Einigung in Tschechien
Während in Österreich die Ausbildungssituation mit langen Wartezeiten Jungärzte zur Auswanderung führt, drängen etwa in Tschechien und in der Slowakei die Arbeitsbedingungen zur Auswanderung. Am 1. März läuft in Tschechien die Kündigungsfrist der 3.800 Ärzte ab, die im Rahmen der Gewerkschaftsaktion „Danke, wir gehen“ mit dem Jahreswechsel gekündigt hatten.
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Nach wochenlangem Tauziehen einigten sich die Krankenhausärzte mit der Regierung Mitte Februar. Die Ärzte stimmten dem Angebot, die Löhne um bis zu 8.000 Kronen (rund 330 Euro) zu erhöhen, zu, obwohl Premier Petr Necas auf einen strikten Sparkurs beharrt. Mit der Einigung konnte ein Zusammenbruch der medizinischen Versorgung vermieden werden. Die Ärzte sollen nun ihre eingereichten Kündigungen stornieren. Zuvor war bereits begonnen worden, Krisenszenarien auszuarbeiten und entsprechende Maßnahmen zu setzen. Necas soll auch überlegt haben, Militärärzte einzusetzen.
Eskaliert ist der Protest in Tschechien vor allem wegen der Einkommenssituation. Laut einer Studie des Gesundheitsministeriums lag das durchschnittliche Grundgehalt eines tschechischen Arztes ohne Überstunden- und Wochenendzuschläge bei knapp 1.000 Euro. Sie fordern das Doppelte dieses Basisgehalts. Viele wechseln nach Deutschland und Österreich. Ihre Jobs werden zum Teil von Slowaken übernommen, die wiederum in der Slowakei fehlen.
Slowenien sucht ebenfalls
Auch in Slowenien fehlen Mediziner. Wegen des chronischen Ärztemangels sollten die bürokratischen Hürden für ausländische Ärzte reduziert werden. Bisher waren langwierige und teure Zusatzprüfungen notwendig, um dort arbeiten zu dürfen. Nach Berechnung der slowenischen Ärztekammer fehlen 2.000 Ärzte, die Regierung spricht von 500.
Ärztemigration als Business
Aus der Ärztewanderung wurde ein Geschäft. Zahlreiche Agenturen vermitteln Ärzte von Osteuropa in Länder wie Deutschland, wo medizinische Fachkräfte fehlen. Insbesondere in den ostdeutschen Ländern stieg die Zuwachsrate ausländischer Ärzte in den vergangenen Jahren. Die Zahl der ausländischen Ärzte im Westen Deutschlands stieg zwischen 2001 und 2009 um 53 Prozent, in den neuen deutschen Bundesländern um fast 350 Prozent, berichtete das Fachmagazin „Arzt & Wirtschaft“.
Viele deutsche Jungärzte zieht es - nicht zuletzt ebenfalls aufgrund noch höherer Löhne - ebenfalls ins Ausland. Insbesondere skandinavische Länder und Großbritannien werben mit lukrativen Bedingungen um Ärzte aus dem Ausland, da ihre eigenen Ausbildungskapazitäten nicht ausreichen.
12.000 Spitalsärzte fehlen
Die Ärztegewerkschaft Marburger Bund (MB) hatte erst Mitte Februar gewarnt, dass angesichts rund 12.000 fehlender Spitalsärzte den Patienten in Deutschland immer mehr Kurzvisiten, Warterei und Fehler drohen. Die Personalnot sei dramatischer als bisher gedacht, sagte MB-Chef Rudolf Henke. Im Schnitt seien 1,5 Arztstellen pro Spitalsabteilung unbesetzt: „Das müssen wir ernst nehmen.“
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