Karl will Turnus abschaffen
Seit Monaten gibt es eine politische Diskussion über die Neuerungen der Medizinerausbildung und die Abschaffung des Turnus. Die heutige Ausbildung geht noch auf das Jahr 1945 zurück. Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (ÖVP) hatte im vergangenen Jahr für eine Änderung des Turnus für Mediziner plädiert.
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Statt der mindestens dreijährigen Turnusausbildung zum Allgemeinmediziner im Anschluss an das Studium soll ein klinisch-praktisches Jahr während der Universitätsausbildung bereits für eine Teilapprobation reichen. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) will von einer Abschaffung des Turnus und einer Berufsberechtigung gleich nach dem Studium aber nichts wissen.
Fachentscheidung nach einem Jahr
Stöger schlägt das in Skandinavien übliche Modell des „Common Trunk“ („Gemeinsamer Stamm“) vor. Demnach sollen künftig alle angehenden Ärzte am Beginn des Turnus ein gemeinsames Praxisjahr - je sechs Monate Chirurgie und Innere Medizin und eine Schwerpunktausbildung in Notfallmedizin - absolvieren.
Danach sollte man die Entscheidung für eine zweijährige Ausbildung zum Allgemeinmediziner oder bis zu fünfjährige Facharztausbildung treffen. Dann erst erfolgt die Approbation - die Berufsberechtigung. Mit diesem Modell erhofft sich Stöger eine effizientere Nutzung der Turnusstellen. Denn von den zwei Jahren Ausbildung zum Allgemeinmediziner soll nach Stögers Plänen künftig ein Jahr in einer Lehrpraxis erfolgen.
Kommission arbeitet an Vorschlägen
Für Martin Andreas, Jungärztereferent der Ärztekammer Wien, ist das „Common Trunk“-Modell nichts Neues: „Das haben wir schon vor Jahren diskutiert.“ Stöger will nun in den nächsten Wochen mit einer Expertenkommission aus Länder-, Sozialversicherungs- und Ärztevertretern Details zur Umsetzung seiner Vorschläge ausarbeiten lassen.
Vor kurzem startete auch eine interministerielle Arbeitsgruppe unter Leitung des Wissenschaftsministeriums, die laut Karl Vorschläge für eine verbesserte Ärzteausbildung an den Universitäten und danach erarbeiten soll.
Neuerungen für Allgemeinmediziner
Die von Ärztevertretern geforderte Einführung einer Fachausbildung zum Allgemeinmediziner scheint offenbar im Gesundheitsministerium wenig Anklang zu finden. Das sei derzeit nicht angedacht, betonte Stögers Sprecher gegenüber ORF.at.
Klar sei laut Stöger, dass eine entsprechende Aufwertung der Medizin außerhalb der Krankenanstalten auch in der Ausbildung abgebildet werden müsse. Die Frage, wer das bezahlen solle, sei aber immer ein „Diskussionsthema“ mit den Ländern, gibt sich der Gesundheitsminister zurückhaltend.
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