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Erneut Berichte über Todesopfer

In Libyen haben nach den Ausschreitungen mit Toten vom Donnerstag am Freitag die Trauerfeierlichkeiten stattgefunden. Zehntausende versammelten sich laut Augenzeugen in Bengasi im Osten des Landes. Um für Ruhe zu sorgen, schickt Präsident Muammar al-Gaddafi nun einen seiner Söhne ins Krisengebiet.

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Unterdessen wurden weitere Unruhen und Proteste aus verschiedenen Regionen im Osten des Landes gemeldet, bei denen neuerlich mehrere Menschen ums Leben gekommen seien. Allein in der Stadt Bengasi sollen am Freitag 25 Menschen getötet worden sein, wie die dpa mit Verweis auf gut unterrichtete Kreise berichtete. Polizei und Mitglieder der Al-Gaddafi-treuen Volkskomitees seien demnach mit Gewalt gegen Oppositionelle vorgegangen.

Dutzende Opfer der Zusammenstöße der letzten Tage wurden zuvor in mehreren Städten im Osten des Landes zu Grabe getragen. Die BBC zitierte Augenzeugen aus Bengasi, wonach am Vortag mindestens 20 Menschen ums Leben gekommen sein sollen. Die meisten sollen an Schussverletzungen gestorben sein, nachdem Sicherheitskräfte Al-Gaddafis in die Menge geschossen hatten. Offiziell wurde die Opferzahl bisher mit neun Toten angegeben.

Auch aus der Stadt al-Baidha wurden mindestens fünf Tote gemeldet, 15 Menschen sollen laut Augenzeugen verletzt worden sein. In al-Baidha verbrachten viele Menschen die Nacht in Zelten auf der Straße, wie die BBC berichtete. In Internetforen war am Freitag sogar von bis zu 50 Toten bisher die Rede.

„Al-Baidha in der Hand des Volkes“

Ein enormes Polizeiaufgebot begleitete die Trauerfeierlichkeiten. Meldungen über weitere Zusammenstöße blieben vorerst aus. Augenzeugen zufolge patrouillierten Soldaten in den Straßen von Bengasi und al-Baidha, hielten sich jedoch meist in Seitenstraßen auf. Einige Polizisten in al-Baidha hätten sich sogar auf die Seite der Protestierenden geschlagen, teilten zwei Exilgruppen am Freitag mit. „Al-Baidha ist in der Hand des Volkes“, sagte ein Sprecher der Gruppe Libysche Menschenrechtssolidarität der Nachrichtenagentur Reuters.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) mit Sitz in New York berichtete, mehrere an der Vorbereitung der Proteste beteiligte Regierungsgegner seien inhaftiert worden. Telefonverbindungen seien immer wieder unterbrochen worden, das Internet ist abgedreht.

Saadi al-Gaddafi, Sohn des libyschen Staatschef Muammar al-Gaddafi

APA/EPA/Sabri Elmhedwi

Al-Saadi al-Gaddafi soll für seinen Vater für Ruhe in Bengasi sorgen.

Regimeanhänger in Tripolis

Im Fernsehen werden hingegen nur Bilder von Regimeanhängern gezeigt. Der US-Sender CNN übertrug am Freitag Livebilder des staatlichen Fernsehens, worin Al-Gaddafi-Befürworter in Tripolis zu sehen waren. Einige von ihnen umringten die Limousine des Staatschefs, die sich einen Weg durch die Hauptstadt bahnte. Am Straßenrand standen Menschen mit Al-Gaddafi-Porträts. In der Hauptstadt dürfte es auch am Donnerstag weitgehend ruhig geblieben sein.

Al-Gaddafi schickt Sohn ins Krisengebiet

Abseits von gewaltsamen Maßnahmen dürfte Al-Gaddafi hinter den Kulissen noch einen anderen Schachzug vorbereiten, um vor allem im Osten des Landes wieder Ruhe herzustellen. Die libysche Zeitung „Al-Watan“ meldete am Freitag, Al-Saadi al-Gaddafi, der 37-jährige Sohn Al-Gaddafis, wolle nach Bengasi umziehen, um dort einen Aktionsplan zur Verbesserung der Infrastruktur umzusetzen.

Der Sohn des Revolutionsführers, der bisher eher als Fußballspieler denn als Politiker aufgefallen ist, sagte der Zeitung: „Dabei wird sich keiner der bisherigen Verantwortlichen einmischen dürfen.“ Al-Saadi al-Gaddafi betonte, es gehe ihm darum, eine Aufgabe zu erledigen. Wer ihn kenne, wisse, dass er nicht nach Verantwortung strebe. Schon zuvor hatte die Tageszeitung „Kurina“ (Website: Quryna.com), die Al-Gaddafis Sohn Saif al-Islam nahestehen soll, berichtet, die Regierung plane für kommende Woche „größere Veränderungen“ inklusive Personalrochaden in der Führung.

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