Unterstützung durch schiitische Geistliche
Nach den blutigen Zusammenstößen in Bahrain haben Aktivisten und Angehörige am Freitag drei Opfer der Polizeigewalt zu Grabe getragen. Nach Berichten von Augenzeugen versammelten sich in der Hauptstadt Manama rund 15.000 Menschen zu den „Märtyrerbegräbnissen“. Dabei blieb es friedlich, die Polizei schritt nicht ein.
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Eine weitere Trauerfeier war für den Nachmittag geplant. Insgesamt starben bei den Protesten fünf Demonstranten, 230 wurden verletzt. Sicherheitskräfte hatten in der Nacht auf Donnerstag das Lager der Demonstranten auf dem zentralen Perlenplatz gestürmt. Mitglieder der schiitischen Bevölkerungsmehrheit hatten nach dem ägyptischen Vorbild ein provisorisches Zeltlager auf dem zentralen Platz errichtet. Mittlerweile sind Soldaten auf dem Platz im Einsatz, die neue Proteste verhindern sollen - Video dazu in iptv.ORF.at.
Abseits der Trauerfeierlichkeiten formierten sich am Freitag auch zwei kleinere Demonstrationszüge - eine Kundgebung richtete sich gegen Regierung und Herrscherhaus, eine zweite war von Anhängern des Königshauses organisiert worden.
Schiiten gegen sunnitischen König
Auch in der Stadt Sitra versammelten sich am Freitag mehrere tausend Oppositionelle zur Beisetzung dreier getöteter Demonstranten. Die Menge skandierte vor einer Moschee: „Das Volk will das Regime zu Fall bringen.“ In der schiitischen Gemeinde gibt es große Ressentiments gegen die sunnitische Königsfamilie unter König Hamad bin Issa Al Chalifa, die die Geschicke das Landes fest in Händen hält.
Kleines Königreich im Golf
Bahrain besteht aus 33 Inseln und ist knapp doppelt so groß wie Wien. Es ist der ärmste der Golfstaaten. Das Land wird von König Hamad bin Issa Al Chalifa und seiner Familie beherrscht. Er setzt die Regierung ein, Parteien sind nicht zugelassen.
Beim traditionellen Freitagsgebet sagte der bedeutendste schiitische Geistliche Scheich Issa Kassem, die Angriffe auf die Demonstranten seien ein Massaker gewesen. Die Regierung habe die Tür für einen Dialog zugeschlagen, so der Scheich vor Tausenden Gläubigen in der Stadt Diras. Die Schiiten stellen in Bahrain die Bevölkerungsmehrheit.
Briten wollen Waffenlieferungen stoppen
Die britische Regierung prüft unterdessen einen sofortigen Stopp von Waffenexporten nach Bahrain. Es gebe eine Genehmigung für den Export von Tränengas und weitere Ausstattung für Sicherheitskräfte, erklärte das britische Außenministerium am Freitag. Diese und andere Exporte würden umgehend gestoppt, wenn sie britische oder europäische Exportrichtlinien verletzen.
USA besorgt über Lage im Land
US-Außenministerin Hillary Clinton zeigte sich tief besorgt über die Lage in Bahrain. Die USA verurteilten Gewalt gegen Demonstranten und unterstützten demokratische Reformen, sagte sie in Washington. Die Sorge kommt nicht von ungefähr. Bahrain ist aus strategischen Gründen für die USA besonders wichtig. Das kleine Königreich ist ein enger Verbündeter der USA und Hauptquartier der fünften US-Flotte.
Rückhalt von anderen Golfmonarchien
Die anderen Golfmonarchien stärkten König Issa Al Chalifa am Donnerstagabend bei einem Außenministertreffen in Manama hingegen den Rücken. Sie erklärten, die Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) seien alle bereit, Mitgliedsstaaten zu unterstützen, wenn deren „Sicherheit und Stabilität“ gefährdet sei. Zum GCC gehören Bahrain, Saudi-Arabien, Kuwait, Oman, die Vereinigten Arabischen Emirate und Katar.
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