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1707 vereinigt

Vor über 300 Jahren, am 29. April 1707, wurden mit dem Act of Union die Parlamente von Schottland und England auf der Grundlage der Gleichberechtigung vereinigt. Die beiden vereinigten Königreiche nahmen den Namen „Großbritannien“ an.

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Nach dem Tod von Königin Elizabeth I. 1603 hatte der schottische König Jakob (James) VI., der Sohn von Maria Stuart, die Königswürde als Jakob I. in England angenommen, seither stand er England und Schottland in Personalunion vor. Diese Personalunion überstand auch den Bürgerkrieg Mitte des 17. Jahrhunderts, gegen Ende des Jahrhunderts war sie aber immer mehr zu einem Anachronismus geworden.

Engländer wollten Schottland nicht

Ein Zusammenschluss war von vielen Schotten schon lange gewünscht, von den Engländern aber immer abgelehnt worden, weil sie eine Überrepräsentierung Schottlands im Londoner Parlament befürchteten.

Erst nach dem Versuch der im Zuge der „Glorreichen Revolution“ 1688/89 durch Wilhelm III. von Oranien gestürzten Stuart-Herrscher und deren Nachfolger, mit französischer Hilfe und gestützt auf unzufriedene Teile der Bevölkerung die Macht zurückzugewinnen, wurde in England die Stimmung für eine Vereinigung beider Länder günstiger.

Allerdings stand man in England der Abtretung von Handelsrechten an Schottland und seine Kaufleute ablehnend gegenüber, viele Schotten befürchteten wieder eine Unterordnung unter England.

Krieg gegen Frankreich als Auslöser

Nach Ausbruch des Spanischen Erbfolgekrieges 1701 stand England im Krieg gegen Frankreich und befürchtete, Schottland könnte eine unabhängigere Außenpolitik verfolgen und womöglich einen eigenen Herrscher wählen.

In London wollte man vor allem verhindern, dass ein unabhängiges Schottland von Frankreich und seinem „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. beherrscht würde. Schließlich gaben beide Seiten nach, am 29. April 1707 wurden die Unionsakte verabschiedet. Darin wurde festgelegt, dass Schottland sein eigenes Rechts- und Gerichtssystem behalten solle.

Berufungen in Zivilverfahren sollten vom obersten schottischen Gericht an das gemeinsame Oberhaus (House of Lords) in seiner Eigenschaft als höchste juristische Berufungsinstanz möglich sein, ansonsten würden Urteile schottischer Gerichte als endgültig angesehen. Die presbyterianische Kirche Schottlands sollte so wie die Kirche von England zu einer Staatskirche erhoben werden.

Wirtschaftlicher Aufschwung Schottlands

Im vereinigten Parlament in London sollte Schottland durch 45 Abgeordnete im Unterhaus (House of Commons), im Oberhaus (House of Lords) durch 16 Peers vertreten werden. Für Schottland ergab sich nach dem Zusammenschluss ein wirtschaftlicher Aufschwung, da schottische Kaufleute gleichberechtigten Zugang zu den Märkten des Empire erhielten.

Der Erfolg der Union zeigte sich auch beim Scheitern der jakobitischen Erhebungen von 1715 und 1745, als Nachkommen von Jakob VII. (als schottischer König bzw. II. als englischer König) versuchten, die Macht in beiden Ländern zurückzugewinnen.

Rivalität unter Clans

In den schottischen Lowlands gab es kaum Unterstützung für die Erhebungen, wohl aber in den wirtschaftlich und sozial zurückgebliebenen Highlands, wo auch Rivalitäten unter den Clans herrschten.

Nach der endgültigen Niederlage der Highlander 1745 erlosch der Widerstand gegen die Union, schottische Highland-Regimenter nahmen bald einen geachteten Platz im britischen Militär ein. Auch das intellektuelle Leben Schottlands blühte auf, stellvertretend für viele im 18. und 19. Jahrhundert seien der Dichter Sir Walter Scott und der Wirtschaftswissenschaftler Adam Smith genannt.

Dennoch wurde in den folgenden Jahrzehnten und Jahrhunderten in Schottland immer wieder der Ruf nach Eigenständigkeit laut. Zum Symbol wurde der 11. September 1297: Damals errangen die Schotten unter William Wallace „Braveheart“ ihren letzten großen Sieg über die Engländer, denen er in der Schlacht von Stirling Bridge eine vernichtende Niederlage zufügte.