Veröffentlichung für USA „unglücklich“
Im US-Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba sind neuen Veröffentlichungen des Enthüllungsportals WikiLeaks zufolge jahrelang zahlreiche Unschuldige festgehalten worden. Die Sonntagabend verbreiteten Informationen sind Teil der im vergangenen Jahr massenhaft von mehreren internationalen Medien veröffentlichten geheimen US-Militärdokumente.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Die Berichte fassen die Situation aller seit 2002 in Guantanamo einsitzenden Häftlinge zusammen. Wie der britische „Daily Telegraph“ unter Berufung auf die in den neuen Dokumenten zitierten US-Militäranalysten berichtete, galten nur 220 der insgesamt 779 Guantanamo-Insassen als gefährliche Extremisten.
Die Dokumente listen laut „New York Times“ akribisch Details über die Häftlinge auf. So etwa ihre persönlichen Habseligkeiten bei der Inhaftierung wie Bustickets, Ausweise, Restaurantrechnungen und Gedichte. Aber auch detaillierte Krankenberichte, Vernehmungsprotokolle und Angaben zum Verhalten der Gefangenen in Guantanamo finden sich in den Berichten.
Mindestens 150 Unschuldige festgehalten
Etwa 380 Häftlinge wurden demnach als „Fußsoldaten“ niedrigeren Ranges eingestuft, die etwa den fundamentalistischen Taliban nahestanden. Bei mindestens 150 Häftlingen jedoch handelte es sich den Dokumenten zufolge um unschuldige Afghanen und Pakistanis, darunter Bauern und Fahrer. Sie seien teilweise jahrelang aufgrund von Fehlern bei der Feststellung ihrer Identität in Guantanamo festgehalten worden oder weil sie schlicht zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen seien.
So seien in Guantanamo auch geisteskranke, altersschwache und völlig unschuldige Menschen inhaftiert worden, berichtete die spanische Zeitung „El Pais“ am Montag. Das Lager habe dem US-Militär in erster Linie dazu gedient, von den Gefangenen Informationen zu erhalten. Über die Verhörmethoden werden nach Angaben von „El Pais“ in den Unterlagen keine Angaben gemacht. 143 Verdächtige seien mehr als neun Jahre in dem Lager gefangen gehalten worden. Derzeit seien in Guantanamo noch 172 Menschen inhaftiert.
Obamas Versprechungen nicht eingelöst
US-Präsident Barack Obama hatte das Lager eigentlich schließen wollen, dieses Versprechen aber nicht eingelöst. Die Inhaftierungen seien völlig willkürlich gewesen, berichtete „El Pais“. Demnach war unter den Gefangenen in dem Lager auch ein 89-Jähriger, der unter Altersdemenz und schweren Depressionen litt. Ein Afghane sei in seiner Heimat auf der Suche nach seinem Sohn in die Hände von US-Militärs geraten und nach Guantanamo gebracht worden.
Die Daten waren von WikiLeaks etwa auch der „New York Times“ und dem „Spiegel“ übermittelt worden. Die US-Regierung bezeichnete die aktuelle Veröffentlichung als „unglücklich“. In einer vom Pentagon und vom Außenministerium verbreiteten Erklärung hieß es, sowohl zu Zeiten der Regierung von Präsident George W. Bush als auch seines Nachfolgers Barack Obama habe der Schutz der US-Bürger „oberste Priorität“ gehabt.
Links: