10.000 neue Pensionisten täglich
Die Babyboomer kamen in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg zur Welt. Die Erleichterung über das Kriegsende ließ in den Jahren 1946 bis 1964 die Geburtenzahlen in den USA regelrecht nach oben schnellen. 76 Millionen Amerikaner wurden in dieser Zeit geboren. Die ersten von ihnen werden nun 65 Jahre alt.
Dieser Artikel ist älter als ein Jahr.
Rund 10.000 Babyboomer werden in den USA innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte täglich das Pensionsalter erreichen. Für das Sozialsystem ist diese Welle eine regelrechte Katastrophe: Denn verstärkt durch den demografischen Wandel können die Erwerbstätigkeiten, die die Pensionen dieser Generation zahlen, diese Belastung kaum tragen.
Die wichtigsten Ausgaben im US-Budget sind neben den Militärkosten die Posten Medicare, Medicaid und Social Security, wie die „Süddeutsche Zeitung“ („SZ“) berichtete. Medicare ist eine Krankenversicherung, die jedem Amerikaner ab einem Alter von 65 Jahren zusteht. Medicaid bietet Gesundheitsleistungen für sozial Schwache und Social Security zahlt die Mindestrente.
Leistungsbezieher verdoppeln sich beinahe
Die drei Systeme sind, wie das österreichische Pensionssystem, umlagenfinanziert. Das bedeutet, dass die Erwerbstätigen die Leistungen für die heutigen Pensionisten zahlen. Laut „SZ“ nehmen derzeit 46 Millionen Amerikaner die Leistungen aus dem Medicare-Programm in Anspruch. Wenn in etwa 20 Jahren die letzten Babyboomer in Pension sind, steigt diese Zahl auf mehr als 80 Millionen.
Die USA sind nicht der einzige Staat, der mit einer alternden Gesellschaft zu kämpfen hat, die Ausgangslage ist dort jedoch ungleich problematischer. Schon jetzt beträgt das jährliche Haushaltsdefizit 1,3 Billionen Dollar. Laut „SZ“ warnen unabhängige Experten des Congressional Budget Office davor, dass die drei staatlichen Sozialsäulen ab 2035 fast die gesamten Steuereinnahmen verschlingen werden.
Öffentlichen Pensionsfonds fehlen 2,5 Bio. Dollar
Allein die US-Bundesstaaten haben laut einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ („FTD“) gewaltige ungedeckte Pensionsverpflichtungen gegenüber ihren ehemaligen und derzeitigen Beschäftigten. Sie sollen sich laut dem ehemaligen Chef des Pesionsfonds von New Jersey, Orin Kramer, auf rund 2,5 Billionen Dollar belaufen.
Aufgrund ihrer Berechnungsmethoden würden die öffentlichen Pensionsfonds das ganze Ausmaß der Finanzmisere noch verschleiern. So griffen sie bei der Bewertung der Renditen auf alte Zahlen zurück und setzten damit einen Wert von rund acht Prozent an - eine Rendite, die nun als kaum erreichbar gilt.
Die gewaltige Finanzierungslücke würde die US-Pensionsfonds der öffentlichen Hand zu enormen Kürzungen bei Dienstleistungen und dem Verkauf von Vermögenswerten zwingen, wie die „FTD“ schreibt. „Das wird leider dazu führen, dass die Sicherheitsnetze für die schwächsten Bürger ausgedünnt werden“, so Kramer.
Private Lücke von 6,6 Bio. Dollar
Von einer Pensionskrise gewaltigen Ausmaßes ist auch in einer kürzlichen Studie des Centers for Retirement Research an der Boston College die Rede: Mit einem sorglosen Lebensabend können offenbar nicht viele Pensionisten rechnen. Wie das Nachrichtenportal Huffington Post zitiert, schätzt das Institut die Differenz zwischen den Pensionsrücklagen der US-Haushalte und dem, was sie brauchen, um ihren Lebensstandard über ihre Berufstätigkeit hinaus erhalten zu können, auf 6,6 Billionen Dollar ein.
Laut Maria Freese, die für Regierungsfragen Verantwortliche im National Committee to Preserve Social Security and Medicare, ist diese Zahl jedoch nur eine „konservative“ Schätzung. Die Krise könnte sich noch mehr ausweiten, wenn der Staat Sozialausgaben kürze.
Nötiges Sparen auf Kosten der Pensionisten
Genau das wäre jedoch laut „SZ“ die nötige Kurskorrektur, die das Budget vor dem Ruin retten würde. Ein Mix aus Steuererhöhungen und Einschnitten in das Sozialsystem, verbunden mit einer Erhöhung des Rentenalters, wäre laut der Zeitung der vernünftigste Weg.
Die überparteiliche Defizitkommission von Präsident Barack Obama hat erst vor wenigen Wochen konkrete Vorschläge zur Verbesserung des Staatshaushalts vorgelegt. Die Chancen auf Umsetzung sind jedoch gering - schon der Widerstand gegen Obamas Gesundheitsreform hatte gezeigt, wie empfindlich ältere Wähler auf Veränderungen im Sozialsystem reagieren.
Links: