Kampf um wichtigstes Exportgut
Der Machtkampf um die Elfenbeinküste (Cote d’Ivoire) hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Der abgewählte Präsident Laurent Gbagbo wies die Regierung an, den Kakaohandel unter staatliche Kontrolle zu stellen, wie BBC berichtete. Somit dürfen die Bauern und Händler ihren Kakao nur noch an den Staat verkaufen, wodurch sich Gbagbo eine millionenschwere Einnahmequelle erhofft.
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Gemäß einer Montagabend im Staatsfernsehen verlesenen Erklärung ist fortan „der Ankauf von Kaffee und Kakao von den Produzenten und den Genossenschaften der Hersteller“ im ganzen Land dem Staat vorbehalten. Ebenso dürften Kaffee und Kakao nur vom Staat selbst oder von staatlich lizenzierten Firmen exportiert werden. Damit erhofft sich Gbagbo den entscheidenden Vorteil im Machtkampf, doch der Plan könnte nach hinten losgehen.

Reuters/Thierry Gouegnon
Präsident Gbagbo weigert sich, von seinem Amt zurückzutreten.
Industrie zweifelt an Gbagbos Plänen
Die Finanzsysteme des Landes stehen am Rande des Zusammenbruchs, Gbagbos Konten sind eingefroren, die internationale Gemeinschaft hat seine Regierung mit Sanktionen belegt, und die Infrastruktur des Landes liegt nach den wochenlangen Kämpfen am Boden. Die Industrie hat deshalb große Zweifel, dass Gbagbo überhaupt in der Lage ist, den Bauern ihre Kakaobohnen abzukaufen, sie zu lagern und fristgerecht den Käufern zu liefern.

AP/Christophe Ena
Größter Kakaoproduzent
40 Prozent der Exporteinnahmen der Elfenbeinküste stammen aus dem Handel mit Kakaobohnen. Im vergangenen Jahr wurden 1,2 Mio. Tonnen exportiert, vor allem nach Europa. Mit einem Drittel des weltweit angebauten Kakaos ist das westafrikanische Land der größte Kakaoproduzent der Welt.
„Auf den ersten Blick schaut es einfach aus. Aber hinter jedem Kilo Kakaobohnen, das den Hafen erreicht, steckt eine gewaltige Maschinerie. Hat die Regierung überhaupt die Zeit, die Mittel und die notwendigen Arbeitskräfte, um das in der erforderlichen Zeit zu schaffen?“, wird ein nicht namentlich genannter Kakaoproduzent von der Nachrichtenagentur Reuters zitiert.
Kakaobohnen verrotten in den Häfen
Hinzu kommt, dass Gbagbos Kontrahent um das Präsidentenamt, Alissane Outtara, bereits Ende Jänner zu einem Kakaolieferstopp aufgerufen hat, um Druck auf Gbagbo aufzubauen. Der Exportstopp zeigte zwar nicht die erhoffte Wirkung, doch mittlerweile stapeln sich 475.000 Tonnen Kakaobohnen in den Häfen, ein Drittel der gesamten Exportmenge. Und auch die Kakaobauern sind verunsichert. Die meisten wollen es sich mit keinem Präsidenten verscherzen, solange nicht klar ist, wer schließlich die Oberhand gewinnt.
„Die Lagerung wird immer mehr zum Problem. Die Lagerstätten müssen ausreichend belüftet sein, um die Bohnen über Wochen zu lagern. Das ist für höchstens zehn Tage okay, aber viele Säcke liegen nun schon seit dem 15., 20. Jänner hier. Das ist ein Problem für die Qualität, und das ist derzeit auch unsere größte Sorge“, sagte eine andere Reuters-Quelle.
Würde das neue Dekret sofort umgesetzt und auf die gesamte Kakaoproduktion angewandt, würde das eine staatliche Investition von mehreren hundert Millionen Dollar notwendig machen. Das wäre der Todesstoß für den strauchelnden Staat, glauben Analysten. Auch wird bezweifelt, dass Gbagbo überhaupt Käufer finden würde, denn Organisationen wie Global Witness befürchten, dass Gbagbo die Gelder zur Finanzierung seiner Milizen nützen könnte. Der Westen einigte sich deshalb auf strenge Sanktionen gegen Gbagbos Regierung.
Kakaopreis steigt weiter
Die internationalen Märkte reagierten am Dienstag auf die Ankündigung mit einem weiteren Preissprung. Bereits Anfang des Monats schoss der Kakaopreis mit 3.775 Dollar auf ein 32-Jahres-Hoch. „Gbagbo will wohl nicht klein beigeben. Der Machtkampf könnte sich noch länger hinziehen und die Angebotsverknappung verschärfen“, sagte Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch. In diesem Fall seien Preise um 4.000 Dollar je Tonne vorstellbar.
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