Datenklau: Sony beschuldigt Anonymous-Kollektiv

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Kazuo Hirai, Chef der US-Niederlassung des japanischen Unterhaltungskonzerns Sony, hat gestern in einem Brief an den US-Kongress das Kollektiv Anonymous für den jüngsten Einbruch in die Online-Gaming-Systeme des Konzerns mitverantwortlich gemacht.

Das US-Justizministerium hat eine Untersuchung zu den Angriffen eingeleitet. In Kanada brachte eine Anwaltskanzlei eine Sammelklage über eine Milliarde US-Dollar (700 Mio. Euro) auf den Weg, in der Sony eine Verletzung des Datenschutzes vorgeworfen wird.

Anonymous habe Sonys Systeme mit verteilten Überlastungsattacken angegriffen und damit die Ressourcen der Administratoren gebunden. Dadurch sei Sony „Opfer einer sehr sorgfältig geplanten und sehr professionell durchgeführten Cyberattacke“ geworden, so Hirai. In dem Brief erklärt der Sony-USA-Chef auch, dass die Firma die Polizei zwei Tage lang nicht informiert und sich erst fünf Tage später mit Experten der US-Bundespolizei FBI getroffen habe.

Zwei große Einbrüche

Sony hat in jüngster Zeit zwei große Datendiebstähle bekanntgegeben. Am 3. Mai gab der Konzern zu, dass Eindringlinge Daten aus seinem Spielenetzwerk Sony Online Entertainment (SOE) am 16. und 17. April entwendet haben. Dies habe 24,6 Millionen Kunden betroffen, auch Kreditkartendaten und Bankeinzugsdaten sind dabei abgezogen worden. Vom 17. bis zum 19. April stiegen Datendiebe ins PlayStation Network (PSN) ein und entwendeten dabei 77 Millionen Datensätze inklusive unverschlüsselter Passwörter. Laut dem Brief Hirais an den Kongress sei bislang noch nicht sicher, ob die beiden Einbrüche von denselben Personen begangen worden seien.

Anonymous ist eine lockere Gruppe vornehmlich jüngerer Computerexperten, die im Umfeld der für grobe Streiche bekannten 4chan-Plattform entstanden ist und eine Vorliebe für derbe Cracks und politische Hacker-Aktionen pflegt. Die Gruppe hat auf ihrem Anonops-Blog am 3. April angekündigt, Sony angreifen zu wollen, weil der Konzern juristisch gegen die Hacker GeoHot und Graf_Chokolo vorgeht, die einen Jailbreak der PlayStation-3-Konsole veröffentlicht haben.

„Schlicht inkompetent“

Zum Ausfall des PSN schrieb Anonymous am 24. April: „Dieses eine Mal haben wir es nicht getan.“ Sony sei schlicht inkompetent. Der Konzern gab dann am 26. April zu, dass der Ausfall des Netzwerks auf dessen Abschaltung wegen des Datendiebstahls zurückzuführen war.

Anonymous hat in der Vergangenheit schon zahlreiche antiautoritäre Aktionen veranstaltet, zuletzt protestierte das Kollektiv mit DDOS-Angriffen auf Visa und Mastercard gegen deren Sperrungen von Spenden an WikiLeaks und stellte die Sicherheitsfirma HBGary durch einen Einbruch in deren Systeme und anschließender Veröffentlichung brisanter interner Dokumente bloß. Anonymous ist nach derartigen Aktionen stets sofort an die Öffentlichkeit getreten - anders als die Täter im Fall Sony.