Lage bereits kritisch
Dem laut Regierungsgegnern zu einem großen Teil „befreiten“ Osten Libyens droht ein akuter Versorgungsengpass. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) hat seine Hilfe für Nordafrika inzwischen deutlich aufgestockt. In dem nordafrikanischen Krisenland könnten binnen drei Wochen Medikamente und Lebensmittel ernsthaft knapp werden, hieß es am Montag auch von lokalen Hilfsorganisationen.
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Am Wochenende seien 16 Tonnen Hilfsgüter nach Libyen und Tunesien gebracht worden. „Dabei handelt es sich in erster Linie um Medikamente und medizinische Geräte“, erklärte der Generalsekretär des Österreichischen Roten Kreuzes, Wolfgang Kopetzky, per Presseaussendung. Seit Sonntag seien drei Ärzte und zwei Krankenschwestern des IKRK in der östlichen Stadt Bengasi, um das Personal des Libyschen Roten Halbmonds und der örtlichen Spitäler zu verstärken.
„Zahlreiche Ärzte und Krankenschwestern, die in Libyen gearbeitet haben, stammen ursprünglich aus dem Ausland - als die Gewalt zunahm, haben viele von ihnen das Land verlassen. Deshalb schickt das IKRK jetzt medizinisches Personal“, so Kopetzky. Ein libyscher Helfer, Chalifa al-Faituri, machte die kritische Situation gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters deutlich: „Wir benötigen Hilfe von außen.“ Nahrungsmittel seien binnen kurzer Zeit um bis zu 75 Prozent teurer geworden, Brot und Gemüse zum Teil bereits knapp.
Notrationen für gestrandete Flüchtlinge
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) hilft vorerst mit 80 Tonnen Notrationen für geflohene Libyer in Tunesien aus. Diese sollen in der Grenzregion verteilt werden. Wegen der turbulenten Situation waren allein in der Vorwoche mindestens 40.000 Libyer in das Nachbarland geflohen. Viele davon hätten über akuten Nahrungsmangel geklagt, sagte WFP-Direktorin Josette Sheeran. Auch die Unter-Generalsekretärin für humanitäre Notlagen, Valerie Amos, zeigte sich besorgt über die Lage in Libyen - Video dazu in iptv.ORF.at.
Mittlerweile würden im Grenzgebiet Zehntausende Flüchtlinge vom Tunesischen Roten Halbmond mit Nahrung und Behelfsunterkünften versorgt sowie „medizinisch und psychosozial betreut“, schilderte Rotkreuz-Generalsekretär Kopetzky. Das Österreichische Rote Kreuz habe die internationalen Hilfsmaßnahmen bisher mit 30.000 Euro unterstützt und die Entsendung „von weiteren Hilfsgütern und Personal angeboten. Eine Entscheidung über den Bedarf wird in den nächsten Tagen erwartet.“
Frankreich schickt Ärzte und Medikamente
Um die Situation zu entschärfen, kündigte auch Frankreich Hilfslieferungen an, vorerst die Entsendung von zwei Flugzeugen mit Ärzten, medizinischem Fachpersonal, Medikamenten und Hilfsmaterial nach Bengasi. Ministerpräsident Francois Fillon bezeichnete die Aktion als Beginn einer humanitären Operation. Frankreich will damit auch einer Flüchtlingswelle in Richtung Europa entgegenwirken.
Weite Teile Libyens befinden sich sich seit Tagen unter der Kontrolle von Oppositionellen. Der anhaltende Aufstand gegen das Regime von Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi führte laut WPF dazu, dass die Lieferkette für Nahrungsmittel „vor dem Kollaps“ stehe. In Bengasi haben die meisten Geschäfte und Fabriken geschlossen. Auch der Betrieb im Hafen der Stadt war am Montag eingestellt.
Schlangestehen vor Banken
Am Sonntag hatten sich in der Hauptstadt Tripolis lange Schlangen vor Banken gebildet, wie Einwohner der Stadt telefonisch der Nachrichtenagentur dpa schilderten. „Als die Leute gesehen haben, was in anderen Städten passiert, sind sie schnell zur Bank gegangen, um Geld abzuheben und sich mit dem Wichtigsten einzudecken.“ Al-Gaddafi hatte am Freitag versucht, mit dem Versprechen einer Sonderzahlung von 500 Dinar (rund 300 Euro) für Familie und einer deutlichen Anhebung der Gehälter für Staatsbedienstete die Proteste einzudämmen – allerdings vergeblich.
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