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Aufpasser zieht sich zurück

Überraschender Führungswechsel beim Internetkonzern Google: Mitgründer Larry Page übernimmt wieder selbst das Ruder und wird neuer Konzernchef. Page werde ab 4. April das Tagesgeschäft führen, teilte der Konzern Ende Jänner im kalifornischen Mountain View mit. Sein Kompagnon und Mitgründer Sergey Brin soll sich derweil um neue Produkte kümmern.

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Der 37-jährige Page übernimmt damit wieder die Spitzenposition von Eric Schmidt, der vor zehn Jahren von Apple zu Google geholt worden war, weil Investoren der Überzeugung waren, dass das Unternehmen einen reiferen Manager braucht und nicht von unter 30-Jährigen zum Weltkonzern aufgebaut werden kann. Schmidt spielte auf Twitter zu der überraschenden Nachricht scherzhaft auf seine Rolle als „erwachsener Aufpasser“ beim personell extrem jungen Unternehmen an. Schmidt twitterte: „Tägliche Aufsicht durch einen Erwachsenen ist nicht länger nötig.“

Google vor Match mit Facebook

Der Wandel an der Spitze komme in einer für Google entscheidenden Phase. Der Konzern ist zwar in Sachen Websuche und Werbung weiter dominant. Die wahre Gefahr sehen Experten aber im Sozialen Netzwerk Facebook mit seinen mehr als 500 Millionen Mitgliedern. Die Nutzer verbringen dort teils Stunden am Tag - ein ideales Umfeld für die Werbeindustrie.

Schmidt bleibt Google erhalten

Der bisherige Firmenlenker Schmidt bleibt Page und Brin aber als Berater erhalten und wechselt auf den Chefposten des Aufsichtsrats. In dieser neuen Rolle ist er etwa für Kooperationen und Übernahmen zuständig. „Wir haben darüber gesprochen, wie wir unsere Managementstrukturen am besten vereinfachen und den Prozess der Entscheidungen beschleunigen können“, sagte Schmidt zur Begründung. Nun seien „die einzelnen Rollen“ geregelt worden. Page wiederum lobte Schmidt als „außerordentlichen Geschäftsführer“, der das Unternehmen in den vergangenen zehn Jahren „hervorragend“ geleitet habe.

Die ehemaligen Studienkollegen Page und Brin hatten Google 1998 gegründet. 2001 übergaben die beiden Firmengründer ihr „Baby“ an Schmidt. Unter dem erfahrenen Manager hat sich Google von einem Internetsuchunternehmen zu einem breit aufgestellten Technologiekonzern entwickelt.

Die Entscheidung ist laut „New York Times“ ein Schock für viele in Silicon Valley. „Larry als CEO ist wirklich eine Überraschung“, so zitiert das Blatt Danny Sullivan vom Fachblog SearchEngineLand, der Googles Entwicklung von Beginn an verfolgte. „Diese Burschen (Page und Brin, Anm.) haben nicht wirklich den Eindruck vermittelt, dass einer von ihnen der Firmenboss sein will.“

Gewinn über Erwartungen

Im Schlussquartal verdiente Google unterm Strich 2,5 Milliarden Dollar (1,9 Mrd. Euro) und damit 29 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Damit übertraf der Konzern die Erwartungen der Analysten. Der Umsatz stieg im vierten Quartal im Vergleich zum Vorjahr um gut ein Viertel auf 8,4 Milliarden Dollar (6,2 Mrd. Euro). Der Nettoumsatz ohne die Gebühren, die Google an Internetpartner zahlt, lag mit 6,37 Milliarden Dollar (4,7 Mrd. Euro) über den Markterwartungen von im Schnitt 6,06 Milliarden Dollar (4,5 Mrd. Euro). Schmidt kündigte an, dass das Unternehmen weiterhin kräftig in neue Produkte investieren werde. Google ist etwa zu einer Größe bei Smartphones aufgestiegen.

Cashcow: Bezahlte Suchtreffer

Das meiste Geld verdient Google weiterhin mit bezahlten Suchtreffern im Web. Doch die grafischen Werbebanner und die mobile Suche werden immer wichtiger als Einnahmequelle. Lediglich das Bündnis aus Yahoo und Microsoft kann Google in Europa und Amerika noch die Stirn bieten. In China heißt der Gegenspieler Baidu.

Google stößt mit den verdienten Milliarden in immer neue Felder vor: Smartphones, Fernsehen, Telefon, elektronische Bücher, Musik, Bürosoftware, PC-Betriebssystem und Internetbrowser sind nur einige Baustellen. Google gerät dabei allerdings auch immer wieder mit Wettbewerbshütern und Datenschützern aneinander, die die Marktmacht des Internetkonzerns fürchten.

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