Alle wollen ein Stück vom Kuchen
Das Geschäft mit privaten Anteilen an Start-ups floriert in den USA. Vor allem in den vergangenen zwei Jahren gewann der Handel mit Anteilen an nicht börsennotierten Firmen wie Facebook, Twitter, Groupon, Zynga, Dropbox und LinkedIn an Popularität. Als beliebte Handelsplätze für die Anteile haben sich die Onlineportale SecondMarket und SharesPost herauskristallisiert.
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Diese Plattformen bringen Käufer - zu 85 Prozent institutionelle Anleger - und Verkäufer zusammen und verdienen an den Deals zwei bis fünf Prozent Provision. Von Anlegerseite herrscht oft großes Interesse an den aufstrebenden Unternehmen mit starken Wachstumsraten, die offiziell noch nicht gehandelt werden.
Für Gründer und Mitarbeiter von Start-ups, die oft viel Herzblut in ihre Arbeit legen, ohne dafür angemessen vergütet zu werden, bietet das eine perfekte Möglichkeit, noch vor einem Börsengang Bares zu kassieren. Auch frühe Investoren können sich auf diesem Weg frisches Kapital besorgen.
Jeder kann mitmachen
Mitmachen kann im Prinzip jeder Nutzer weltweit, er muss sich aber als von der US-Börsenaufsicht SEC „akkreditierter Investor“ qualifizieren: Privatpersonen haben ein Jahreseinkommen von mindestens 200.000 Dollar über mindestens drei Jahre hinweg nachzuweisen oder ein Vermögen von einer Million Dollar.
Bei SharesPost liegt die Mindestsumme für einen Deal bei 50.000 Dollar, das Portal zählt mittlerweile über 45.000 Nutzer, das Transaktionsvolumen ist seit der Gründung bereits auf über eine Milliarde Dollar gewachsen. 80 Prozent der dort getätigten Deals betreffen lediglich eine Handvoll Unternehmen - allen voran Facebook, Twitter und Groupon.
SecondMarket zählt bereits 50.000 registrierte Nutzer, wie ORF.at auf Anfrage erfuhr. Seit zwei Jahren handelt das Unternehmen mit privaten Anteilen und zählt bereits 130 Mitarbeiter, das Hauptquartier liegt in New York. Das Portal funktioniert dabei selbst wie ein Soziales Netzwerk, das Unternehmen mit Detailinformationen auflistet und Investoren untereinander vernetzt. Allein 2010 wurden bei SecondMarket über 400 Millionen Dollar durch den Handel mit privaten Anteilen umgesetzt. Fast 40 Prozent der getätigten Transaktionen betrafen Facebook-Anteile.
„Going Prublic“ statt IPO
In der Finanzwelt hat sich mittlerweile der Begriff „Going Prublic“ (ein Hybrid aus „private“ und „public“) für diese Art des Handels eingebürgert. Entstanden ist die Idee zur Gründung von SharesPost.com laut den Gründern Greg Brogger und Sam Hayes aus der Beobachtung, dass sich die Zeitspanne von der Gründung eines Unternehmens bis zu dessen Börsengang im Schnitt von fünf Jahren zur Zeit des Tech-Booms Ende der 90er Jahre auf mittlerweile zehn Jahre verlängert hat. Sie erkannten den Bedarf an Möglichkeiten, schon vor dem IPO (Initial Public Offering) zu Geld zu kommen und den rechtlich teils komplizierten Prozess zu standardisieren.
Die privaten Aktiendeals haben aber auch ihre Tücken, die nun auch von der US-Finanzaufsicht SEC genauer unter die Lupe genommen werden. So gilt in den USA die Regelung, dass private Unternehmen ab 500 Anteilseignern ihren Gewinn und Umsatz preisgeben müssen - auch wenn sie nicht börsennotiert sind. Zuletzt hatte eine Milliardeninvestition der US-Bank Goldman Sachs bei Facebook die SEC auf den Plan gerufen, bei der Kunden der Bank die Möglichkeit erhielten, über einen Fonds Anteile zu erwerben. Goldman Sachs bekam schlussendlich kalte Füße und bot die Facebook-Anteile nur Kunden außerhalb der USA an.
