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Regierung und Parlament „säumig“

Nachdem Christoph Badelt, der Rektor der Wirtschaftsuniversität Wien (WU), vor wenigen Tagen angekündigt hatte, auf dem Rechtsweg höheres Budget vom Bund zu erkämpfen, prognostizierte er Anfang Juni in der Ö1-Sendereihe „Journal zu Gast“ auch den Masterstudiengängen die Probleme der überlaufenen Bachelorstudien. „In den letzten Jahren ist in der Unipolitik nichts weitergegangen“, so Badelt.

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„In spätestens zwei Jahren werden wir auf der Ebene der Masterstudien dasselben Probleme haben wie auf jener der Bachelorstudien“, so Badelt. „Es wird sich um eine andere Zahl handeln, aber das Auseinanderklaffen zwischen Kapazitäten und finanziellen Möglichkeiten wird ebenso gegeben sein“, sagte Badelt im Ö1-Interview - mehr dazu in oe1.ORF.at.

Politiker würden das Thema der Masterstudien hinsichtlich Zugangsregelungen „ignorieren“, dabei seien Master- und Bachelorstudium bezogen auf Lehrkapazitäten an der Universität „verbundene Gefäße“. Für das Auseinanderklaffen zwischen Budget und Kapazitäten zieht Badelt die gesamte Bundesregierung zur Verantwortung.

Notfallparagraf 124b

Der Notfallparagraf 124b sieht eine Festlegung der Studienplätze vor, „wenn durch die erhöhte Nachfrage ausländischer Staatsangehöriger die Studienbedingungen (...) unvertretbar sind“.

Schuld bei Regierung und Parlament

Die Angabe von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle (ÖVP), die SPÖ habe jenen Notfallparagrafen, mit dem die WU Zugangsbeschränkungen einführen könnte, abgeblockt, sei zwar richtig - „säumig“ seien aber sowohl die gesamte Regierung als auch das Parlament. Es brauche entweder mehr Geld oder Zugangsbeschränkungen, „die Situation ist nicht länger haltbar“.

Aufnahmestopp verschiebt Problem nur

Einen Aufnahmestopp für die kommenden ein bis zwei Jahre, wie ihn die TU Wien im Massenfach Architektur erwägt, hält Badelt für „eine Notmaßnahme, die zwar augenblicklich eine Entlastung schafft“, aber das Problem nur nach hinten verschiebe und einen Rückstau erzeuge. „Im zweiten Gedanken ist das mehr eine Form des Protests, aber keine nachhaltige Lösung“, so Badelt.

WU-Rektor Christoph Badelt

AP/Hans Punz

WU-Rektor Christoph Badelt

Badelt hatte behauptet, allein für 2010 bis 2012 zusätzlich 64,4 Millionen Euro pro Jahr zu benötigen. Damit könnte er die Kapazitäten der WU um zwei Drittel ausbauen. Bei Verhandlungen mit dem Ministerium seien ihm Platzbeschränkungen zugesagt, dann aber nie eingeführt worden. Für den Verfassungsrechtler Bernd-Christian Funk sind die Erfolgschancen bei dem Verfahren „relativ groß“. Mit seiner Ankündigung setzt Badelt erstmals diesen Rechtsschritt einer Uni.

Forderung nach Gesamtschule

Auch bezüglich des österreichischen Schulsystems äußert Badelt Kritik. Angesprochen auf die gemeinsame Schule der Zehn- bis 14-Jährigen ortet er „bei der ÖVP ziemliche Starre“. Nur in der gemeinsamen Schule könne man „die Reserven, die wir in diesem Land haben“, ausschöpfen, so Badelt. Einen Widerspruch zu seinem Leitspruch der „Leistung“ sieht er dabei nicht. Er stellt sich zwar „eine einheitliche Organisation“, nicht aber eine „Einheitsklasse“ vor. „Innerhalb der Organisation soll es eine Differenzierung nach Leistung geben“, sagte Badelt. „Unterschiedliche Jugendliche können dann in unterschiedlichen Fächern unterschiedliche Leistungsgruppen besuchen.“

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