Dissident bleibt verschwunden
Der berühmte chinesische Gegenwartskünstler Ai Weiwei bleibt verschwunden. Einen Tag nach seiner Festnahme auf dem Pekinger Flughafen gab es am Montag kein Lebenszeichen von ihm. Sein Mobiltelefon blieb ausgeschaltet, Chinas Staatsmedien berichteten nicht über den Fall. Über den Kurzmitteilungsdienst Twitter riefen Freunde des regimekritischen Künstlers zu seiner Freilassung auf.
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Auch International wuchs die Sorge um Ai Weiwei: Unter anderem Außenminister Michael Spindelegger, der deutsche Außenminister Guido Westerwelle und die Akademie der Künste in Berlin forderten Chinas Regierung auf, den Künstler freizulassen. Amnesty International sprach von einer Dreistigkeit der Behörden.
Ai war am Sonntag von der Grenzpolizei festgenommen worden. Die Polizisten hätten ihm erklärt, er habe „andere Sachen“ zu erledigen und könne seinen Flug nicht antreten, sagte eine Mitarbeiterin des Künstlers. Ai Weiwei wollte am Sonntag nach Hongkong fliegen. Am 29. April wollte er außerdem eine Ausstellung in Berlin eröffnen.
Eröffnung eines Studios in Berlin angekündigt
Der 53-Jährige hatte kürzlich in einem Telefonat mit der Nachrichtenagentur dpa gesagt, er wolle ein neues Studio in Berlin eröffnen, auch weil er in Peking immer stärker am Arbeiten gehindert werde. Der Künstler hat Deutschland bereits häufiger besucht.

AP/Lennart Preiss
Ai Weiwei in seiner Tate-Modern-Installation „Sunflower Seeds“, 2010
Die chinesische Polizei hatte sein Studio in Peking durchsucht und acht Mitarbeiter auf eine örtliche Polizeistation gebracht. Sie wurden am Sonntag zu später Stunde wieder freigelassen. Das Studio wurde von der Polizei abgesperrt, rund 30 Computer wurden beschlagnahmt, sagten Mitarbeiter am Montag.
Mehr als 200 Aktivisten unter Hausarrest
Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation China Human Rights Defenders in Hongkong stehen mehr als 200 Aktivisten unter „einer Art Hausarrest“, seit Mitte Februar in China zu „Jasmin-Kundgebungen“ aufgerufen wurde. Damit hatten sie auf die „Jasmin-Revolution“ in diesem Jahr in Tunesien angespielt.
Scharfe Kritik an der Festnahme äußerte Amnesty International in London. Es sei beängstigend, darüber nachzudenken, wie die Behörden mit weniger bekannten Dissidenten umgingen, „wenn sie so dreist sind, sich diesen weltberühmten Künstler bei hellem Tageslicht auf dem Flughafen Peking zu schnappen“, so Amnestys Asien-Pazifik-Direktor Sam Zafiri. Es gebe offenkundig keinen Grund für die Festnahme - außer den, dass Chinas Behörden die Botschaft übermitteln wollten, dass die Zeit für offenen Widerspruch im Lande zu Ende sei.
Ai Weiwei genießt wegen seiner Kunstwerke und Installationen international hohes Ansehen. Als künstlerischer Berater war er auch an der Gestaltung des Olympiastadions in Peking beteiligt.
Kritik aus Österreich und Deutschland
Außenminister Spindelegger forderte am Montag die Freilassung Ai Weiweis. „Wir fordern seine Freilassung, damit er seine Reise fortsetzen kann“, teilte ein Sprecher des Ministeriums am Montag mit. Der Außenminister trete mit den zuständigen Stellen in China in Kontakt, um die Freilassung von Ai zu erwirken, den die Pekinger Behörden an der Ausreise nach Deutschland gehindert haben.
Auch der deutsche Außenminister Westerwelle sagte, er habe „mit großer Sorge“ von der Festnahme erfahren. „Ich appelliere an die chinesische Regierung, dringend für Aufklärung zu sorgen, und erwarte, dass Ai Weiwei umgehend wieder frei kommt“, so Westerwelle, der erst vor wenigen Tagen Peking besucht hatte. Auch die Organisation Reporter ohne Grenzen forderte Ai Weiweis Freilassung.
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