„Völlige Straffreiheit“ in Tschetschenien
Führende Menschenrechtsorganisationen haben Ende April in einem Brief an den russischen Präsidenten Dimitri Medwedew „grobe“ Menschenrechtsverletzungen in der Kaukasusrepublik Tschetschenien angeprangert.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
In einem Klima „völliger Straffreiheit“ seien Entführungen und Folter an der Tagesordnung, heißt es in dem Brief, der unter anderem von der russischen Organisation Memorial, der Helsinki-Stiftung in Moskau und der US-NGO Human Rights Watch (HRW) unterzeichnet wurde. Seit 2004 herrscht in Tschetschenien der von Russland eingesetzte Präsident Ramsan Kadyrow.
OMON verantwortlich für Entführungen?
Der Präsident des interregionalen Komitees gegen Folter, Igor Kaliapin, warf der Sondereinheit des Innenministeriums, OMON, vor, hinter einigen der Entführungen zu stecken. „In einem von sieben Fällen kehrt die entführte Person nach Hause zurück, und es stellt sich heraus, dass sie vier Monate in einem Keller der tschetschenischen OMON an einen Heizkörper gefesselt war“, sagte Kaliapin laut der Nachrichtenagentur Interfax.
Memorial-Präsident Oleg Orlow beklagte, dass Entführungen nach dem tschetschenischen Muster mittlerweile auch in den anderen Kaukasusrepubliken üblich seien und sogar die russische Hauptstadt Moskau erreicht hätten.
Konflikt brodelt seit Jahren
Tschetschenien hatte sich nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 einseitig von Moskau losgesagt und betrachtete sich in der Folge als unabhängig. 1994 startete Russland den ersten Tschetschenien-Krieg, doch musste die russische Armee nach 21 Monaten das Feld geschlagen räumen. Im Oktober 1999 marschierten erneut russische Soldaten in Tschetschenien ein. Zwar war der Krieg nach wenigen Monaten beendet - der Konflikt dauert jedoch seither an. Mit Anschlägen trugen islamistische Terroristen den Konflikt mehrmals auch in die russische Hauptstadt.
Links: