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Pakistan „feindlich gesinntes Land“

Der frühere afghanische Geheimdienstchef Amrullah Saleh hat nach eigenen Angaben seit Jahren gewusst, dass sich Osama bin Laden in Pakistan versteckte. Saleh sagte dem US-Fernsehsender CBS in einem Interview, das am Sonntagabend ausgestrahlt wurde, er habe den pakistanischen Behörden vor vier Jahren entsprechende Hinweise gegeben, sei aber abgewiesen worden.

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Saleh sagte, der afghanische Geheimdienst habe angenommen, dass sich Bin Laden in der pakistanischen Stadt Mansehra versteckt habe. Die Stadt liegt rund 20 Kilometer von Abbottabad entfernt, wo Bin Laden schließlich von einer US-Kommandoeinheit getötet wurde. Saleh ist ein prominenter Kritiker der Bemühungen des afghanischen Präsidenten Hamid Karzai, Friedensverhandlungen mit den Taliban aufzunehmen.

Saleh sagte CBS, die USA sollten Pakistan als feindlich gesinntes Land betrachten. Die Regierung nehme das Geld aus Washington, kooperiere aber nicht im Kampf gegen den Terrorismus und trage zur Verbreitung von Atomwaffen bei.

Kerry verteidigt in Pakistan US-Einsatz

Zwei Wochen nach der Tötung von Bin Laden verteidigte der einflussreiche US-Senator John Kerry bei einem Besuch in Pakistan die amerikanische Geheimoperation. Die „extreme Geheimhaltung“ sei notwendig gewesen, um das Leben der Beteiligten zu schützen und den Erfolg des Vorhabens im nordpakistanischen Abbottabad zu sichern, sagte Kerry am Montag in Islamabad. Selbst in den USA sei nur eine Handvoll hochrangiger Regierungsvertreter informiert gewesen.

Die US-Operation in der Nacht auf den 2. Mai löste in Pakistan vehemente Kritik aus und belastete die Beziehungen zwischen Washington und Islamabad schwer. Das pakistanische Parlament hatte die US-Militäroperation auf pakistanischem Gebiet als schwere Verletzung der Souveränität des Landes verurteilt.

Pakistans Premierminister Yousuf Raza Gilani sagte nach einem Treffen mit Kerry, sein Land wünsche sich statt unangebrachter Kritik die „gebührende Anerkennung und Unterstützung der internationalen Gemeinschaft und besonders der Vereinigten Staaten“ für den Beitrag im Kampf gegen den Terrorismus.

Pornofund nur üble Nachrede?

Unterdessen werden immer mehr Details über Bin Ladens Leben in seinem Versteck bekannt. Bei dem Einsatz der Navy SEALs gegen Bin Laden wurden laut US-Medienberichten auch Pornos gefunden. Im Schlafzimmer des Anwesens habe man „unzüchtige Bilder“ entdeckt, die Paare beim Sex zeigen, sagte ein namentlich nicht genannter Regierungsmitarbeiter dem Sender CBS. Auch Videos seien dabei gewesen. Die „große Menge“ pornografischen Materials befand sich demnach in einer Holzkiste im Schlafzimmer.

In der arabischen Welt stießen die Berichte über Pornos im Besitz des Terroristenführers auf Misstrauen. Die Zweifel wurden durch die vielen widersprüchlichen Meldungen genährt, die das Weiße Haus zur Tötung des Topterroristen veröffentlicht hatte. Viele Menschen halten diese Infos für üble Nachrede.

Mehr gelernt als in letzten zehn Jahren

Laut CNN wurde zudem eine unveröffentlichte Audiobotschaft des Terrorchefs sichergestellt. Insgesamt sei in Abbottabad eine Million Seiten mit Daten in die Hände der US-Behörden gefallen, hieß es in US-Medien. Beamte sagten nach ABC-Angaben, dass sie dadurch in den vergangenen zehn Tagen mehr über Al-Kaida erfahren hätten als in den vergangenen zehn Jahren.

„Verwirrende Äußerungen“

An der Audiobotschaft habe der Al-Kaida-Chef noch wenige Tage vor seinem Tod gearbeitet. Ein US-Beamter sprach von „verwirrenden“ Äußerungen zum arabischen Frühling - den Revolten in mehreren arabischen Ländern. In der Botschaft, die Ende April produziert worden sei, gehe Bin Laden nur auf die Umstürze in Ägypten und Tunesien ein, nicht aber auf die Revolten in Libyen, dem Jemen und Syrien.

Es sei verwirrend, dass Bin Laden Zuspruch für die Sache der Regimegegner in Tunesien und Ägypten äußere, Monate nachdem die Revolten begannen, jedoch die anderen arabischen Staaten nicht erwähne. Ein Rätsel sei, warum der Al-Kaida-Chef nicht auch seine Unterstützung für die Aufständischen in Libyen bekundet habe - dabei habe Bin Laden den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi verabscheut, sagte der US-Beamte, der anonym bleiben wollte.

Umfrage: Afghanen bewerten Tötung positiv

Mehr als zwei Drittel der afghanischen Männer bewerten die Tötung Bin Ladens laut einer Umfrage positiv. 68 Prozent begrüßten die Nachricht vom Tod Bin Ladens, wie aus der Befragung von 600 Männern in verschiedenen Regionen des Landes durch das Institut International Council on Security and Development (ICOS) hervorgeht. In Marjah, einer Taliban-Hochburg in der südlichen Provinz Helmand, bezeichneten dagegen 71 Prozent der Befragten den Tod des Terrorchefs als eine schlechte Nachricht.

„Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass der Tod Bin Ladens gut aufgenommen wurde“, sagte ICOS-Chefin Norine MacDonald. Das sei ein Zeichen für eine positive Entwicklung bei der Übergangsstrategie der internationalen Gemeinschaft, sagte MacDonald mit Blick auf den geplanten schrittweisen Abzug der ausländischen Truppen aus Afghanistan. Die Taliban hatten Bin Laden und weiteren Al-Kaida-Aktivisten während ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001 in Afghanistan Zuflucht gewährt.

US-Verteidigungsminister Gates mahnt

US-Verteidigungsminister Robert Gates bezeichnete einen beschleunigten Abzug der Truppen aus Afghanistan wegen der Tötung von Bin Laden als verfrüht. Es sei zu früh, so kurz nach dem Tod des Terrorchefs bereits derart weitreichende Schlüsse zu ziehen, sagte Gates am Sonntag dem US-Sender CBS. Ein schnellerer Abzug der Truppen aus Afghanistan könne deshalb noch nicht in Erwägung gezogen werden.

Nach der Tötung Bin Ladens waren Forderungen laut geworden, den geplanten Truppenabzug zu beschleunigen, da es keinen Grund mehr für die hohe Zahl der am Hindukusch stationierten Soldaten gebe. Der Einsatz sei eine Reaktion auf die Anschläge vom 11. September gewesen, um zu verhindern, dass Terroristen des Netzwerks Al-Kaida Afghanistan als Rückzugsort benutzten. Es seien jedoch lediglich noch etwa 200 Al-Kaida-Kämpfer in Afghanistan aktiv, während die NATO dort mehr als 140.000 Soldaten stationiert habe.

Gates sagte, die Tötung Bin Ladens könne die Situation im Krieg in Afghanistan verändern. „Wir könnten am Ende des Jahres an einem Punkt angelangt sein, an dem wir in Afghanistan über den Berg sind“, sagte der Verteidigungsminister.

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