„Ägypten ist frei“
Die Ära von Ägyptens Präsident Hosni Mubarak ist zu Ende. Vizepräsident Omar Suleiman erklärte am Freitagabend im staatlichen Fernsehen, Mubarak sei zurückgetreten und habe die Führung des Landes in die Hände der Armee gelegt. Auf den Straßen Kairos feierten die Massen mit „Ägypten ist frei“ den für das Land historischen Tag.
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Es waren die Worte, auf die Hunderttausende Menschen in ganz Ägypten seit Wochen gewartet hatten: „Präsident Mubarak hat sich entschieden, als Präsident der Republik zurückzutreten. Er hat die Macht an das Oberkommando der Armee übergeben. Möge Gott helfen“, wurde Suleiman zitiert.
Nach dem Rücktritt von Mubarak übernahm der Oberste Militärrat unter dem bisherigen Verteidigungsminister Mohammed Hussein Tantawi die Macht im Land. Unklar blieb die Rolle von Suleiman, dem Mubarak am Vortag weite Amtsvollmachten übertragen hatte.

AP
Vizepräsident Suleiman verkündet das Ende der Ära Mubarak.
Der Oberste Militärrat bestätigte in einer Fernseherklärung die Übernahme der Macht. Zugleich versicherte ein Sprecher, dass das Oberkommando den Willen des Volkes erfüllen wolle. Er dankte auch dem zurückgetretenen Mubarak. Den Menschen, die bei den Protesten getötet wurden, bezeugte er mit einem militärischen Gruß Respekt. Sie hätten ihr Leben für die Freiheit Ägyptens gegeben.
Kabinett und Parlament vor Auflösung
Agenturmeldungen zufolge soll in einem ersten Schritt das Kabinett entlassen und auch die beiden Parlamentskammern aufgelöst werden. Der Militärrat wolle die Macht dann zusammen mit der Spitze des ägyptischen Verfassungsgerichts ausüben.
Mubarak selbst verließ bereits am Nachmittag Kairo und flog nach Angaben aus der Regierungspartei mit seiner Familie in den Badeort Scharm al-Scheich, wo es eine Präsidentenresidenz gibt. Mehrfach war in den vergangenen Tagen die Möglichkeit ins Spiel gebracht worden, dass sich Mubarak dorthin zurückziehen könnte.
„Schönster Tag meines Lebens“
Hunderttausende Demonstranten auf dem zentralen Tahrir-Platz in Kairo reagierten am 18. Tag der Proteste mit frenetischem Jubel. „Das Volk hat das Regime gestürzt“, rief die Menge. Der zwischenzeitlich inhaftierte Internetaktivist und Google-Manager Wael Ghonim teilte per Twitter mit: „Glückwunsch, Ägypten! Der Verbrecher hat den Palast verlassen.“

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Demonstranten reagieren mit Jubelschreien auf den Mubarak-Rücktritt.
Der Oppositionspolitiker und Friedensnobelpreisträger Mohamed ElBaradei sagte laut dem britischen Sender BBC: „Das ist der schönste Tag meines Lebens.“ Die oppositionelle Muslimbruderschaft sprach von einem Sieg für das ägyptische Volk. Das Hauptziel sei mit Mubaraks Rücktritt erreicht, sagte ein Vertreter der Organisation, Mohammed al-Katatni, in Kairo. Das Militär habe sein dem Volke gegebenes Versprechen gehalten und dessen Kampf unterstützt.
Am Donnerstag hatten die Demonstranten stundenlang hoffnungsvoll auf eine Erklärung Mubaraks gewartet und waren dann enttäuscht worden. Der 82-Jährige hatte nach fast 30 Jahren im Amt einen Rücktritt erneut abgelehnt. Dass Suleiman einen Teil der Vollmachten Mubaraks übernahm, ging der Opposition nicht weit genug.
Straffreiheit für Demonstranten garantiert
Die Armeeführung gab zuvor am Freitag eine Erklärung ab, die dem Volk politische Reformen garantiert. Das Oberkommando kündigte an, den Weg zu freien und fairen Wahlen zu sichern. Der seit Jahrzehnten geltende Ausnahmezustand solle aufgehoben werde, sobald es die Situation erlaube. Kein friedlicher Demonstrant müsse Strafverfolgung fürchten.
Der Generalsekretär der Regierungspartei NDP, Hossam Badrawi, erklärte am Freitag ebenfalls seinen Rücktritt. Er habe diesen Schritt nach nur einer Woche im Amt verkündet, berichtete der arabische Nachrichtensender al-Arabija aus Kairo. Badrawi hatte am Vortag bereits Präsident Mubarak angesichts der andauernden Proteste zum Rücktritt aufgefordert.

Reuters/Steve Crisp
Hunderttausende strömen nach dem Freitagsgebet erneut zu Massenprotesten.
Erstmals Proteste vor Präsidentenpalast
Neben dem Tahrir-Platz errichteten die Demonstranten am Freitag auch ein Lager vor dem Gebäude des staatlichen Fernsehens. Auch vor dem von der Armee scharf bewachten Präsidentenpalast demonstrierten erstmals Tausende Ägypter.
Erneut gestiegen ist die Zahl der Todesopfer: Bei Zusammenstößen am Rande einer Demonstration wurden auf der Sinai-Halbinsel am Freitag ein Mensch getötet und 20 weitere verletzt. Nach Angaben eines Vertreters der Sicherheitskräfte kam es in der Stadt Al-Arisch zu einem Schusswechsel, als Demonstranten versuchten, Gefangene aus einer Polizeiwache zu befreien. Seit dem Beginn der Proteste kamen landesweit mindestens 300 Menschen ums Leben.
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