Rebellen mahnen zu Geduld
Der Aufstand gegen den libyschen Machthaber Muammar al-Gaddafi nähert sich der Hauptstadt Tripolis. Aus den umliegenden Städten werden immer wieder Kämpfe gemeldet. So wurde im 200 Kilometer entfernten Misrata der Flughafen eingenommen. Doch vor dem endgültigen Sturm mahnen die Führer der Rebellen zur Geduld: Zuvor solle aus den Revolutionären eine schlagkräftige Armee gebildet werden.
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Immer wieder kommt es derzeit in Libyen zu schweren Kämpfen zwischen Regimegegnern und -anhängern. In der Hafenstadt Misrata schossen Rebellen nach Angaben eines Zeugen am Montag ein Kampfflugzeug ab. Auch in Sawija, nur 50 Kilometer westlich der Hauptstadt, erwarten Aufständische den Angriff von rund 2.000 Al-Gaddafi-Anhängern. „Wir werden unser Bestes geben, um sie zurückzuschlagen“, sagte ein ehemaliger Polizeimajor, der auf die Seite der Rebellen gewechselt war.

Reuters/Asmaa Waguih
Rebellen lernen den Umgang mit Waffen.
Schulen werden zu Ausbildungslagern
Die Rebellen sind zwar motiviert und bereit, mit aller Gewalt gegen das Regime von Muammar al-Gaddafi vorzugehen, doch sie sind schlecht ausgerüstet, und viele von ihnen haben keine militärische Erfahrung. In der östlichen Stadt Bengasi werden deshalb Schulen in Ausbildungslager umfunktioniert, um den jungen Männern militärische Grundkenntnisse und den Umgang mit schweren Waffen beizubringen, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtete.
„Wir können ihnen zeigen, was sie brauchen: Angriffstraining und Verteidigung“, sagte Militäroberst Marai Lojeli. Gemeinsam mit einem weiteren ranghohen Militär, Oberst Musa Fituri, bringen sie jungen Männern in einem ehemaligen Schulhof in Bengasi den Umgang mit Flugabwehrraketen bei. Die beiden Männer haben unter Al-Gaddafi in der Armee gedient. Heute bilden sie Männer aus, um Bengasi und andere Städte im Osten vor einer Rückeroberung durch Regierungstruppen zu schützen.
Militärflughafen eingenommen
Sie sind nicht die Einzigen, die die Seite gewechselt haben. Ein Großteil der Armee soll bereits von Al-Gaddafi abgefallen sein, erklären die Revolutionäre. Viele haben sich den Rebellen angeschlossen und unterstützen sie mit militärischem Know-how. Und sie haben damit Erfolg. In Misrata, der drittgrößten Stadt des Landes, konnten die Aufständischen den Militärflughafen einnehmen, wie ein Zeuge Reuters per Telefon berichtete. Das Munitionsdepot sei in ihrer Hand. Ein Kampfflugzeug, das den örtlichen Radiosender unter Beschuss genommen habe, sei abgeschossen worden, seine Besatzung in der Hand der Rebellen.
Doch solange die Hauptstadt nicht eingenommen ist, bleibt Libyen de facto in der Hand Al-Gaddafis. „Natürlich wollen wir nach Tripolis gehen“, erklärte Aschraf Ali Jaffar aus Bengasi gegenüber Reuters. „Aber die Menschen müssen in Truppen organisiert und trainiert werden, um Bengasi zu schützen. Erst wenn wir das schaffen, können wir nach Tripolis gehen.“
Schüsse auf friedliche Demonstranten
Dennoch kommt es auch in Tripolis immer wieder zu Kampfhandlungen. Am Montag sollen Sicherheitskräfte auf unbewaffnete Demonstranten geschossen und dabei mehrere Jugendliche getötet haben. Die Bewaffneten seien Gefolgsleute von Machthaber Al-Gaddafi, berichtete die libysche Zeitung „Kurina“ (Onlineausgabe). In dem Viertel Tadschura seien knapp 10.000 Demonstranten gegen Al-Gaddafi zusammengekommen. Die Al-Gaddafi-Getreuen sollen sich zivil gekleidet unter die Demonstranten gemischt haben. Eine unabhängige Bestätigung für den Bericht lag nicht vor.
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