Für Megaauftrag gerüstet?
Der Jubel des US-Flugzeugbauers Boeing über den Sieg im jahrelangen Wettstreit um den 35 Milliarden Dollar (25,4 Mrd. Euro) schweren Auftrag zum Bau einer neuen Tankflugzeugflotte der US-Armee könnte sich als verfrüht herausstellen. Davor warnen zumindest die US-Ratingagenturen Standard & Poor’s (S&P) und Moody’s.
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Groß war der Jubel in der Zentrale des US-Flugzeugkonzerns nach der Entscheidung des US-Verteidigungsministeriums am vergangenen Donnerstag. Der Platzhirsch setzte sich in einem jahrelangen, epischen Bieterwettstreit um den Bau von 179 Tankflugzeugen für die US Air Force gegen den europäischen Konkurrenten EADS durch. Es ist das größte Geschäft der Luftfahrtgeschichte und kann mit Nachfolgebestellungen auf 100 Milliarden Dollar anschwellen.
„Klarer Gewinner“
Boeing habe sich nach eingehender Prüfung der Angebote als „klarer Gewinner“ erwiesen, sagte US-Vizeverteidigungsminister William Lynn bei Bekanntgabe der Entscheidung in Washington. Zunächst soll Boeing 18 Tankflugzeuge für 3,5 Milliarden Dollar (2,6 Mrd. Euro) liefern.
„Wir sind bereit“
Boeing teilte nach der Entscheidung mit, man fühle sich über den Zuschlag „geehrt“ - und: Das Unternehmen sei „bereit“ für den Bau der Maschinen. Doch genau daran zweifeln die Analysten der Agenturen S&P und Moody’s und warnen vor einem drohenden Bumerangeffekt für den Flugzeugbauer aus Detroit.
Tatsächlich ist Boeing bereits jetzt bei der Auslieferung zweier Flaggschiffe - des „Dreamliner“ und der neuen 747 - deutlich in Verzug. Der Auftrag des US-Militärs drohe jetzt „Entwicklungsressourcen von anderen wichtigen Programmen abzuziehen, einschließlich des kurzfristigen Anlaufs der 787-Produktion“, erklärte Moody’s in einer Einschätzung des Deals, wie die „Financial Times Deutschland“ („FTD“) am Montag berichtete.
Risiko Festpreis
Bereits 2017 müssen die ersten 18 Flugzeuge geliefert werden, bisher gebe es aber lediglich Pläne auf dem Papier. Das Tankflugzeug soll eine Weiterentwicklung des 767-Modells sein. Auch die Lieferung von Tankflugzeugen an Italien habe sich um Jahre verzögert. S&P verwies weiters darauf, dass die Entwicklung neuer Modelle bei Boeing in jüngerer Vergangenheit immer deutlich teurer war als zunächst kalkuliert. Das Pentagon zahlt jedoch einen Festpreis - allfällige Verteuerungen gegenüber dem gelegten Angebot müsste damit Boeing selbst übernehmen.
Für EADS ist die Niederlage ein deutlicher Rückschlag. Allerdings ist der europäische Rüstungskonzern bemüht, die Dinge positiv zu sehen. So spekuliert man darauf, Boeing zumindest den Preis verdorben zu haben: Airbus-Chef Thomas Enders betonte, man habe den Konkurrenten zu einem „sehr niedrigen Angebotspreis“ gezwungen. Zudem hoffen die Europäer nach der Entscheidung auf neue Chancen auf dem US-Rüstungsmarkt.
Die Entscheidung für Boeing beim Tankflugzeug sei „keine schlechte Ausgangsbasis für künftige Bieterverfahren“. Und Enders betonte, dass eine Niederlage für den Platzhirschen Boeing eine Katastrophe gewesen wäre, für EADS dagegen „nur eine verlorene Chance“.
Dritter Anlauf
Es war bereits der dritte Anlauf zur Vergabe des Megageschäfts. Einmal hatte Boeing gewonnen, einmal EADS. Nach Fehlern bei der Auftragsvergabe schrieb die US-Regierung den Superdeal immer wieder neu aus. Denn am Ende geht es um nichts weniger als die Machtverteilung am Himmel: EADS drängt mit aller Macht auf den riesigen amerikanischen Rüstungsmarkt. Bei den Verkehrsflugzeugen sind die Europäer mit ihrer Tochter Airbus bereits Spitze mit einem Anteil von 52 Prozent an den Auslieferungen im vergangenen Jahr.
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