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Kreml-Chef will hart durchgreifen

Nach dem Selbstmordanschlag mit 37 Toten auf dem Moskauer Flughafen Domodedowo hatte der russische Präsident Dimitri Medwedew einen deutlich schärferen Anti-Terror-Kampf angekündigt. Russland brauche mit Blick auf die Olympischen Winterspiele 2014 in Sotschi und andere Großereignisse einen „maximalen Schutz vor Anschlägen“.

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Bei einer Sitzung mit Vertretern des Inlandsgeheimdienstes FSB rügte der Kreml-Chef erneut laxe Sicherheitsvorkehrungen auf dem Flughafen. Dort habe praktisch „Anarchie“ geherrscht. Jeder habe dort kommen und gehen können, ohne kontrolliert zu werden.

„Nester dieser Banditen vernichten“

Die Behörden vermuten nach eigenen Angaben, dass Terroristen aus dem russischen Konfliktgebiet Nordkaukasus hinter dem Anschlag stecken. Medienberichten zufolge hatte der FSB bereits seit einigen Tagen Hinweise auf einen bevorstehenden Terrorakt in Moskau.

Im Fernsehen drohte Medwedew den Hintermännern des Anschlags mit martialischen Worten. „Wir müssen alles tun, um die Banditen, die dieses Verbrechen begangen haben, zu identifizieren und vor Gericht zu bringen und um die Nester dieser Banditen zu vernichten“, sagte der Präsident. „Der Terrorismus bleibt die größte Sicherheitsbedrohung für unseren Staat.“

Entlassungswelle bei Polizei gestartet

Medwedew sprach von klaren Signalen, dass der FSB seine Arbeit besser machen müsse als bisher. „Wir brauchen ein schärferes Kontrollsystem, also eine totale Kontrolle. Wahrscheinlich wird sie länger dauern für die Passagiere, aber das ist der einzige Ausweg.“ Als erste Konsequenz aus den Anschlägen gab Medwedew am Mittwoch bekannt, er habe den für die Transportsicherheit im Föderationsbezirk Mitte zuständigen Verwaltungschef des Innenministeriums, Andrej Alexejew, entlassen.

Wie Innenminister Raschid Nurgalijew mitteilte, wurden auch der Polizeichef des Flughafens und zwei seiner Stellvertreter gefeuert. Medwedew betonte, die für die Transportsicherheit zuständigen Polizeieinheiten müsse man gründlich „schütteln“, um die beim Anschlag in Domodedowo aufgedeckten Sicherheitsmängel zu beseitigen. „Wenn man nicht versteht, wie man arbeiten muss, werden wir andere finden. Die Kontrolle muss täglich sein, sie muss aufdringlich sein - ansonsten werden wir die gestellten Ziele nicht erreichen“, so Medwedew. Es werde auch weitere Entlassungen geben.

Folgen auch für Geheimdienst

Auch der FSB müsse bei sich personelle Konsequenzen ziehen, verlangte der Präsident. Er kritisierte, dass die Zahl der Terroranschläge in Russland im vergangenen Jahr gestiegen sei. „Das ist für den FSB und andere Sicherheitsstrukturen ein ernstes Signal.“ Medwedew kündigte an, am Mittwoch nun doch zum Weltwirtschaftsforum zu reisen und dort eine Rede zu halten. Unmittelbar nach dem Anschlag hatte er das zunächst infrage gestellt.

Putin kündigt Vergeltung an

Der russische Regierungschef Wladimir Putin kündigte eine „unvermeidliche Vergeltung“ für den Anschlag an. „Für dieses grausame und sinnlose Verbrechen werden die Terroristen büßen“, sagte Putin. Putin und Medwedew besuchten in Moskauer Kliniken Patienten, die am Vortag bei dem Anschlag von einer Splitterbombe verletzt worden waren. Bei einer anschließenden Kabinettssitzung sagte Putin den Angehörigen der Opfer Schadenersatz bis zu jeweils umgerechnet 75.000 Euro zu. Der Moskauer Bürgermeister Sergej Sobjanin ordnete für Mittwoch einen offiziellen Trauertag in der Hauptstadt an.

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