Weite Teile des Landes unerreichbar
Zwei Tage nach der Erdbeben- und Tsunamikatastrophe in Japan laufen die Hilfsmaßnahmen bereits auf Hochtouren. Die Regierung verdoppelte zudem die Zahl der für Bergungseinsätze mobilisierten Soldaten auf 100.000. Tausende Japaner kämpfen mit knapper werdenden Lebensmitteln und fehlender Basisversorgung. Millionen sind ohne Trinkwasser und Elektrizität.
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Mindestens 1,4 Millionen Haushalte haben seit dem Erdbeben keinen Zugang zu Wasser, in 2,5 Millionen Haushalten fehlt Strom. Augenzeugen berichten von Hamsterkäufen und langen Warteschlangen. Auch Benzin für Autos fehlt, da viele Tankstellen schlossen. Weite Teile des Landes sind noch immer von Wasser umgeben und kaum zu erreichen.

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Menschen werden auch mit Hubschraubern gerettet.
Seit dem Beben vom Freitag seien 3.000 Menschen gerettet worden, sagte Ministerpräsident Naoto Kan am Samstag. 390.000 Menschen mussten nach Polizeiangaben ihre Häuser verlassen. Dazu zählen auch die Menschen, die rund um die Atomkraftwerke Fukushima evakuiert werden mussten. Tausende wurden in Notunterkünfte gebracht. Die 1.400 Lager reichen allerdings nicht aus für die große Zahl an Schutzsuchenden.
Regierung warnt vor Stromknappheit
Die Regierung warnte vor einer Stromknappheit, die eine Rationierung des Stroms nötig machen werde. Industrieminister Banri Kaieda forderte vor allem Unternehmen auf, ihren Stromverbrauch auf das „strikte Minimum“ zu reduzieren. Der Energieversorger Tokyo Electric Power (TEPCO) will die von ihm versorgte Region in fünf Abschnitte aufteilen, die im Rotationsprinzip jeweils drei Stunden lang vom Netz genommen werden sollten. Das könnte mehrere Wochen dauern.
Russland kündigte bereits an, Japan zusätzliches Flüssiggas zur Verfügung zu stellen. Ein Tankschiff mit 19.500 Kubikmetern Flüssiggas an Bord sei bereits unterwegs, meldete die Agentur Interfax. Weitere Ladungen sollen folgen.
Zahl der Toten steigt stetig
Die Zahl der Toten nimmt stetig zu. An den Küsten der schwer getroffenen Provinzen Miyagi und Iwate wurden am Sonntag mehr als 600 Leichen gefunden. Die Zahl der geschätzten Opfer steigt auf weit über 2.000. Bestätigt wurden bisher 1.000 Tote. Zehntausende werden aber weiterhin vermisst. Der japanische Fernsehsender NHK berichtet unter Berufung auf die örtliche Polizei, dass es in der Küstenregion Miyagi möglicherweise 10.000 Tote gebe. Auch vier Züge, die im Erdbebengebiet unterwegs waren, sind verschollen.
Bebenstärke nach oben revidiert
Selbst zwei Tage nach dem Beben und dem verheerenden Tsunami, der bis weit ins Land hinein Schiffe, Häuser, Autos und Menschen mitgerissen hatte, hielten Nachbeben die Bewohner selbst in weit vom Epizentrum entfernten Gegenden in Atem. Sonntagfrüh erschütterte ein Beben der Stärke 6,6 die Hauptstadt Tokio. In der Stadt wankten Hochhäuser. Das Epizentrum befand sich laut US-Wissenschaftsbehörde United States Geological Survey (USGC) 207 Kilometer östlich der japanischen Metropole.

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Ein Notlager wurde in einer Schule in Oarai eingerichtet.
Bereits am Samstag war Japan von zahlreichen Nachbeben erschüttert worden. USGC registrierte allein 25 Beben ab der Stärke sechs. Hinzu kamen über 150 schwächere Nachbeben. Auch wurde die Stärke des verheerenden Bebens nach oben revidiert. Die Meteorologische Behörde in Tokio teilte am Sonntag mit, dass die stärksten Erdstöße nicht 8,8, sondern 9,0 auf der Richterskala erreichten.
Hinaus aus Tokio, „bis alles vorbei ist“
Auch im Großraum Tokio wurden die Menschen von einer neuen schweren Erschütterung aufgeschreckt. Dennoch schien zumindest auf den ersten Blick am ehesten in der Hauptstadt so etwas wie Alltag zurückzukehren. Auf dem Bahnhof ging es am Sonntag recht ruhig zu. An den Schaltern bildeten sich keine übermäßig langen Schlangen von Menschen, die vorübergehend im Süden des Landes Zuflucht suchen wollten. Die Angst vor einem Super-GAU und den Konsequenzen wächst aber.

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Für die Wasserverteilung bilden sich in Sendai bereits lange Schlangen.
Erdachse verschoben
Nach Angaben von Wissenschaftlern hat das Erdbeben mit seiner Wucht große Landmassen verschoben und den Lauf der Welt verändert. Die japanische Hauptinsel sei um 2,40 Meter verrückt worden, sagte Kenneth Hudnut von der US-Geologiebehörde dem Fernsehsender CNN. Das italienische Institut für Geophysik und Vulkanologie ermittelte nach eigenen Angaben außerdem, dass das Beben mit einer Stärke von 9,0 die Achse der Erdrotation um rund zehn Zentimeter verschoben hat. Das wäre wahrscheinlich die größte Verschiebung durch ein Erdbeben seit 1960, als Chile erschüttert wurde.
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