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Gefeierter Künstler, gehasster Dissident

Es hat fast schon prophetisch gewirkt, als der chinesische Künstler Ai Weiwei 2011 vor seiner Inhaftierung erklärte, warum er ein Atelier in Berlin gründen wolle. Er habe vielleicht keine andere Wahl, wenn sein Leben oder seine Existenz in China „irgendwie bedroht sein sollten“, sagte er. Kurz darauf sorgte die Festnahme des Künstlers und Aktivisten in Peking international für Schlagzeilen.

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Ai Weiwei ist der bekannteste chinesische Gegenwartskünstler - seine Werke verkaufen sich für Unsummen, in den westlichen Kunstmetropolen wird er wie ein Superstar gefeiert, seine Ausstellungen sind Publikumsmagneten. In China konnte er seine Werke dagegen noch nie ausstellen.

In seiner Heimat war er zwar als künstlerischer Berater an der Gestaltung des Olympiastadions in Peking - genannt das „Vogelnest“ - beteiligt. Als Kritiker des kommunistischen Regimes ist er allerdings schon länger in Ungnade gefallen. Bei seiner Arbeit stoße er auf Schwierigkeiten, beklagte er einmal. Ein neu gebautes Studio in Schanghai wurde Anfang des Jahres abgerissen.

Spektakuläre Kunstaktionen auf der ganzen Welt

Weltweit erregte Ai mit seinen spektakulären Aktionen Aufmerksamkeit. In Deutschland wurde der Künstler bekannt, als er zur Documenta 2007 in Kassel 1.001 Chinesen holte. Das Münchner Haus der Kunst widmete Ai Weiwei 2009/10 eine große Einzelausstellung. In London stellte die Tate Modern jüngst 100 Millionen handgefertigte Sonnenblumenkerne aus Porzellan aus.

Ein Paar steht vor der Installation Template des chinesischen Künstlers Ai Weiwei (eine Konstruktion aus alten Holztüren- und fenstern).

AP/Jens Meyer

Ai Weiweis Beitrag zu Documenta 12, 2007 in Kassel

Ai wurde 1957 in Peking geboren. Er studierte an der Filmakademie in Peking und lebte mehrere Jahre in den USA. In unzähligen Dokumentarfilmen zeigt sich sein politischer Aktivismus, wo er Menschenrechte thematisiert.

In der Kulturszene per Internet vernetzt

Längst ist der Künstler auch zum Blogger avanciert und nutzt Twitter wie andere chinesische Aktivisten, um Missbräuche der Polizei und Behörden anzuprangern. Dabei beweist der Künstler viel Galgenhumor. Als viele seiner Follower wegen der strengen Zensur blockiert wurden, stellte Ai aus Protest ein Foto von sich ins Internet, auf dem er nackt zu sehen war - nur mit einem Kuscheltier vor dem Schritt.

Nach dem schweren Erdbeben 2008 in der Provinz Sichuan begann Ai Weiwei, die Namen der Kinder zu dokumentieren, die in - durch Korruption und Pfusch am Bau - schlecht gebauten und dann eingestürzten Schulen ums Leben kamen. Für seine Suche nach der Wahrheit erntete er Schläge und zog sich schwere Kopfverletzungen zu.

Im April 2011 war Ai festgenommen und fast drei Monate ohne Anklage an einem unbekannten Ort festgehalten worden. Die chinesischen Behörden waren damals in Aufregung, dass es auch in der Volksrepublik zu Protesten nach dem Vorbild der arabischen Welt kommen könnte.

Er wurde wegen einer angeblichen Steuerschuld im Zusammenhang mit einer von ihm gegründeten Firma zu einem Bußgeld in Höhe von 15 Millionen Yuan (rund zwei Mio. Euro) verurteilt. Im Juni 2011 wurde Ai wieder freigelassen - allerdings unter der Auflage, Peking nicht zu verlassen. Die Behörden stellten ihn zudem in seinem Haus unter Beobachtung. Bis heute wurde ihm sein Pass nicht retourniert.

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