Kontrollen ab Montag
Nun ist wegen des EHEC-Keims, der eine Durchfallepidemie insbesondere in Deutschland ausgelöst hat, auch in Österreich eine Rückrufaktion gestartet worden: 33 österreichische Biohändler bezogen von zwei deutschen Großhändlern Gemüse der betroffenen spanischen Produzenten.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Das teilte die Generaldirektorin für öffentliche Gesundheit, Pamela Rendi-Wagner, der APA in der Nacht auf Sonntag mit. Das Gesundheitsministerium fordert nun die Konsumenten auf, aus diesen Geschäften bezogene spanische Gurken, Paradeiser und Melanzani auf keinen Fall zu verzehren, sondern zu vernichten. Die Liste der Händler (PDF) ist auf der Website der Österreichischen Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) abrufbar.
Die deutschen Lieferanten hätten bereits die Biohändler in Österreich angewiesen, das gelieferte spanische Gemüse umgehend aus dem Sortiment zu nehmen. Die Lebensmittelaufsicht werde ab Montag in den betroffenen Geschäften überprüfen, ob der Rückrufaktion Folge geleistet wurde, kündigte Rendi-Wagner an.
Vier neue Todesfälle
Die EHEC-Epidemie breitet sich unterdessen unvermindert vor allem im Norden Deutschlands aus. Bis zum Samstag fielen dem gefährlichen Darmkeim zehn Menschen zum Opfer. Auch die Zahl der Krankheits- und Verdachtsfälle steigt. Nach offizieller Schätzung ist der Höhepunkt noch nicht erreicht. Wo die Ursache liegt, ist weiter unklar.
Am Samstag wurden vier neue Todesfälle bekannt: In einem Krankenhaus in Schleswig-Holstein starb am Samstag zunächst eine 84 Jahre alte Frau an der schweren Komplikation HUS, später eine 86-Jährige. HUS steht für hämolytisch-urämisches Syndrom. Im Hamburger Uniklinikum Eppendorf (UKE) starb daran in der Nacht zum Samstag eine 87-jährige Frau. Eine 38 Jahre alte Frau aus Schleswig-Holstein war bereits am Donnerstagabend in einem Kieler Krankenhaus am HUS gestorben. Deutschlandweit schweben mehrere Menschen weiter in Lebensgefahr.
Deutschlandweit wurden mittlerweile mehr als 1.000 bestätigte und EHEC-Verdachtsfälle registriert. Normalerweise gibt es im ganzen Jahr etwa 900 gemeldete Infektionen mit den Bakterien. Von den zehn Toten waren neun Opfer Frauen. Bisher stammen alle Todesopfer aus Norddeutschland.
Höhepunkt noch nicht erreicht
Allein in Niedersachsen wurden bis Samstag 141 bestätigte Erkrankungen, 48 EHEC-Verdachtsfälle und 42 HUS-Fälle registriert. „Wir müssen davon ausgehen, dass die Zahl der Schwererkrankten noch steigt“, sagte der Sprecher des Sozialministeriums. Wegen Überlastungen verlegen Hamburger Kliniken Erkrankte derzeit nach Niedersachsen. In Hamburg liegt die Zahl bei etwa 400 Patienten.
Die Regierung in Berlin hält eine weitere Ausbreitung der EHEC-Welle für möglich. „Es sind weitere Fälle zu befürchten, solange die Quelle nicht zweifelsfrei identifiziert und geschlossen ist“, sagte der Sprecher der Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU), Holger Eichele, am Samstag der Nachrichtenagentur dpa in Berlin. Insbesondere Gurken, Paradeiser und Salat in Norddeutschland würden auf den Erreger hin getestet.
Neuer Verdachtsfall in Linz
Einer der beiden in Österreich erkrankten Deutschen konnte unterdessen bereits das Krankenhaus wieder verlassen und befand sich Samstagvormittag auf dem Weg nach Hause. Die beiden Betroffenen waren mit dem Fahrrad aus Norddeutschland gekommen. Auch im Linzer AKh gab es inzwischen einen möglichen Verdachtsfall. Ein deutscher Schauspieler, der in Linz arbeitet, wurde am Freitag mit Symptomen ins Linzer AKh eingeliefert.
Mehr als die Hälfte der Deutschen verzichtet nach Angaben der „Bild am Sonntag“ wegen der Darmbakterien EHEC derzeit auf ungekochte Tomaten, rohe Gurken und Salat. 58 Prozent gaben in einer repräsentativen Umfrage an, solche Rohkost derzeit zu meiden, berichtet das Blatt. 41 Prozent würden dagegen weiterhin auch dieses Gemüse roh essen. Das Meinungsforschungsinstitut Emnid hatte im Auftrag der „Bild am Sonntag“ 500 Menschen ab 14 Jahren befragt.
Links: