Gotovina in Fremdenlegion ausgebildet
Ante Gotovina, Mladen Markac und Ivan Cermak waren die letzten kroatischen Generäle, die sich vor dem Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) wegen Kriegsverbrechen verantworten mussten. Ihnen wurden gemeinschaftliche verbrecherische Unternehmen vorgeworfen. Sie hätten während der Militäraktion „Sturm“ im August 1995 bei der Befreiung von serbisch besetztem Gebiet ethnische Säuberungen durchgeführt, so die Anklage.
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Gotovina wurde am 12. Oktober 1955 auf der Insel Pasman bei Zadar geboren. Als 17-Jähriger verließ er sein damaliges Zuhause Pakostane und ging mit 18 Jahren zur französischen Fremdenlegion. Er kämpfte in Afrika und war danach Kommandant in Guatemala und Paraguay. Nach fünf Jahren erhielt er die französische Staatsbürgerschaft. Im Juni 1991 kam er - nach der Loslösung Kroatiens aus dem jugoslawischen Staatenbund - in sein Heimatland zurück.
Zunächst war er Chef der Operations- und Lehrabteilung der 1. Brigade der Kroatischen Armee (HV), danach Vizekommandant einer Sondereinheit des Hauptstabs und Mitglied des Kroatischen Verteidigungsrats (HVO). Das war die Bezeichnung für kroatische Truppen in Bosnien-Herzegowina. Im Oktober 1992 wurde er als Brigadier zum Kommandanten der Zone Split der Kroatischen Armee ernannt.
Auch Drogenschmuggelring aufgebaut
Am 30. Mai 1994 erhielt Gotovina den Rang eines Generalmajors und im August 1995, nach der „Operation Sturm“ zur Rückeroberung der von Serben kontrollierten Krajina, wurde er zum Generaloberst ernannt. Diese kometenhafte Karriere war in der damaligen HV nicht unüblich. Aber Gotovina baute neben der militärischen Logistik auch einen Drogenschmugglerring auf.
Die US-Drogenbekämpfungsbehörde Drug Enforcement Administration (DEA) versuchte angeblich mehrmals, die kroatischen Behörden auf die Verbindungen zwischen einigen Personen in der HV und Waffen- und Drogenschmugglern hinzuweisen. Die Militärbasis Sepurine bei Zadar, wo Gotovina einen inoffiziellen Stab hatte, war laut DEA jahrelang ein Platz, von dem Sportflugzeuge Drogen, die später weitergeschmuggelt wurden, transportierten.
Keine Informationen aus Zagreb
Ab Juli 2001 befand sich Gotovina auf der Flucht. Während die EU die Auslieferung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers an das Haager UNO-Tribunal forderte, hieß es damals in Zagreb beharrlich, man kenne seinen Aufenthaltsort nicht. Gefasst wurde er schließlich Anfang Dezember 2005 auf Teneriffa. Kroatien konnte die EU-Verhandlungen aufnehmen. Der Prozess gegen Gotovina und die Mitangeklagten begann im März 2008. Gotovina bekannte sich nicht schuldig. Er wurde zu 24 Jahren Haft verurteilt. Am Freitag wurde er im Berufungsverfahren freigesprochen.
Markac Kommandant von Spezialpolizei
Der Militärpolizist Markac wurde am 8. Mai 1955 in Djurdjevac geboren. Er gründete 1990 die „antiterroristische Einheit Lucko“ und wurde 1991 deren Kommandant. 1994 ernannte ihn der damalige kroatische Präsident Franjo Tudjman zum Assistenten im Innenministerium, Markac wurde Kommandant der Spezialpolizei. In dieser Position führte er die Operation „Sturm“ durch. 2004 stellte er sich freiwillig dem Haager Tribunal. Er wurde vom Gericht zu 18 Jahren Haft verurteilt und im Berufungsverfahren schließlich freigesprochen.
Cermak beriet Tudjman
Cermak war Befehlshaber in der Krajina. Geboren wurde er am 19. Dezember 1949 in Zagreb. Bei Kriegsbeginn 1991 war er Berater Tudjmans. Bis 1993 war er Assistent des Verteidigungsministers, ab Mitte 1993 Minister für Industrie, Schiffsbau und Energie. Im August 1995 machte ihn Tudjman zum Kommandanten des Gebietes Knin. Cermak wurde als Einziger bereits im ersten Verfahren in Den Haag freigesprochen.
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