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Dutzende Verletzte auf Perlenplatz

Im arabischen Königreich Bahrain ist die Polizei Donnerstagfrüh gewaltsam gegen mehrere tausend Demonstranten vorgegangen, die eine Reform des autoritären Regimes gefordert hatten. Mindestens fünf Menschen wurden getötet, Dutzende verletzt.

Damit stieg die Zahl der Demonstranten, die bei den seit nunmehr fünf Tagen anhaltenden Protesten getötet wurden, auf insgesamt sieben. Tausende Demonstranten hatten in der Nacht auf Donnerstag auf dem zentralen Perlenplatz in der Hauptstadt Manama ausgeharrt.

Gegen 3.00 Uhr Ortszeit habe die Polizei den Platz dann umstellt und ohne Vorwarnung das Feuer auf die Menschen eröffnet, berichteten Augenzeugen der Nachrichtenagentur dpa. Als die Menschen in Panik von dem Platz geflohen seien, hätten Polizisten mit Schlagstöcken sie noch in die umliegenden Straßen verfolgt. Anschließend sicherten Polizeikräfte den Platz.

Polizei blockiert Straße in Manama

AP/Hassan Ammar

Polizeieinsatz auf dem Perlenplatz

Zwei Tote mit Schusswunden

Ärzte des Salaminia-Krankenhauses in Manama sagten der dpa, dass zwei Tote mit Schusswunden in die Klinik gebracht worden seien. Ein drittes Opfer erlag nach Angaben von Notfallhelfern auf dem Perlenplatz seinen Verletzungen. Mindestens 45 Verletzte wurden im Krankenhaus behandelt. Viele hätten Schusswunden erlitten oder seien durch Tränengasgranaten verletzt worden, sagten Ärzte.

Nasar al-Baharna, der Staatsminister für auswärtige Angelegenheiten, legte sein Amt aus Protest gegen diese Eskalation der Gewalt in der Nacht auf Donnerstag nieder.

Ruf nach Sturz des Regimes

Zu Tausenden - die Angaben schwankten zwischen 5.000 und 20.000 - hatten sich die Menschen schon am Mittwoch nach der Beisetzung eines am Vortag getöteten Demonstranten auf dem Platz versammelt, darunter auch viele Frauen und Kinder. Nach den gewaltsamen Zusammenstößen der Vortage verlief der Protest zunächst aber friedlich. Vereinzelt war während der Beerdigung zum Sturz des Regimes aufgerufen worden. Die meisten Oppositionellen erklärten jedoch, sie forderten lediglich Reformen.

Bahrain, der ärmste der reichen Golfstaaten, wird von König Hamad bin Issa Al Chalifa und seiner Familie beherrscht. Er setzt die Regierung ein, Parteien sind nicht zugelassen. Bei den Demonstranten handelt es sich zumeist um schiitische Muslime, sie stellen auch die Mehrheit der Bevölkerung. Das Herrscherhaus ist hingegen sunnitisch.

Parlament ohne Macht

Viele bahrainische Oppositionelle beklagen, dass die Macht des gewählten Parlaments zu gering sei. Die Mitglieder der zweiten Kammer werden vom König ernannt. Obwohl Parteien verboten sind, lassen sich die Politiker verschiedenen Lagern zuordnen. Neben der schiitische Wifak-Gesellschaft haben die moderaten sunnitischen Islamisten und die radikalen Islamisten (Salafisten) großen Einfluss, daneben gibt es die schiitische Bewegung für Freiheiten und Demokratie (Hakk).

Mehrere Websites und Publikationen der Opposition waren vergangenes Jahr verboten worden. Die Sicherheitskräfte nahmen bereits damals mehrere schiitische Kritiker der Regierung unter „Terrorverdacht“ fest, was von Menschenrechtsorganisationen kritisiert wurde. Im Oktober kam es zu Zusammenstößen zwischen der Polizei und schiitischen Demonstranten, die gegen die Verhaftungen protestierten. Einem bekannten schiitischen Geistlichen entzog man die Staatsbürgerschaft.

Opposition will Parlament verlassen

Die Wifak, die bei der Wahl vor vier Jahren 18 der insgesamt 40 Sitze belegte, hatte zunächst versucht, sich aus diesem Streit herauszuhalten. Doch dann sperrten die Behörden im September die Website der Bewegung. „Wir wollen nicht, dass Molotowcocktails fliegen“, sagte der Wifak-Vorsitzende Ali Salman in einem Interview mit dem TV-Sender al-Arabija. Nun sind praktisch alle Oppositionskräfte bei den Protesten vereint.

„So darf man nicht mit friedlichen Demonstranten umgehen“, sagte Salman. Er betonte aber, die Wifak-Gesellschaft wolle keinen Sturz der Herrscherfamilie, sondern politische Reformen. Bahrain müsse in eine konstitutionelle Monarchie umgewandelt werden. Die Regierung solle künftig gewählt und nicht mit Günstlingen des Königs besetzt werden. Aus Protest will der Wifak-Oppositionsblock nun das Parlament verlassen: Man werde sich geschlossen aus der Volksvertretung zurückziehen, sagte der Abgeordnete Ali al-Aswad am Donnerstag.

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