Weit über 10.000 Tote befürchtet
Während befürchtet wird, dass die Zahl der Todesopfer nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan auf über 10.000 steigen wird, spricht Premierminister Naoto Kan von der „schwersten Krise, die Japan seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs“ erlebt. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die Nation diese Krise bewältigen werde. Die Lage bei den Reaktoren im AKW Fukushima sei ernst.
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Die Probleme in den japanischen Atomkraftwerken würden sich jedoch grundlegend von der Katastrophe im ukrainischen Tschernobyl vor 25 Jahren unterscheiden. Kan appellierte in einer TV-Ansprache am Sonntag an die Japaner, dass die Zukunft des Landes von jedem Einzelnen abhänge und er drängte alle, Japan gemeinsam wieder aufzubauen.

Reuers/Kyodo
Premierminister Naoto Kan
Die französische Regierung gab indessen eine Empfehlung an ihre Bürger in Japan aus, die Region um Tokio zu verlassen - aufgrund der Risiken weiterer Erdbeben und der unsicheren Situation im AKW Fukushima. Auch die USA forderten die Amerikaner auf, Reisen nach Japan zu vermeiden. Deutschland gab für die vom Erdbeben besonders betroffenen Gebiete eine Reisewarnung heraus.
Noch immer ist nicht absehbar, wie viele Todesopfer die Naturkatastrophe tatsächlich forderte. Nach wie vor werden Hunderte Tote geborgen. 1.000 Opfer wurden bisher offiziell bestätigt, Behörden sprechen aber bereits von weit über 10.000 Toten. Allein in der nördlichen Provinz Miyagi werden mehr als 10.000 Tote befürchtet. Bisher wurden mehr als 12.000 Menschen lebend aus den Trümmern geborgen.
Über 600.000 flüchteten
100.000 Soldaten sind im Einsatz. Auch internationale Rettungskräfte unterstützen die Suche nach Überlebenden und bei den Aufräumarbeiten. Bereits über 600.000 Menschen flüchteten in Notlager, die in Schulen und Gemeindezentren eingerichtet wurden. Viele mussten aus Platzmangel abgewiesen werden.
Millionen Japaner waren ohne Strom und Trinkwasser. In den besonders betroffenen Regionen bildeten sich lange Schlangen bei Lebensmittelgeschäften und vor der Wasserausgabe. Augenzeugen berichteten von Hamsterkäufen.

APA/EPA/Franck Robichon
Ein Notlager wurde in einer Schule in Oarai eingerichtet.
Warnung vor Stromengpass
Die Regierung warnte vor einer Stromknappheit, die eine Rationierung des Stroms nötig machen werde. Industrieminister Banri Kaieda forderte vor allem Unternehmen auf, ihren Stromverbrauch auf das „strikte Minimum“ zu reduzieren. Der Energieversorger Tokyo Electric Power (TEPCO) will die von ihm versorgte Region in fünf Abschnitte aufteilen, die im Rotationsprinzip jeweils drei Stunden lang vom Netz genommen werden sollten. Das könnte mehrere Wochen dauern. Auch in Tokio soll der Strom rationiert werden.
Russland kündigte bereits an, Japan zusätzliches Flüssiggas zur Verfügung zu stellen. Ein Tankschiff mit 19.500 Kubikmetern Flüssiggas an Bord sei bereits unterwegs, meldete die Agentur Interfax. Weitere Ladungen sollen folgen.
Immer wieder Nachbeben
Selbst zwei Tage nach dem Beben und dem verheerenden Tsunami, der bis weit ins Land hinein Schiffe, Häuser, Autos und Menschen mitgerissen hatte, hielten Nachbeben die Bewohner selbst in weit vom Epizentrum entfernten Gegenden in Atem. Sonntagfrüh erschütterte ein Beben der Stärke 6,6 die Hauptstadt Tokio. In der Stadt wankten Hochhäuser. Das Epizentrum befand sich laut US-Wissenschaftsbehörde United States Geological Survey (USGC) 207 Kilometer östlich der japanischen Metropole.
Bereits am Samstag war Japan von zahlreichen Nachbeben erschüttert worden. USGC registrierte allein 25 Beben ab der Stärke sechs. Hinzu kamen über 150 schwächere Nachbeben. Auch wurde die Stärke des verheerenden Bebens nach oben revidiert. Die Meteorologische Behörde in Tokio teilte am Sonntag mit, dass die stärksten Erdstöße nicht 8,8, sondern 9,0 auf der Richterskala erreichten.
In den nächsten drei Tagen gebe es eine Wahrscheinlichkeit von 70 Prozent, dass Japan erneut von einem Erdbeben der Stärke „sieben oder mehr“ erschüttert werde, berichtete die japanische Wetterbehörde. Dadurch könnten erneut Gebäude zerstört werden und einen Tsunami auslösen.

Reuters/Yomiuri Shimbun
Zerstörungen in der Stadt Ishimaki in der stark betroffenen Küstenregion Miyagi.
Insel um 2,40 Meter verrückt
Nach Angaben von Wissenschaftlern hat das Erdbeben mit seiner Wucht große Landmassen verschoben und den Lauf der Welt verändert. Die japanische Hauptinsel sei um 2,40 Meter verrückt worden, sagte Kenneth Hudnut von der US-Geologiebehörde dem Fernsehsender CNN. Das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie ermittelte nach eigenen Angaben außerdem, dass das Beben mit einer Stärke von 9,0 die Achse der Erdrotation um rund zehn Zentimeter verschoben hat. Das wäre wahrscheinlich die größte Verschiebung durch ein Erdbeben seit 1960, als Chile erschüttert wurde.
Vulkan speit Asche und Felsen
Nach dem Erdbeben und der Tsunamiwelle kam es am Sonntag im Süden des Landes auch noch zu einem Vulkanausbruch. Wie die japanische Wetteragentur berichtete, spuckte der Shinmoedake Asche und Felsen bis zu vier Kilometer in die Luft. Ob der Ausbruch in Verbindung mit dem Erdbeben steht, blieb zunächst unklar. Der 1.421 Meter hohe Vulkan war nach einer Ruhezeit von mehr als 50 Jahren seit Jänner wiederholt aktiv. Im Februar rieten die Behörden Einwohnern in der unmittelbaren Umgebung zur Flucht, seit Anfang März hatte der Vulkan aber keine weitere Aktivität gezeigt.
Kontakt zu Österreichern
Es gebe keine Hinweise darauf, dass Österreicher durch das Erdbeben und den Tsunami in Japan zu Schaden gekommen seien, sagte der Sprecher des österreichischen Außenministeriums, Peter Launsky-Tieffenthal. Die Botschaft in Tokio habe mittlerweile zu praktisch allen im Raum des betroffenen Gebiets im Nordosten des Landes Kontakt aufgenommen.
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