklich attraktiven Smartphones aus dem Google-Lager wie das Nexus One und dessen HTC-Geschwister. Googles ernsthaftes Engagement auf dem Smartphone-Markt sorgte auch dafür, dass sich dieser extrem schnell ausdehnte. So meldete Gartner für das zweite Quartal 2009 noch ein hauptsächlich von Apples Erfolg getriebenes Wachstum von 26 Prozent. Zu dieser Zeit wuchsen RIM und Apple noch gemeinsam - der eine im Business-, der andere im Privatnutzerbereich.
Im Lauf des Jahres 2010 änderte sich das Gesamtbild schnell. Für das dritte Quartal meldete Gartner, dass der Smartphone-Markt im Jahresvergleich um 96 Prozent gewachsen sei. BlackBerry, traditionell stark in der Geschäftskunden-Community verwurzelt, konnte von der Popularisierung des Smartphone-Konzepts längst nicht so stark profitieren wie Google, das zu diesem Zeitpunkt seinen Marktanteil von 3,5 (im 3. Quartal 2009) auf 25,5 Prozent gesteigert hatte.
Schneller Absturz
Die RIM-Geräte lagen im dritten Quartal 2010 bei 14,8 Prozent, für das erste Quartal 2011 meldete Gartner einen Marktanteil von gerade noch 12,9 Prozent, während Android mit 36 Prozent auch den einstigen Platzhirsch Symbian von der Spitze der Rangliste verdrängen konnte. Im ersten Quartal 2010 lag Android noch bei 9,6 Prozent. Apple wuchs mit seiner auch erfolgreich auf den Tablet-Markt ausgedehnten iOS-Plattform von 15,3 auf 16,8 Prozent.
RIM versucht, den Abwärtstrend zu stoppen. Die Kanadier wollen das 2010 von ihnen eingekaufte Echtzeit-Betriebssystem QNX zu einer Mobilplattform ausbauen, die mit iOS und Android konkurrieren kann. QNX ist ausgereift - die erste Version kam 1982 auf den Markt -, genügsam und stabil, aber ob die ersten Smartphones auf Basis des neuen Systems der mächtigen Konkurrenz die Schneid abkaufen können, darf bezweifelt werden.
Zudem holt mit Nokia auch der zweite große Verlierer der Smartphone-Revolution zum Gegenschlag aus - und zwar im Doppelpack mit Microsoft, das zwar auf diesem Markt bisher auch eher glücklos agiert hat, aber über beträchtliche Geldreserven verfügt. Die RIM-Aktionäre werden in nächster Zeit also nicht unbedingt ruhiger schlafen können.
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