„Reaktion auf verschärfte Börsenbedingungen“
Monika Rosen, Chefanalystin bei UniCredit Private Banking, sieht das Entstehen dieser Parallelbörsen „unter anderem als Reaktion auf die verschärften Börsenbedingungen in den USA“. In den vergangenen Jahren hätten eine ganze Reihe von Unternehmen ihre Listings in den USA zurückgezogen, erklärte sie im Gespräch mit ORF.at. Die Börse London habe dadurch etwa profitiert. In den USA hat der Sarbanes-Oxley-Act von 2002, der als Reaktion auf Bilanzskandale von Enron und Worldcom eingeführt wurde und für mehr Transparenz und Kontrolle in der Buchführung sorgen soll, die Public Offerings verteuert.
„Die nächste Welle dürfte nun die Entwicklung dieser Sekundärbörsen sein“, so Rosen. Seit zwei Jahren gebe es steigende Kurse. „Solange es bergauf geht, wird nach einer einfachen, bedienungsfreundlichen Alternative gesucht.“ Wie sich diese Art der Geschäfte im Endeffekt für die Zeichnenden bewährt, werde sich aber erst in der Korrekturphase, also wenn es wieder bergab geht, herausstellen.
Bewertungen überschlagen sich
Eine weitere Folge der privaten Aktiendeals sind teils astronomische Bewertungen der Social-Media-Unternehmen. Der Wert des Kurznachrichtendiensts Twitter wurde etwa im März nach einer Versteigerung von außerbörslichen Firmenanteilen mit 7,7 Milliarden Dollar (5,52 Mrd. Euro) festgelegt. Das war mehr als doppelt so viel wie bei der Bewertung im Dezember für die Zusammenstellung einer Finanzspritze.
Der Grund: Investoren hatten bei einer von SharesPost organisierten Versteigerung 34,50 Dollar je Twitter-Anteil bezahlt. Bei knapp 224 Millionen Aktien ergäbe sich damit ein Firmenwert von 7,7 Milliarden Dollar - bei einem kolportierten Umsatz von lediglich 45 Millionen Dollar im Jahr 2010.
Steht die nächste Blase bevor?
Ähnlich ist die Situation beim Sozialen Netzwerk Facebook. Erst im Jänner war der Wert des Unternehmens nach einem Einstieg unter anderem der Investmentbank Goldman Sachs auf 50 Milliarden Dollar hochgerechnet worden. Im Februar berichtete das Internetportal All Things Digital, Facebook werde seinen Mitarbeitern erlauben, Aktien im Wert von bis zu einer Milliarde Dollar zu verkaufen, damit könne der Wert auf 60 Milliarden Dollar steigen.
Auch hier stellt sich die Frage, in welcher Relation diese Summe zu den nicht veröffentlichten Umsatzzahlen steht. Den Diskussionen über solche Geschäfte steuert Facebook nun entgegen und kündigte zuletzt an, seine Finanzdaten spätestens vom 30. April 2012 an zu veröffentlichen. Möglich wäre auch, dass Facebook gleich an die Börse geht. Spätestens dann wird sich zeigen, was das Unternehmen wirklich wert ist.
Die immer wieder heraufbeschworene Dotcom-Blase wie zur Jahrtausendwende sehen Experten aber dennoch nicht im Anmarsch. Zum einen wird damit argumentiert, dass heute viel weniger Risikokapital fließe als damals. Außerdem hätten die derzeit gehypten Unternehmen zwar teilweise noch keine nachhaltigen Geschäftsmodelle entwickelt, dafür aber auf eine starke Nutzerbasis zu verweisen. Und Nutzerdaten sind heutzutage Gold wert, wie man am Beispiel Googles sieht. Auch der Suchmaschinenkonzern wurde einst als überbewertet abgetan und überzeugte bei seinem Börsengang 2004 vom Gegenteil.
Nayla Haddad, ORF.at
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